Magdeburg l Der mittlerweile 36-Jährige wusste schon immer, was er wollte. Und erinnert sich noch ganz genau, wie es war, als er im Sommer 2012 aus dem Ruhrpott zum 1. FC Magdeburg wechselte.

Marius Sowislo, 1982 im polnischen Bytom geboren, zog mit fünfeinhalb Jahren mit seiner Mutter, dem älteren Bruder und der jüngeren Schwester dem Vater nach Bochum hinterher. Sowislo machte sein Abi und bei Opel eine Ausbildung zum Bürokaufmann, wurde später Fußballprofi.

Sein Berater Albert Höfer knüpfte den Kontakt zum FCM. Der lag gerade am Boden. Mario Kallnik als sportlicher Leiter und der neue Trainer Andreas Petersen bastelten an einem neuen Team. „Ich war damals 29. Da fängt ja das Fußballerleben nicht erst an. Von Magdeburg, dem Osten generell, wusste ich bis dahin nicht viel. Ich habe mich dann aber belesen. Außerdem meinte mein Vater, das sei die letzte große Chance, die ich kriegen würde. Im Gegensatz zum Fußballer Marius Sowislo kannte der frühere Handballer Heinrich Sowislo die Sportstadt Magdeburg ganz gut, riet seinem Filius zum Wechsel. „Gut, dass ich auf ihn gehört habe“, erklärt der spätere Aufstiegskapitän.

Marius allein in Magdeburg

Wie die ersten Tage in Magdeburg dann jedoch abliefen, war mit ein Anstoß für das Entstehen von SAMFORCITY. SAM steht dabei für Sportler aus Magdeburg, ist aber auch rückwärts das Kürzel für Marius Adrian Sowislo.

„Früher musste ich nie umziehen, wohnte immer in Bochum. Beim FCM war das anders und alles neu für mich. Ich war das erste Mal allein. Kurz vorher hatten wir geheiratet, kam aus den Flitterwochen mit Julia. Wir wollten nicht unbedingt in die Platte, sondern was Ruhiges im Grünen. Da wurden uns Wohnungen gezeigt. Da hatten die Wände verschiedene Farben, waren die Löcher größer als Fenster. Drei Tage vor Trainingsbeginn wusste ich nicht wohin. Keiner konnte mir helfen. Ich habe dann zunächst in einer Pension am Flugplatz geschlafen. In einem Doppelstockbett mit meinem Vater. Er oben, ich unten. Ich dachte nur, wo bist du hier gelandet“, erinnert sich Sowislo an seine ersten Tage in Magdeburg und schwor sich, das sollen andere nicht auch erleben müssen.

Sowislo: „Elmar war mein einziger Ansprechpartner. Der hat mit Vater ein Bierchen getrunken und die Wohnung gemalert.“ Elmar, das ist Elmar Naue. Der langjährige Mitarbeiter der FCM-Geschäftsstelle, Hausmeister und gute Seele in einem, wurde kürzlich in den Ruhestand verabschiedet.

Projekt-Start im Jahr 2014

Gestartet ist das Projekt SAMFORCITY am 1. September 2014, damals zusammen mit Ex-FCM-Kicker Telmo Teixeira. Da ging es das erste Mal online. „Das Ziel war, die regionale Wirtschaft mit dem Leistungssport zu verknüpfen. Unser erster Partner war Alpha Sports aus Berlin. Zu Beginn haben Telmo und ich nachts Tüten gefüllt und den Mitspielern am nächsten Tag auf den Platz gepackt. Während die bei Auswärtsfahrten im Bus schliefen oder spielten, haben wir am Laptop gearbeitet“, erinnert sich Jungunternehmer Sowislo an die ersten Schritte.

Doppelte Sternstunde

2015 gab es eine doppelte Sternstunde für Familie Sowislo. . Zunächst den Aufstieg des FCM in den Profifußball, dann die Geburt von Tochter Daria: „Meine schwangere Frau war als Zuschauerin beim Aufstiegsspiel in Offenbach dabei.“

Inzwischen ist Marius Sowislo ein ganz normaler Familienvater und Geschäftsmann. Sein Tag verläuft wie bei vielen Magdeburgern. Um 6.30 Uhr klingelt der Wecker, um 7.30 Uhr ist er auf dem Weg in den Kindergarten. Die Frau fährt weiter zur Arbeit nach Hermsdorf. Um 8.30 Uhr sitzt er im Büro im Westernplan. Abends um 20.30 Uhr ist er zu Hause.

Geschäftsmann und FCM-Markenbotschafter

„Es nutzt ja nichts, das Netzwerk aufzubauen. Du musst die Leute bei Laune halten, damit sie dabei bleiben. Das sind viele Gespräche mit den Sportlern und Partnern, um zum Beispiel Kita-Plätze zu besorgen und andere Probleme zu lösen“, sagt Sowislo, dessen Unternehmen sich neben den Beiträgen – die derzeit 170 Mitglieder zahlen zwischen 69 und 89 Euro im Jahr – vor allem über Partner und Sponsoren trägt.

Jüngstes Projekt ist die „Blau-Weiße Partnerschaft“ zwischen dem FCM und Vereinen der Region. Sowislo ist als Projektleiter dabei so etwas wie der Markenbotschafter der Blau-Weißen. Dafür ist der Ex-Kapitän derzeit überall im Land unterwegs, will bald den 150. Partnerverein besuchen.

So wie früher als Fußballer gestaltet der 36-Jährige auch sein Leben und das seiner Familie ganz bewusst, sagt voller Überzeugung: „Mein Leben, so wie ich es mir vornehme, das wird klappen. Ich bin fest überzeugt, dass alles, was ich mache, zu hundert Prozent eintrifft.“