Magdeburg l Sie könnte die Nächste sein, die, wie einst die aktuelle Nummer eins der deutschen Frauen-Nationalmannschaft, Almuth Schult, in der Talenteschmiede des Magdeburger FFC das Auswahl-Rüstzeug erhielt und stolz den Adler auf der Brust trägt. Die Rede ist von der frischgebackenen U-17-Europameisterin Nicole Woldmann.

Bei der am vergangenen Sonnabend beendeten EM-Endrunde in Bulgarien kam Nicole Woldmann in allen deutschen Spielen zum Einsatz, stand im Finale gegen die Holländerinnen 58 Minuten auf dem Platz. „Ich hatte schon vor dem Spiel ein gutes Gefühl. Als es dann zum Elfmeterschießen kam, habe ich mir keine Sorgen gemacht. Ich wusste, dass unsere Torfrau Pauline Nelles sehr gut drauf war.“ Und so sollte es ja auch kommen. Nelles parierte vier Strafstöße, Deutschland gewann mit 3:2 und holte den Titel. „Der Rest war Freude pur“, so Woldmann.

Das war Freude pur

„In der relativ kurzen Nacht“ – bereits gegen 4 Uhr am Sonnabend fuhr der Bus zum Flughafen, um 6 Uhr ging der Flieger gen Deutschland – „hat kaum einer ein Auge zugemacht“, so die Kickerin, die zuvor bei der Siegerehrung „große Freude“ empfunden hatte. In einer Bar im Hotel, vom DFB vorsorglich für den Finaltag gebucht, wurde die Nacht zum Tag gemacht. „Toll war dann aber auch der Empfang in Dortmund im Fußballmuseum“, so Woldmann weiter. Erst danach ging es via Bahn nach Hause, wo sie gegen 16.30 Uhr ankam.

Erst EM-Finale, dann Regionalliga

Der sportliche Ehrgeiz der jungen Frau kennt keine Grenzen. Nicole Woldmann gönnt sich keine Auszeit. Nur zwei Tage nach dem EM-Finale in Bulga-rien kam sie mit den Frauen des MFFC im letzten Regionalliga-Saisonsspiel beim 1. FC Union Berlin (2:3) für knapp 20 Minuten zum Einsatz.

Für die nunmehr 16-Jährige ist das Kapitel MFFC nach nur drei Jahren aber auch schon wieder zu Ende. Ab 1. Juli des Jahres steht sie beim FC Bayern München unter Vertrag, wird dort die Töppen für die zweite Mannschaft der Bayern in der 2. Bundesliga schnüren. Eigentlich kann man das bisherige Leben der jungen Auswahlspielerin stets als eine Art Wanderschaft bezeichnen, immer auf dem Sprung zur weiteren Verbesserung.

Angefangen hatte alles vor zehn Jahren, als die in Glauchau geborene Nicole von ihren Eltern im sächsischen Penig angemeldet wurde. Diese hatten eigentlich einen anderen sportlichen Weg für ihre Tochter im Sinn. Schwimmen und Turnen wären doch die passenderen Sportarten gewesen. Doch mit fünf Jahren entschied sich das taffe Mädchen für den Fußball. Im April 2009 war sie Mitglied beim TSV. Dort jagte sie zusammen mit den Jungen von den Bambinis bis zu den C-Junioren dem Fußball hinterher, bekam nach nur zwei Jahren ein Zweitspielrecht für die Mädchen des Chemnitzer FC.

Kontinuierlich ging es weiter aufwärts. Erste Titel mit den CFC-Mädchen, Berufungen in die Landesauswahl und 2015, mit gerade einmal zwölf Jahren, der Wechsel an die Sportschule in Leipzig brachten das junge Talent voran. Doch es ging nicht nur vorwärts. Nunmehr dem FFV Leipzig angehörend, meldete der Verein nach nur einem Jahr Insolvenz an.

So zog es die gerade 13 Jahre alt gewordene Nicole zum MFFC. Vor allem die optimale Infrastruktur mit Gymnasium, Internat und Trainingsstätte hatten es der jungen Kickerin, die sich im Mittelfeld sehr wohl fühlt, dort auch mehrere Positionen spielen kann, angetan. Hier beim MFFC etablierte sich das „junge Küken“ in der B-Juniorinnen-Bundesliga-Mannschaft des Vereins. Auf der „Sechs“ spielend, entwickelte sie sich stetig weiter, schulte ihre Stärken, baute Schwächen ab und wurde so für die deutschen Auswahlmannschaften interessant.

Im Februar 2017 erfolgte die erste Einladung zu einem Sichtungslehrgang der U-15-Auswahl. Ihr Länderspieldebüt gab Nicole am am 19. April 2017 in Prag beim 5:1-Erfolg gegen Gastgeber Tschechien. Dem Lehrgang und dem ersten Länderspiel folgten weitere Berufungen mit dem kürzlichen EM-Gewinn mit der U 17 als bisherigem Höhepunkt.

Wunsch

„Da ich mich sportlich weiterentwickeln, unbedingt in der 2. Liga spielen wollte, habe ich selber den Kontakt zu den Bayern gesucht“, so die Mittelfeldspielerin, die betont, „dass man sich schnell einig geworden sei.“ In München sei alles ganz schnell gegangen. Auch die Suche nach einer Wohngelegenheit im dortigen „Haus der Athleten“ ist „durch die Unterstützung des Olympiastützpunktes schnell erledigt worden“.

„Ich möchte mich schnell in München integrieren und in der Saison 2019/20 viel Spielzeit in der zweiten Liga haben“, lautet nunmehr das vorrangige Ziel der ehemaligen Elbestädterin. Bleibt ihr zu wünschen, dass sich ihre Ziele erfüllen und sie bald als zweite ehemalige MFFC-Spielerin das Trikot der deutschen Nationalmannschaft trägt.