Magdeburg l Es gehört schon eine Menge Enthusiasmus dazu: Jeden Montag macht sich Jürgen Braatz in Stendal auf den Weg, um in Magdeburg am Training der vierten Handball-Mannschaft des Post SV teilzunehmen. Das beginnt um 20.30 Uhr. Kurz vor Mitternacht ist der frühere Seemann erst wieder zu Hause. Und selbst wenn der mittlerweile 64-Jährige mal verletzungsbedingt nicht mittrainieren kann, ist er stets in der Sporthalle am Lorenzweg zur Stelle.

Bewegung in Gemeinschaft

„Ich brauche die Bewegung und die Gemeinschaft“, sagt Braatz. Mit der Wende hatte es ihn von Saßnitz nach Magdeburg und zu den Post-Handballern verschlagen. Auch seine Söhne tragen das Trikot des Vereins. Kai (41) spielt zusammen mit seinem Vater in der vierten Mannschaft – den Oldies. Und Björn (33) trainiert die neuformierte fünfte Männervertretung der Stadtfelder. Die besteht vorrangig aus A-Jugendlichen und startet ebenfalls in der Stadtliga, einer Mehrgenerationen-Liga.

Die beiden Braatz-Söhne sind natürlich auch Torhüter. Genauso wie Post-Urgestein Uli Müller. Der 66-Jährige bildet mit Braatz senior seit nunmehr sechs Jahren das Torhüter-Paar der Post-Vierten. Müller begann 1965 als Schüler bei Post mit dem Handball, wurde später mit der Auswahl der TH Magdeburg DDR- Studenten-Vizemeister, musste sich dabei 1975 nur der DHfK Leipzig beugen. „Da spielten wir im Finale gegen Hartmut Krüger, Rainer Schütte, Gerd Uecker und Harry Jahns, die zu der Zeit alle an der DHfK-Außenstelle Magdeburg studierten“, erinnert sich Müller.

"Übervater" Dieter Baumgart

Eine wichtige Rolle in den zurückliegenden fast 55 Jahren bei Post spielt für Uli Müller Dieter Baumgart. Der war schon 1965 bei den A-Schülern des Vereins Müllers Trainer und ist es heute noch bei den Alten Herren der Post-Vierten.

Der langjährige Trainer und Abteilungsleiter Dieter Baumgart hält den Laden zusammen, legt dabei viel Wert auf Traditionspflege. Das reicht von den seit 1974 stattfindenden Großfeldvergleichen mit Brumby über die Teilnahme am Prager Altherren-Turnier bis zur jährlichen Saisonabschlussfahrt der Alten Herren mit ihren Frauen nach Zinnowitz.

Schöne Traditionen

„Selbst da kommt der Sport nicht zu kurz. Vormittags gibtʼs eine Strandwanderung, nachmittags eine Trainingseinheit, ein sogenanntes ‚Schiebchen‘, in der Sporthalle“, sagt Baumgart. Aktuell bereitet er das traditionelle Post-Turnier Ende August mit fünf Altherren-Teams vor. Auch an der Aktualisierung des Gesangsbuches für den jährlichen Preisskat der Abteilung und die Weihnachtsfeier arbeitet das Post-Urgestein bereits. Ans Aufhören denkt der 76-Jährige dabei noch lange nicht. „Baumi macht das wahrscheinlich noch, wenn wir schon nicht mehr dabei sind“, unkt der zwölf Jahre jüngere Braatz.

Natürlich wird auch immer wieder versucht, die Frauen mit einzubeziehen, obwohl Uli Müller zugibt: „Meine Frau hat null Interesse für meinen Sport, hat ihn aber immer toleriert. Am Anfang war sie auch bei den Spielen dabei. Dann hat sie mich aber ein paar Mal nach Kopftreffern am Boden liegen sehen, da ist sie dann nie wieder mitgekommen.“ Das hinderte aber Sohn Sascha (33) nicht daran, ebenfalls bei Post Handball zu spielen. Inzwischen gemeinsam mit Vater Uli in der vierten Mannschaft.

Bei Jürgen Braatz ist es ähnlich: „Solange ich gesund bin und Spaß habe, soll ich das machen, sagt meine Frau immer.“