Magdeburg l Harry Jahns hat in diesen Tagen viel zu tun: Der Garten muss allmählich auf seine Saison vorbereitet, die Beete und der Rasen präpariert, womöglich das Werkzeug gesäubert, vielleicht auch die Schuppentür gestrichen werden. Ob er die ganze Arbeit allein, in einer familiären 6-0-Formation oder im schnellen Tempogegenstoß vollzieht, hat Harry Jahns nun nicht erzählt. Aber der Trainer der Damen und Herren des HSV Magdeburg ist ja gewissermaßen gezwungen, für Wirbel auf dem Grün zu sorgen, während das Parkett in der Spielhalle seiner Handballer am Draisweg wegen des Coronavirus allmählich einstaubt. Und Harry Jahns macht keinen Hehl aus seiner Sehnsucht nach dem Sport, ob live in der Halle oder am Fernseher.

Der Coach glaubt indes, dass er in dieser Saison noch auf der Platte zurückkehren wird. Die Punktspiele in der Sachsen-Ahalt-Liga sind zwar bis zum 19. April ausgesetzt. Und der 68-Jährige hofft, „dass dann die fairste Lösung gefunden wird“. Aber er ergänzt eben auch: „Ich würde die Saison gerne zu Ende spielen.“ Der letzte Spieltag ist ursprünglich für den 2. Mai angesetzt. „Wir haben aber keine Relegationspiele danach, so könnte man die Serie bis in den Juni hinein verlängern.“

Gerade in Schwung gekommen

Rein vom Ergebnis würde sich mit einem vorzeitigen Abbruch für seine Männer ja nichts ändern. Der HSV steht auf Platz zwölf, auf dem ersten Nichtabstiegsplatz also. Nach vier Siegen, einem Unentschieden und 14 Niederlagen. Lok Schönebeck liegt zwei Punkte dahinter.

Dabei sind Jahns Schützlinge gerade in den vergangenen zwei Partien so richtig in Schwung gekommen, haben drei Punkte geholt, mit dem 29:29 in Schönebeck, mit dem 31:23-Sieg gegen den USV Halle II am 8. März, der bislang letzten Begegnung. „Das Heimrecht ist das Pfund, mit dem wir gewuchert haben“, erklärt Jahns. Dabei hat er sich kurzfristig Verstärkung ins Team geholt. Mit Andreas Stange zum Beispiel, einem ehemaligen Torhüter aus den höheren Regionen des Handballs, der einst beim SC Magdeburg ausgebildet wurde. Und den Jahns natürlich deshalb schon ewig kennt.

Jahns hält den Kontakt

So kam der Kontakt zum 39-Jährigen nicht zufällig zu Stande, wie Jahns zu allen ehemaligen Akteuren, die einst beim SCM-Nachwuchs durch seine Schule gegangen sind, Kontakt gehalten hat. „Heutzutage reist er ja nicht mehr so schnell ab“, sagt er lächelnd. Und verweist auf seine eigene Facebook-Präsenz. „Ich beglückwünsche nach wie vor die Spieler zu Geburtstagen oder Erfolgen“, sagt er lächelnd.

Stange war natürlich ein Glücksfall für Harry Jahns. „Wir hatten Probleme auf dieser Position, Matthias Wiesner war der einzige Torhüter. Mit ihm allein in die Saison zu starten, das war schon ein Risiko.“ Eine Bank hat Jahns mit seinem Sohn Michael, der eine ähnliche Vita wie Stange aufzuweisen hat. Mit 156 Treffern bei einem Schnitt von 8,57 Toren pro Partie ist er der beste Werfer der Sachsen-Anhalt-Liga.

Und die ist ja nicht beendet, wenngleich alle Zeichen auf Abbruch stehen. Harry Jahns und seine Männer möchten gerne noch wuchern, in eigener Halle oder auch in der Fremde: Die Partien bei SG Spergau, gegen HSG Wolfen, in Glinde, gegen TSG Calbe und beim derzeitigen Tabellenführer Wittenberg-Piesteritz stehen noch aus. „Wir hätten noch die Möglichkeit, am Saisonende besser dazustehen“, erklärt Jahns. Aber er muss sich vielleicht mit dem Gedanken anfreunden, dass auf ihn eine sehr, sehr lange Gartensaison wartet.