Magdeburg l Wenn Josefine Landt mal nicht paddelt, kauft sie Schuhe. Viele Schuhe. „Ich habe so viele Schuhe, aus denen könnte ich mir ein Haus bauen“, sagt sie lächelnd. Nur nie Schuhe mit Absätzen. Sie fühlt sich auch in Kleidern nicht sonderlich wohl. Lieber trägt sie ihre Sportsachen. Und die trägt sie wiederum seit ihrem neunten Lebensjahr. „Ich würde mich eher als coolen Typ bezeichnen“, erklärt sie deshalb.

Cool, charmant, witzig und ehrgeizig

Cool passt gut zu Josefine Landt, auch charmant, witzig, ehrgeizig. Aber immer mit dem realistischen Blick auf ihre Karriere und auf ihr Leben, das die Kajak-Fahrerin vom SCM schon ganz gut durchgetaktet hat: „Ich möchte später auf Lehramt studieren. Und wenn ich den richtigen Kerl gefunden habe, geht der Blick natürlich noch weiter. Denn ich will nicht erst mit 45 mit der Familienplanung anfangen.“ Und auch nicht ohne Olympiagold.

Davon träumt die 17-Jährige, seitdem sie im Boot sitzt. Seit ihrer ersten Fahrt in ihrer Heimat Waren/Müritz. Seit ihren ersten Erfolgen im Nachwuchs. Seitdem sie Andreas Dittmer, dreimaliger Canadier-Olympiasieger, kennengelernt hat. „Ich habe zu ihm aufgeschaut, ich wollte sein wie er. Und ich bin hoffentlich auf einem guten Weg dorthin“, sagt sie.

Von Neubrandenburg an die Elbe

Der Weg ist jedenfalls geebnet. Inzwischen ist „Josi“ Landt Junioren-Europameisterin im K4 über 500 Meter. Als 15-Jährige fuhr sie 2016 ins U-18-Nationalteam, damals, als sie noch das Sportgymnasium in Neubrandenburg besuchte. Inzwischen ist sie auch Junioren-Weltmeisterin in dieser Klasse, im vergangenen Jahr sicherte sie sich in Plovdiv (Bulgarien) im Vierer Silber. „Das ist bislang mein größter Erfolg“, sagt sie.

Es soll nicht der letzte bleiben. Schon am ersten August-Wochenende in Pitesti (Rumänien) greift Landt wieder nach einer Medaille. Auch für die Familie. Nur ob im K2 oder wieder im K4, das weiß sie noch nicht. Das wird nach der Internationalen Regatta am 25./26. Mai in Brandenburg entschieden.

Familie – das ist für sie mehr als nur ein Wort. „Ich bin ein absoluter Familienmensch. Deshalb war es für mich vor eineinhalb Jahren ein extrem schwieriger Schritt von Neubrandenburg nach Magdeburg“, sagt Landt, die mit ihrem Bruder Justus, Canadier-Fahrer beim SCM, eine Wohnung teilt an der Elbe.

Die Familie feiert mit

„Im Durchschnitt sehe ich meine Eltern alle drei Wochen. Sie investieren so viel in uns. Deshalb ist es für mich auch sehr wichtig, ihnen etwas zurückzugeben.“ Wie mit Silber in Plovdiv, das die Eltern Annett und Marco sowie Justus an der Strecke feierten. „Mein Bruder hat mich mit Tränen in den Augen beglückwünscht“, erinnert sich die Schwester.

Sie hat in Magdeburg auch davon profitiert, dass Bundesstützpunktleiter Björn Bach sie sogleich in die Elite-Trainingsgruppe unter Eckhard Leue gesteckt hat. So konnte sie viel von Jasmin Fritz, Nina Krankemann und Julia Hergert lernen. „Ich hatte erst ziemlich großen Respekt vor den Mädchen. Aber wir verstehen uns sehr gut“, betont sie. Landt ist die beste Starterin in der Gruppe, weshalb ihr der Sprint über 200 Meter auch am meisten liegt. „Aber für die Qualifikation fürs Nationalteam sind auch die 500 Meter wichtig“, weiß sie.

Und über die hat sie beim Junioren-Vergleich des Deutschen Kanuverbandes Ende April in Duisburg mit einem zweiten und einem vierten Platz sowie mit einen dritten Rang auf der kürzeren Distanz überzeugt. Auch wenn sie im zweiten 500-Meter-Rennen zu viel wollte. „Ich bin zu schnell losgepaddelt und dann fest geworden“, erinnert sie sich.

Im kommenden Jahr bei der Elite

Im nächsten Jahr paddelt sie bereits mit der Elite mit. „Ich freue mich schon darauf, mich mit den Älteren zu messen. Und vielleicht gibt es eine Überraschung“, sinniert Josefine Landt, die ihre „halbe Kindheit auf dem Fußballplatz verbracht hat und ein extremer Fan von Bayern München ist“. Vielleicht. Aber schon für die Spiele in Tokio? „Eigentlich ist es unmöglich, da müsste ich schon allen zwei Längen vorausfahren“, weiß sie.

Deshalb denkt sie lieber bis 2024 voraus, wenn die Olympia-Helden in Paris gesucht werden. Wenn sie vielleicht eine Medaille gewinnt. In gewisser Weise für Andreas Dittmer. Ganz sicher für viele Schuhe, die sie sich von der Medaillenprämie kaufen kann. Vor allem aber für sich und die Familie.