Magdeburg l Es passte einfach ins Bild der vergangenen Monate, dass selbst das große Sommerabschlusstraining des Budo-Karate-Clubs (BKC) am Mittwoch wortwörtlich ins Wasser fiel. Eigentlich hätten sich die Karatekas nämlich im Stadtpark unter freiem Himmel getroffen, sich mit einem Grillfest und Musik in die Ferien verabschiedet. Doch dann kam der Dauerregen – und Tobias Prüfert musste das Event absagen.

Der Leiter des BKC ist mittlerweile leidgeprüft. Dabei sollte doch gerade dieses Jahr ein ganz besonderes werden. Seit 30 Jahren – Gründungsdatum war der 26. Juni 1990 – gibt es den Club nämlich in Magdeburg, etliche Veranstaltungen hätten das Jubiläumsjahr abgerundet. Das Kata Spezial 2020 im Mai in der Getec-Arena zum Beispiel. „Da sind zwei Jahre Organisation hineingeflossen“, erzählt Prüfert, „das Who’s who der Karate-Szene hatte sich angekündigt.“ Doch vier Wochen vorher zog der Club wegen des Coronavirus die Notbremse. Einen Nachholtermin gibt es, allerdings erst 2022.

Karate weiterdenken

Das Coronavirus – es bestimmte und bestimmt seither den Alltag von Prüfert und seiner Lebensgefährtin Silvana Moreno, mit der er gemeinsam den BKC leitet, mit. Da Karate eine Kontaktsportart ist, „haben wir uns zuletzt übers Internet über Wasser gehalten“, erzählt Prüfert. Das „Dojo“ in der Weitlingstraße – der japanische Begriff für Trainingsraum – musste zwar bis Anfang Juni geschlossen bleiben, per Videos, Live-Training über Zoom oder Outdoor-Einheiten konnten die Mitglieder aber weiterhin ihre Sportart ausüben.

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Obwohl Prüfert ab und an das Gefühl hatte „in der Luft zu hängen“, so stellt sich doch schnell heraus: Stillstand gibt es bei dem 47-Jährigen einfach nicht. Mit demselben Engagement wie der BKC Angebote für seine Mitglieder während der Zwangspause aus dem Boden gestampft hat, ist Prüfert auch bereit, die Sportart Karate weiterzudenken. „Wir gehen hier mit der Zeit, haben beispielsweise den Gesundheitssport mit in unser Angebot aufgenommen“, sagt Prüfert, „das passt, weil Karate eine lebensbegleitende Kampfkunst ist.“

Wenn jetzt 60- bis 80-Jährige vor ihm auf der Matte stehen, gerät er aber selbst hin und wieder noch ins Staunen: „Zu meiner Zeit hat keiner, der älter als 40 war, Karate gemacht“, sagt er und grinst.

Heimstätte auf dem eigenen Grundstück

Der „Reiz des Neuen“ zog nach der Wende nämlich vor allem Jugendliche an. Prüfert selbst kam als 16-Jähriger durch Zufall zum Karate, wurde der Zögling von Luis Moreno, Vater seiner Partnerin Silvana. 1994 nutzte er die Gunst der Stunde, um aus seinem Hobby seinen Beruf zu machen. Luis Moreno übergab ihm damals den BKC, Prüfert wurde hauptberuflich Karate-Trainer. „Da haben mir schon ein paar Leute den Vogel gezeigt“, sagt er und lacht, „aber heute bin ich im Familien- und Freundeskreis fast der einzige, der seither immer in demselben Job gearbeitet hat.“

Der größte Meilenstein für ihn: Die eigene Heimstätte auf dem eigenen Grundstück, die 2012 offiziell eröffnet wurde. „Bis dahin sind wir mit dem Auto von Sporthalle zu Sporthalle durch die Stadt getourt, hatten da unsere Geräte drin“, sagt Prüfert: „20 Jahre lang waren wir bei jeder Veranstaltung dabei, haben Klinken geputzt. Das hat sich am Ende ausgezahlt.“

Mit dem Elan von damals gehen die beiden jetzt auch Corona an. Getreu dem (Lebens-)Motto: „Karate kann man nicht halb machen“.