Magdeburg l Antonia Buschendorf wartet auf ein Ergebnis. Auf einen echten Lauf über 100 Meter. Über zehn Hürden in jeweils 0,84 Metern Höhe. Und darauf wartet sie nicht erst seit Beginn der Corona-Krise. Darauf wartet sie mittlerweile seit zwei Jahren. „Ich möchte endlich wieder einen Wettkampf bestreiten und eine Bestzeit laufen“, sagt die Hürdensprinterin vom SC Magdeburg.

Aber Antonia Buschendorf muss sich gedulden, schon seit 2018, seit dem Jahr also, in dem sie über das Juniorenhindernis (0,76 m) eine phänomenale Bestzeit gelaufen ist. Das war am 16. Juni jenes Jahres in Schweinfurt. Und es waren 13,30 Sekunden. Bis heute steht dieses Resultat in der Rekordliste der U-18-Mädchen. Aber dann kam eine Verletzung des Beugeransatzes im linken Oberschenkel und damit das vorläufige Aus: „Ich hatte seither keinen Wettkampf mehr. Und dass in diesem Jahr bereits fast alles abgesagt ist, ist für mich total bitter und macht mich sehr traurig“, sagt die 18-Jährige. Bislang hält der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) zumindest an den nationalen U-20-Titelkämpfen Ende Juli in Ulm fest. Und wenn diese stattfinden, dann wird es womöglich eine Meisterschaft der Auserwählten und ohne Zuschauer.

Bergen ist das Ziel

Aber diese nationalen Meisterschaften, so schön sie auch sein mögen, so gerne Antonia Buschendorf auch dort gewinnt und gute Zeiten läuft, „sind eigentlich nicht mein Ziel“, sagt die Sportgymnasiastin. „Mein Ziel ist ein internationaler Höhepunkt.“ Für den nächsten muss sie aber noch ziemlich lange trainieren: bis zur Europameisterschaft im Juli 2021 im norwegischen Bergen nämlich. Im Fana-Stadion. Mit Zuschauern. Auf einer Tartanbahn.

Antonia Buschendorf betritt derzeit keine Tartanbahn. Sie geht in den Stadtpark. Mit ihrem Freund Gordon Schulz, Speerwerfer des SCM, seit dem 16. April 19 Jahre jung. So ist sie zumindest nicht allein auf dem Schotter, auf dem Gras und auf dem Asphalt, auf dem sie sprinten muss, weil die Magdeburger Sportstätten für die Nachwuchskader 1 des DLV vorübergehend geschlossen sind.

Minihürden helfen

Buschendorf trainiert sogar mit Hürden. Keine hohen, versteht sich. Minihürden. „Über die kann man zwar nicht den normalen Schritt machen, sondern nur laufen. Aber sie helfen dabei, den Rhythmus zu halten“, berichtet Buschendorf. Einen Rhythmus, den sie selbst erst finden musste über die Frauenhürde.

„Am Anfang lief es schleppend. Ich bin schon ein bisschen Angsthase gewesen und man musste Geduld mit mir haben“, berichtet die 1,66 Meter große junge Frau. Und ausgerechnet, „als ich ein richtig gutes Gefühl hatte, schnell über und zwischen den Hürden war“, ausgrechnet da kam die Corona-Krise – die ihr wohl alle Ziele 2020 genommen hat.

Alltag mit "Effi Briest"

„Es fällt mir auch schwer, ins Blaue zu trainieren“, sagt sie. Einerseits. Andererseits: „Für mich geht es ja um einen langfristigen Aufbau.“ Der erst mit ihrem Trainingseinstieg im vergangenen September wieder richtig begonnen hatte.

„Effi Briest“ wird ihr nun nicht helfen bei diesem langfristigen Aufbau. Die Hauptfigur in dem gleichnamigen Gesellschaftsroman von Theodor Fontane gehört aber zu Buschendorfs Alltag, die natürlich weiter für die Schule pauken muss nach den Vorgaben ihrer Lehrer. „Mit Schule und Training bin ich jeden Tag gut beschäftigt“, betont sie lächelnd. Sie gerät auch nicht in den Langschläferkonflikt. „Ich habe meine bisherige Struktur beibehalten“, berichtet sie.

Hinweise der Trainer

In dieser haben natürlich auch ihre Trainer Marco Kleinsteuber und Matthias Lindner einen Platz gefunden. Per Video und Zahlen und Daten werden sie von Buschendorf mit Trainingsinformationen versorgt, auf die sie entsprechend mit Hinweisen reagieren können.

So sprintet Buschendorf derzeit im Grünen und über Minihürden ihrem nächsten Höhepunkt entgegen. Jenem in 15 Monaten in Bergen. Ihr wird 2021 wohl nicht gleich ein Husarenritt wie 2018 in Schweinfurt gelingen. Aber um der derzeitigen Einheit ins Blaue mal einen Namen zu geben, sei an dieser Stelle der U-23-Rekord der Annelie Ehrhardt vom SCM erwähnt, den diese als 22-Jährige bei ihrem Olympiasieg am 8. September 1972 in München erzielte: 12,59 Sekunden. Damit hätte sie selbst noch bei den Spielen 2016 Silber gewonnen.