Magdeburg l Wenn, ja wenn es nicht noch die deutschen U-20-Meisterschaften Ende Juli in Ulm geben würde, dann könnte Gordon Schulz seine mögliche Teilnahme an den Europameisterschaften in Boras (Schweden/18. bis 21. Juli) sogleich mit dem nächsten Angelausflug verbinden. Der letzte liegt für einen leidenschaftlichen Fischfänger wie den 18-Jährigen vom SC Magdeburg schon lange zurück: „Ich mache es viel zu selten“, bestätigt Schulz.

In Norwegen im vergangenen Oktober, im Fjord vor Kristiansand, hatte er 15 Makrelen gefangen, teilweise vor Ort gegessen, teilweise eingefroren und mitgebracht. Wenn Schulz davon berichtet, dringen ein wenig die Emotionen durch. Ansonsten nämlich ist der Schützling von Ralf Wollbrück eher ein nüchterner Zeitzeuge seines Sports – dem Speerwerfen. Aber auch ein realistischer.

Und ein richtig guter, der seinen Trainer oft zu überraschen weiß. Wie in Wetzlar am vergangenen Sonnabend, als er mit 72,10 Metern deutscher Vizemeister wurde – allerdings in der U 23. „Da das Feld der Speerwerfer in dieser Altersklasse recht dünn besetzt ist, gehen auch die Jüngeren an den Start“, erklärt Wollbrück. Die bis zu vier Jahre Jüngeren wie Gordon Schulz, der allerdings mit der größten Weite in der Konkurrenz gemeldet war. Seine 74,51 Meter mit dem 800-Gramm-Speer aus Schönebeck bedeuten Saisonbestwert. „Deshalb habe ich auch mit dem Titel geliebäugelt“, berichtet Schulz. Den holte sich der Jenaer Tom Meier mit 72,83 Metern. „Und ich bin nicht traurig über meinen zweiten Platz“, betont der Magdeburger.

Locker nach Mannheim

Diese Leistung muss er nun noch einmal bei der Junioren-Gala in Mannheim Ende Juni abrufen, dazu unter die besten drei Starter kommen. Dann ist das EM-Ticket gelöst. „Wichtig ist, dass er locker in den Wettkampf geht“, so Wollbrück. „In jedem Fall hat er eine gute Ausgangsposition.“ Schulz ist in der Jahresrangliste Zweiter hinter Maurice Voigt (Jena/74,84). Auf Rang drei folgt Linus Limmer (München/70,26).

Und Schulz hat das Selbstvertrauen, dazu bedurfte es nicht zwangsläufig einer Silbermedaille in Wetzlar. „Ich weiß, was ich kann, ich muss es nur im Wettkampf umsetzen.“ Ein technisches Defizit plagt ihn allerdings noch: Es ist die Haltung des Wurfarmes beim Abwurf. Sein Speer geht zuweilen zu wenig nach vorn und zu sehr nach oben. „Das ist mein größtes Manko.“ Welches er auch nicht beim Angeln wegtrainieren kann. Dafür allerdings findet er dort die größte Ruhe. Und zuweilen 15 Makrelen. Aber die müssen warten: Gordon Schulz hat noch viel vor in dieser Saison.