Tokio/Magdeburg l Paul Zander klang gestresst. Während der Trainer der SCM-Ruderer bereits in Tokio weilte, die Boote vorbereitete, die olympische Regattastrecke von 2020 erkundete, steckten seine Schützlinge noch in Frankfurt/Main fest. Ein Unwetter hatte dafür gesorgt, dass die vier Magdeburger am vergangenen Freitag nach der Anreise aus Berlin ihren Anschlussflug in die japanische Hauptstadt verpasst hatten.

Die große Gruppe der Athleten wurde danach aufgeteilt: Eine flog über Wien, eine über Düsseldorf und eine über Brüssel nach Tokio. Am Montag durfte Zander erleichtert das Ende dieser Odyssee verkünden: „Mittlerweile sind alle angekommen, haben auch schon auf der Strecke trainiert. Aber man merkt eben, dass eine Anpassung noch notwendig ist.“

Die musste am Mittwoch bereits vollzogen sein, denn am frühen Morgen mitteleuropäischer Zeit begann für Jette Prehm und Paul Krüger jeweils im Doppelzweier und Paul Berghoff im Doppelvierer die Titeljagd bei der U-19-Weltmeisterschaft im Land der aufgehenden Sonne. Nick Welzenbach folgt ihnen mit dem Vorlauf am Donnerstag im Achter. Alle vier haben dabei nur ein Ziel. Sie wollen eine Medaille. Krüger will sogar seinen Titel verteidigen, Berghoff meinte nach seinem dritten Platz im vergangenen Jahr: „Ich will wenigstens Silber, weil ich Bronze schon habe.“ Gewiss hat sich in die Vorfreude des 18-Jährigen inzwischen die Anspannung gemischt. Wie bei allen.

Wellen und Gewitter

Diese Anspannung kommt ja nicht von ungefähr: „Eigentlich sind wir von Anfang an gut zusammengekommen“, sagte Berghoff über die WM-Vorbereitung. „Aber wir haben sehr lange gebraucht, um auch in Kleinigkeiten eine Harmonie zu finden, das hat uns zunächst sehr langsam gemacht. Jetzt klappt alles gut.“

Krüger muss sich über die Harmonie mit Aaron Erfanian keine Gedanken machen. Sie sind ja ungeschlagen durch die Saison gefahren, sie haben die Europameisterschaft im Mai für sich entschieden. „Trotzdem habe ich Achtung für die neue Erfahrung und jede Menge Konzentration“, sagte der 18-Jährige.

Sein Blick richtet sich allerdings nicht nur auf die Konkurrenz, sondern auch auf den Wetterbericht. „Die Strecke in Tokio ist bereits für ihre Wellen bekannt. Und es wird für uns nicht leichter, weil es in den nächsten Tagen nur noch Gewitter geben soll, allerdings bei angenehmen 30 Grad Celsius“, meinte Krüger mit einem ironischen Unterton. Und ergänzte wieder ernst: „Unser Ziel ist es, ein geiles Rennen zu fahren und Gold zu gewinnen.“

Debütanten mit Ambitionen

Von Gold träumt Jette Prehm allenfalls, eine Medaille wäre bei ihrer WM-Premiere mit Judith Guhse bereits ein Riesenerfolg. „Unser vorrangiges Ziel ist es, erst mal ins A-Finale zu kommen. Und dort wollen wir dann um eine Medaille kämpfen“, sagte der Schützling von Trainer Roland Oesemann, bei dem sich schon vor dem Abflug nach Tokio die Anspannung über die Vorfreude legte. Prehm und Guhse haben dabei in dieser Saison überzeugende Leistungen abgeliefert. Sie sind unter anderem EM-Dritte geworden. Aber: „Man kann die Gegner einfach nicht einschätzen. Außerdem habe ich Respekt vor dem Klima und der Zeitumstellung.“ Drei Tage mussten aber ausreichen, um sich an beides zu gewöhnen.

Nick Welzenbach hat dafür einen Tag länger Zeit als die Clubgefährten und Skuller. Der Riemenruderer fühlt sich fit und bereit, im Achter „um eine Medaille zu kämpfen“, sagte der 17-Jährige. Wie ein Deutschland-Achter ja immer um die Medaille kämpft. Das Training lief jedenfalls gut, „man hat gemerkt, wie viel Potenzial in dem Boot steckt“. Wenn sich jeder zu 100 Prozent auf seine Aufgabe konzentriert, denn das „war noch unsere Schwäche“.

Welzenbach startet ebenfalls mit Respekt in sein WM-Debüt. Allerdings weniger vor Zeitumstellung oder Wetter. „Andere Nationen haben auch ein großes Potenzial“, erklärte er. „Und eine längere Vorbereitungszeit.“ Nach dem  Vorlauf wird er schon mehr wissen.

Und vielleicht meldet sich am kommenden Sonntag nach den Finals wieder ein erleichterter Paul Zander, der dann verkündet: „Mittlerweile haben alle ihre Ziele erreicht.“