Magdeburg l Es ist ein heißer Nachmittag im Stadtpark. Die Vögel zwitschern. Die Sonnenstrahlen bahnen sich trotz der vielen Bäume ihren Weg auf das Vereinsgelände des TC Rotehorn Magdeburg. Auf einem schattigen Plätzchen hat es sich Madlen Lüdtke bequem gemacht. Ein Lächeln im Gesicht, die Haare zum Dutt gebunden, die Trinkflasche in der Hand. Sie trägt ein weißes T-Shirt und ein weißes Stirnband. Das ist zwar etwas dünner als bei ihrem „absoluten Lieblingsspieler“ Roger Federer. Mit ihrer Aufmachung wäre die 23-Jährige aber auch im Wohnzimmer des Schweizer Tennis-Stars, beim Grand Slam in Wimbledon, nicht fehl am Platz.

Doch Lüdtke ist eben „nur“ eine der besten Tennisspielerinnen in Sachsen-Anhalt. Etwas wehmütig blickt sie in Richtung der Plätze, auf denen sie bislang noch nie ein Punktspiel bestreiten durfte. Immer nur Training. Erst zur aktuellen Sommersaison wechselte die gebürtige Stendalerin aus Celle nach Magdeburg. „Ich wollte wieder in der Heimat spielen. Als ich gehört habe, dass der TC Rotehorn in der Oberliga aufschlägt, bin ich sofort gekommen“, erzählt sie. „Ich kenne alle hier schon länger, wir waren sofort ein super Team und das Vereinsleben ist sehr ausgeprägt.“

Schulterprobleme überstanden

Nur die Punktspiele fehlen. Wie überall momentan. Corona macht auch vor den Courts keinen Halt. Die Sommersaison liegt auf Eis. „Ich vermisse die Wettkämpfe auf jeden Fall“, sagt die Studentin, die somit etwas mehr Zeit für ihre Masterarbeit im Fach Lehramt Mathe/Wirtschaft hat. „Ich habe die Zeit gut überbrückt, auch viel Fitnesstraining gemacht.“ Vor allem im Bereich ihrer Schulter war gezieltes Krafttraining nötig, hatten sie Schulterprobleme doch einmal zurückgeworfen und zum Aufgeben im Finale der Hallenlandesmeisterschaften gezwungen. „Das war schon hart für mich“, erinnert sich die heutige Stadtfelderin, die ansonsten auf eine Tenniskarriere aus dem Bilderbuch zurückblickt.

Dabei waren nicht etwa die eigenen Eltern ausschlaggebend – die haben bei aller Unterstützung für ihre Tochter mit Tennis nichts am Hut – sondern ihre Hortnerin. Diese brachte ihre Passion für das Rückschlagspiel in den Schulhort ein. „Eine Tennis-AG war nicht üblich“, berichtet Lüdtke. Doch als damals Achtjährige war ihre Neugier groß. „Ich wollte das mal ausprobieren. Es lief gleich gut.“ Und wie: Drei Monate später war der Eintritt im Verein perfekt. Sie stieg beim TC Stendal schnell in die nächsthöhere Altersklasse auf. „Der ganze Verein stand hinter mir“, denkt sie gern an diese Zeit zurück.

Ranglistenplatzierung als Ansporn

Gerade in ihrer Schulzeit hat Tennis, an ähnlich sonnigen Tagen wie nun im Magdeburger Stadtpark, „meinen ganzen Nachmittag bestimmt“. Der Ranzen flog in die Ecke, es ging mit dem Rad zum Tennisplatz. „Das hat mich geprägt. Mit elf, zwölf Jahren habe ich täglich trainiert.“ Sie wurde besser und besser, spielte auch einige Turniere, weshalb sie sogar auf die Rangliste des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) kam. „Meine höchste Platzierung war 224“, weiß sie noch genau. „Da habe ich mich sehr gefreut und versucht, die Position so lange wie möglich zu halten. Das ist auch ein Ansporn.“

Auch im Verein ging es für sie bergauf. Nach einem Jahr beim 1. TC Magdeburg wechselte Lüdtke mit 19 Jahren zum TV Osterburg und spielte in der Oberliga. Doch damit nicht genug: Sie weckte auch in Niedersachsen Begehrlichkeiten, bekam ein Angebot vom Celler TV, mit dem sie folglich den Aufstieg von der Ober- in die Nordliga schaffte. Bis zur Wintersaison 2019/2020 spielte sie in dieser überregionalen Klasse.

Spieler der Leistungsklasse (LK) 1 waren da regelmäßig zu erwarten. Auch wenn sie selbst als einzige Sachsen-Anhalterin in der LK2 spielt (nur Amy Marscheider aus Stendal mit LK1 ist besser, zum Vergleich: beim TC Rotehorn ist die nächstbessere Spielerin in der LK9), war das für sie eine große Herausforderung. „Das war eine ganz andere Erfahrung. Ich bin dadurch auch weitergekommen.“

Lüdtke kann sich selbst pushen

Der Ehrgeiz hat die Rechtshänderin stets begleitet. Am Anfang ihrer Karriere übte sie Aufschläge, bis sie wirklich perfekt waren. „Wenn es sein musste, bis es dunkel wurde und ich den Ball nicht mehr gesehen habe“, berichtet sie über ihre Extraschichten als Teenager. Auch das prägte ihren Spielstil, den sie heute wie folgt beschreibt: „Ich bin auf jeden Fall der Kämpfer-Typ. Wenn es eng wird, kann ich mich selbst gut pushen.“ Lachend fügt sie hinzu: „Dann kann es auch schon einmal ein bisschen lauter werden.“ In dem Sport, den sie aufgrund seines Anspruchs und seiner Vielfältigkeit liebt, versucht sie aber gleichermaßen auch „sehr taktisch zu spielen“. Sie guckt sich die Gegner aus. Lüdtke versucht es nicht nur mit harten Grundlinien-Schlägen, sie variiert. Und ist auch deshalb so erfolgreich.

Doch auch wenn die „Abonnentin“ auf den Sportlerin-des-Jahres-Preis in der Altmark mittlerweile auf eine ganze Reihe von Triumphen zurückblicken kann – der Sieg bei den ostdeutschen U-21-Meisterschaften oder die zweimalige Landesmeisterschaft ragen da sicherlich heraus – Erfolg ist für die angehende Lehrerin nicht alles. Sie mag am Tennis zudem den „Teamspirit“, und auch, dass „man Kontakte knüpft, viel rumkommt, das ist schon cool“. Sie gibt ihr Wissen, ihre Erfahrung auch weiter, absolvierte ihre Trainerlizenz in Magdeburg und coachte in Stendal den Nachwuchs. Heute gibt sie Tennis-Kurse an der Universität.

Tennis bestimmt das Leben von Madlen Lüdtke. Aktuell aufgrund der Corona-Lage etwas weniger. „Hoffentlich geht es bald wieder los“, sagt sie. So lange wird sie sich aber auch beim Training wohlfühlen. Auf dieser gemütlichen Anlage beim TC Rotehorn. Mit den Sonnenstrahlen, den Bäumen und den zwitschernden Vögeln.