Magdeburg l Der VfB Ottersleben wartet nicht auf den nächsten Neuzugang. Er würde ihn ganz sicher herzlichst begrüßen, ihn in die Gemeinschaft aufnehmen. „Aber wir liegen weit weg vom Magdeburger Zentrum“, sagt Kevin Zocher, weshalb womöglich gar niemand erst auf die Idee kommt, an der Hallentür des VfB zu klopfen. „Eigentlich sind wir alle Urgesteine des Vereins“, erklärt Zocher also. Der Verein will diesen Status als Urgestein-Verein auch nicht verlieren. Und weil in der nächsten Generation bereits mehr als nur hoffnungsvolle Talente den Schläger schwingen, hat sich Ottersleben mittelfristig zudem ein hehres Ziel gesetzt. „Wir wollen in die Verbandsliga“, betont Zocher.

Die Rede ist an dieser Stelle nicht vom Fußball, die Rede ist vom Tischtennis. Aber die Geschichte der jeweiligen Akteure im VfB-Dress ähneln sich natürlich. So wie mancher Fußballer bereits im Kindesalter am Schwarzen Weg die Schuhe geschnürt hat, ist Kevin Zocher mit zwölf Jahren in die Halle an der Richard-Dembny-Straße zum Tischtennis gekommen. Und geblieben. Als er seine ersten Gehversuche an der Platte absolvierte, war auch sein autodidaktisches Talent gefragt. „So intensiv wie heute wurde der Nachwuchs damals noch nicht betreut“, berichtet Zocher, die Nummer sechs im Landesliga-Team des VfB. Deshalb: „Technisch sind andere sicher besser als ich. Meine Stärke liegt im passiven Spiel, im Blocken und Kontern.“

Gerloff und Laube tragen die Hauptlast

Und damit hat er in der laufenden Saison vier Siege erzielt und vier Niederlagen kassiert. Was auch der Tatsache geschuldet ist, dass er gar nicht so regelmäßig im unteren Paarkreuz spielt wie gewohnt. Was wiederum einen Grund hat, keinen guten: Robert Akzinski, die Nummer eins muss krankheitsbedingt passen, hat noch keinen Einsatz in dieser Serie zu verzeichnen. Die Last seines Ausfalls muss also auf mehrere Schultern verteilt werden.

In erster Linie auf Christoph Gerloff und Alexander Laube, die in den bisherigen Duellen mit der gegnerischen Nummer eins auf eine Bilanz von 1:2 und 1:3 gekommen sind. „Roberts Ausfall ist eine große Bürde“, sagt Zocher. Die an manchem Spieltag womöglich zu groß war.

Jugendspieler kommen zum Einsatz

„Wir wollten eigentlich um die ersten drei Plätze mitspielen“, sagt Zocher. So hatte Ottersleben vor dem Ausfall ihres Spitzenspielers geplant. Jetzt geht es um den Klassenerhalt. Die Mannschaft steht nach vier Partien auf dem siebten Platz mit 2:6 Punkten. „Den Klassenerhalt sollten wir aber schaffen“, verweist der 27-Jährige auf das Restprogramm irgendwann nach dem Corona-Lockdown, wenn der VfB vor allem seine Hausaufgaben erledigen muss – wie gegen TTC Börde IV oder Eintracht Diesdorf III. Aber wie soll die weitere Saison aussehen? Zocher hat da eine Vermutung: „Ich denke, dass die verbleibenden vier Spiele der Hinrunde auf die Rückrunde verteilt werden.“ Was bedeutet: Eine Rückrunde würde es dann gar nicht geben.

Das wäre sozusagen der Höhepunkt auf eine „verkorkste Saison“, wie sie der Mannschaftsleiter bezeichnet, in der nicht nur die Qualität Akzinskis fehlt, sondern womöglich in den knappen Partien die Nerven nicht immer eine positive Rolle spielten. Wie gegen Schwarz-Weiß Bismark oder gegen HSV Medizin Magdeburg zum Beispiel, als Ottersleben jeweils knapp mit 5:7 das Nachsehen hatte. In beiden Partien kamen übrigens auch zwei Youngsters des Vereins zum Einsatz: Michael Geißler und Glen Kulling, zwölf und 13 Jahre jung. Und nicht zu jung: „Sie können es einfach“, sagt Zocher lächelnd.

Beide haben jeweils einen ersten Sieg in der ersten Mannschaft erzielt. Beide sind zwei Gründe dafür, dass der VfB Ottersleben nicht darauf wartet, dass ein Spieler eines Tages an die Hallentür klopft und seine Dienste anbietet. Sie sind Teil des Projektes Aufstieg in die Verbandsliga. Und sie sind nicht allein. Denn Kevin Zocher sagt: „Wir wollen mit unserem Nachwuchs punkten.“