Magdeburg l Anja Bechmann wirkt ja immer ein wenig gehetzt. Gehetzt zwischen den Terminen, gehetzt zwischen den Gedanken, gehetzt auf der Suche nach den richtigen Worten. Zum Beispiel für ein Resümee der beiden Testspiele, die ihre Volleyballerinnen vom USC Magdeburg gewonnen haben: mit 3:2 beim VfL Wolfsburg, mit 3:1 gegen Lok Engelsdorf vor zwei Wochen in heimischer Halle. Schön waren die Siege für das Gefühl, aber noch keinesfalls schön in den Sätzen. „Die Spiele spiegelten das Leistungsvermögen meiner Mannschaft nicht wieder“, sagt die Trainerin, die deshalb vor dem Saisonstart am Sonntag beim VSV Havel in Oranienburg (15 Uhr) als ersten positiven Aspekt verkündet: „Wir reisen mit voller Kapelle an.“

Vielleicht hätte sie in einigen Testspielen mehr auch einige positive Eindrücke mehr gewonnen, wenn es eine Möglichkeit dafür gegeben hätte. Aber aus unterschiedlichen Gründen wurden weitere Termine nicht gefunden oder Anfragen abgelehnt. Mehr Testspiele hätten dem Team allein aufgrund seiner vier Neuzugänge, die integriert werden mussten, ganz gut getan – Svenja Bock von Fortuna Ballenstedt und Karolin Kretschmann vom MSV 90, Eva Neumann und Lena Timme von der WSG Reform. Timme hatte sich zwischenzeitlich eine Fingerverletzung zugezogen. Inzwischen steht sie wieder im Training. „Der Finger hält“, so Bechmann.

Fokus Teamfindung

Bei dieser recht großen Zahl an neuen Spielerinnen ist es nicht verwunderlich, dass die Trainerin in der Vorbereitung den Fokus auf Teamfindung gelegt hat. Neben den Zugängen sind ja auch Frida Höllger und Charlotte Prestel in der vergangenen Serie keine regelmäßigen Mitglieder des Trainingsbetriebes gewesen. „Beide trainieren jetzt statt bislang einmal dreimal in der Woche“, berichtet Bechmann. Und sind die Jüngsten in dieser Mannschaft, sie könnten noch in der U 20 spielen. Aber ihre U 20 hat Bechmann gerade aus dem Spielbetrieb abgemeldet. Ein Teil ist nun bei Pädagogik Schönebeck am Netz.

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Die 36-Jährige kann von ihrem Team jedenfalls behaupten: „Die Mischung stimmt.“ Ihm voran wird die zweitligaerfahrene Blanca Simon gehen und die Mädchen ins Abenteuer dritte Liga führen. Denn mit dem heutigen Stand ist es ein Abenteuer – nicht mehr, nicht weniger.

Konstanz ist gefragt

Da macht es sich gut, die technischen Grundlagen gelegt zu haben. In den vergangenen Einheiten ging es Bechmann und ihren Damen vor allem darum, Absprachen zu üben und zu verinnerlichen. Und wenngleich die Trainerin sagt: „Wir sind vorbereitet, ich weiß allerdings noch nicht: wie“, weiß sie doch um die individuelle Qualitäten. Allen voran natürlich die Qualitäten von Simon, Mara Kriebitzsch, Pia Stodal oder Melanie Lautenschläger, die in der jüngsten Regionalliga-Serie noch Polter hieß und gestern den heiligen Bund der Ehe mit Tim, ebenfalls USC-Volleyballer, geschlossen hat. Ihre Konstanz ist also auch ab morgen beim Tabellendritten der vergangenen Saison gefragt, wenn es um die ersten Punkte für den Klassenerhalt geht.

Und Bechmann fährt nicht nur mit voller Kapelle, sondern auch „vorsichtig optimistisch“ nach Oranienburg. Sie wird an diesem Tag noch oft genug zwischen den Gedanken hetzen. Aber vielleicht können ihre Schützlinge das Tempo in ihrem Kopf auch entschärfen.