Eilsleben l In Eilsleben betreut der 33-Jährige ein junges Team mit erheblichem Potenzial. Im Interview mit Maximilian Pefestorff spricht der Coach über die aktuelle Situation, die Zukunftsaussichten beim ESV und seine Vergangenheit beim 1. FC Magdeburg.

Herr Krüger, für den Amateursport war das Jahr 2020 eine enorme Herausforderung. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?

Ich möchte das etwas ausführlicher beschreiben. Wir sind im Januar und Februar 2020 gut in die Vorbereitung gestartet. Meine Mannschaft hatte nicht nur eifrig trainiert, sondern auch viele Erkenntnisse im spielerischen und taktischen Bereich gesammelt durch eine Vielzahl an Testspielen. Mit dem 3:2-Erfolg beim SV Gutenswegen/Klein Ammensleben sind wir dementsprechend sehr gut in die Rückrunde der Saison 2019/20 gestartet. Dann brachte die Corona-Pandemie den gesamten Spiel- und Trainingsbetrieb zum Stillstand. Meine Spieler hielten sich in dieser Phase individuell fit. Wir haben in der Zeit auch eine Lauf-Challenge ausgetragen, bei der der Verlierer einen Grillabend für die Mannschaft organisieren musste. Schließlich wurde die Saison nicht mehr fortgesetzt. Wir haben uns nach der Freigabe des Wettkampfbetriebs gezielt auf die neue Spielserie vorbereitet und einen guten Start hingelegt. Nun ruht der Ball schon seit November. Die aktuelle Herausforderung besteht derzeit, dass sich die Spieler in dieser Phase trotzdem motivieren und fit halten. Das Jahr war bilanzierend eine sehr starke Herausforderung für den Sport und die Gesellschaft.

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Haben Sie sich Wünsche oder Ziele gesetzt, die Sie gerne im neuen Jahr umsetzen möchten?

Ich wünsche mir natürlich, dass der Trainingsbetrieb zeitnah wieder aufgenommen werden kann. Es wäre schön, wenn wir wenigstens die Hinrunde beenden können. Ich hoffe, dass die Maßnahmen der Regierung zu einer weiteren Eindämmung des Corona-Virus führen werden, sodass bald wieder ein normaler Alltag möglich ist. Nicht nur, dass wir kein Fußball mehr spielen können. Wir sind in unserem gesamten sozialen Umfeld massiv eingeschränkt. Auf die Dauer gesehen ist der Lockdown irgendwann nicht mehr gesund.

Der Trainings- und Spielbetrieb ruht seit Monaten. Wie haben Sie die fußballfreie Zeit verbracht?

Ich habe die Zeit genutzt, um persönlich wieder Kraft zu tanken. Der Spagat zwischen Arbeit, Familie und Fußball ist im Alltag nicht immer leicht. Deshalb freue ich mich, dass ich die freie Zeit genutzt habe, um viel mit der Familie zu unternehmen.

Persönliche Kontakte sind durch die aktuelle Corona-Eindämmungsverordnung stark eingeschränkt. Wie halten Sie den Kontakt zu Ihren Schützlingen?

Wir tauschen uns über unsere WhatsApp-Gruppe regelmäßig aus oder telefonieren. Ich bin froh, dass das in dieser Zeit soweit ganz gut funktioniert.

Gibt es denn aktuell Trainingsvorgaben für Ihre Spieler?

Meine Spieler halten sich individuell mit Laufeinheiten und zusätzlichem Krafttraining fit. Wir haben seit dem 1. Februar eine Mannschafts-Challenge gestartet, in der jeder Spieler eine gewisse Strecke laufen muss. Schafft der Spieler die Kilometerzahl nicht, muss er eine Strafe zahlen. Die Ordnungsgelder fließen dann in den Jugendbereich. Sollte die Challenge durch die Mannschaft gewonnen werden, zahlt der Verein einen gewissen Betrag an den Nachwuchs sowie auch an die erste Herrenmannschaft. Unser Nachwuchs gewinnt somit in beiden Fällen. Für meine Schützlinge hat der Wettbewerb den Vorteil, dass jeder einen Überblick über die erzielten Laufleistungen erhält. So können sich die Spieler gegenseitig pushen, um viele Kilometer zurückzulegen.

Der Spielbetrieb wird nach einem FSA-Beschluss auch im Februar nicht aufgenommen werden. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Die Entscheidung war für mich klar. Ich halte sie in dieser Form auch für richtig. Aktuell müssen wir den Fokus darauf setzen, dass die Kinder und Jugendlichen einen hoffentlich geordneten Unterricht ab dem 1. März erhalten. Aus meinem persönlichen Umfeld weiß ich, wie belastend die derzeitige Situation für die Familien ist. Besonders die Kinder leiden sehr stark unter der jetzigen Situation. Ich hoffe daher, dass der Inzidenzwert weiter abnimmt. Damit könnte der Sport im Freien bald wieder möglich werden. Nicht nur die Kinder vermissen den Fußball, auch die älteren Spieler.

Wie sollte ein möglicher Re-Start des Spielbetriebs ihrer Einschätzung nach aussehen?

Wir wissen nun schon seit November nicht, wann und ob die Wiederaufnahme erfolgt. Sollte der Spielbetrieb zeitnah starten, benötigen wir als verantwortliche Trainer auch eine gewisse Zeit, um unsere Spieler wieder fit zu bekommen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Spieler muskuläre Verletzungen zuziehen. Das reguläre wöchentliche Mannschaftstraining kann durch individuelle Lauf- oder Krafteinheiten nicht in dem gleichen Maß ersetzt werden. Diese Erkenntnis haben wir auch schon nach dem ersten Lockdown gezogen, denn die Belastungssteuerung ist eine ganz andere. Im Amateursport haben wir nicht die Betreuung durch Sportmediziner, Fitness-Coaches oder Physiotherapeuten.

Für die Bördeoberliga wurden mehrere Szenarien zur Fortsetzung des Spielbetriebs in einer Video-Konferenz besprochen, darunter auch ein möglicher Play-Off-Modus. Welche Variante würden Sie sich persönlich bei einer Wiederaufnahme des Ligabetriebs wünschen?

Die Entscheidung hängt einzig und allein von der noch zur Verfügung stehenden Zeit ab. Sollte ausreichend Zeit zur Verfügung stehen, kann ich mir einen möglichen Play-Off-Modus gut vorstellen. Die Hinrunde sollte aber mindestens beendet werden können.

Der Eilslebener SV steht nach einem guten Saisonstart als Tabellenfünfter in Lauerstellung. Wie hat sich Ihre Mannschaft bisher präsentiert?

Meine Mannschaft hat sich bisher sehr ordentlich präsentiert. Wir haben eine junge Truppe, die auch mal Fehler macht und auch machen darf. Die Leistungen sind noch nicht konstant, das ist aber ganz normal. Wichtig ist für mich, dass meine Spieler sowohl im Training, als auch im Pflichtspiel, meine Vorgaben versuchen umzusetzen.

Kurz gefragt. Sind sie zufrieden?

Ich bin mit der Leistung meiner Mannschaft absolut zufrieden. Wir sind sehr gut in die Saison gestartet. Der 4:0-Erfolg in Neuenhofe hat gezeigt, welches Potenzial in meiner Truppe steckt. Die Abläufe in der Offensive und im Defensivverbund haben so funktioniert, wie ich mir das als Trainer vorstelle. Das war bisher das beste Spiel meiner Mannschaft. Im weiteren Verlauf der Saison hatten wir leider mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Wir waren damit oft gezwungen Alternativen zu finden und viel zu rotieren. Möglich, dass das ein oder andere Spiel vom Ergebnis auch glücklich für uns ausfiel. Doch wenn sich unsere Elf mal nicht so spielerisch präsentieren konnte, so war sie mental und kämpferisch immer stark auf dem Platz.

Ihr Verein setzt vermehrt auf junge Leute. Das Durchschnittsalter des Kaders liegt bei 25,6 Jahren. Ist Niklas Rupprecht ein Paradebeispiel für die gute Nachwuchsarbeit?

Auf jeden Fall. Das gilt aber nicht nur für Niklas, sondern auch für die vielen anderen Spieler, die aus der eigenen Jugend stammen und nun in der ersten Herrenmannschaft spielen. Die Nachwuchsarbeit ist die Grundlage dafür, dass wir gegenwärtig so gut da stehen. Ich finde es unheimlich toll, dass sich besonders viele junge Leute im Verein engagieren. Seit Jahren wird im Nachwuchs sehr gute Arbeit geleistet. Das war auch ausschlaggebend dafür, dass ich mich für die Trainertätigkeit beim Eilslebener SV entschieden habe. Der Verein hat ein sehr gutes Konzept und setzt auf Nachhaltigkeit. Dazu kommt, dass der Sportplatz mit einem neuen Kunstrasenplatz und dem erneuerten Rasenplatz viele neue Voraussetzungen schafft. Davon kann jeder einzelne Spieler im Verein nur profitieren. Ich bin mir sicher, dass etwas in Eilsleben heran wächst. Ich bin stolz darauf, dass ich einen gewissen Teil dazu beitragen kann.

Sie sind in der Nachwuchsabteilung des 1. FC Magdeburg ausgebildet worden. Wie hilfreich sind die Erfahrungen, mit Blick auf den jungen Spielerkader, für Ihre heutige Funktion als Trainer?

Ich habe von 2001 bis 2008 viele schöne Jahre beim 1. FC Magdeburg erleben dürfen. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Als junger Spieler habe ich viel Erfahrung gesammelt und eine gute Ausbildung durch viele gute Trainer genossen. In gewisser Art und Weise möchte ich diese Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Spielern teilen. Von daher ist das für mich, in meiner heutigen Funktion als Trainer, sehr hilfreich.

Sie haben das Potenzial des Spielerkaders angesprochen. Trauen Sie ihrer Mannschaft den Sprung auf die Landesebene zu?

Es ist wirklich unheimlich schwer in dieser Bördeoberliga aufzusteigen. Es gibt viele ambitionierte Mannschaften mit guten Trainern, die ebenfalls das Potenzial dafür besitzen. Ich denke jedoch, dass die Entwicklung des Vereins gezeigt hat, dass sich Nachhaltigkeit bezahlt machen kann. Mit der neuen Sportanlage haben wir optimale Bedingungen geschaffen, damit sich unsere jungen Spieler fußballerisch weiter entwickeln können. Vielleicht wird es noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, doch meine Mannschaft kann durchaus den Sprung auf die Landesebene schaffen. Ich habe daran keinen Zweifel.

Mit dem TSV Niederndodeleben und dem TSV Grün-Weiß Bregenstedt stehen die Bördeoberliga-Meister der vergangenen beiden Spielzeiten jeweils an der Tabellenspitze in der Landesklasse. Wie schätzen Sie die sportliche Qualität der Liga ein?

Die Qualität ist sehr gut, wie oben bereits erwähnt. In dieser Liga kann gefühlt jeder jeden schlagen. Ich würde die Prognose aufstellen, dass es schwerer ist in die Landesklasse aufzusteigen, als letztendlich diese Klasse zu halten.

Denken Sie, dass die Wahrscheinlichkeit eines Aufstiegs in einer anderen Kreisoberliga-Staffel höher wäre?

Das kann schon möglich sein. Ich kann und möchte das aber gar nicht so beurteilen, da ich die anderen Mannschaften nicht so gut kenne und nicht überheblich wirken möchte. Wir konzentrieren uns auf unsere Liga, alles andere ist unrealistisch.

Lassen Sie uns in die Zukunft schauen. Wo möchten Sie in den nächsten fünf Jahren mit Ihrer Mannschaft stehen?

Zunächst einmal möchte ich meine Mannschaft fußballerisch weiter entwickeln. Ich bin nun schon fast zwei Jahre als Trainer im Verein tätig und konnte noch nicht eine Saison durchgängig mit der Truppe arbeiten. Die Spieler müssen Zeit bekommen, um meine Vorgaben umsetzen zu können. Das Vorhaben wird durch die ständigen Unterbrechungen erheblich erschwert. Schön wäre es, wenn wir innerhalb der nächsten fünf Jahre den Aufstieg in die Landesklasse realisieren könnten, um uns dann längerfristig auf der Landesebene etablieren zu können.