Wulferstedt l Das Pokalhalbfinale der Vorsaison erlebte seine Neuauflage schon in der ersten Pokalrunde. An gleicher Stelle musste sich der SV Seehausen wieder geschlagen geben. Wulferstedt holte zweimal einen Rückstand auf, zwang Seehausen in die Verlängerung und gewann mit dem größeren Willen und den besseren Nerven mit 4:2.

Respekt war groß

Seehausen hatte sich ordentlich verstärkt, geht deshalb allgemein mit ganz anderen Ambitionen als Wulferstedt in die neue Spielzeit. Der Respekt der Germania vor dem SVS war anfangs auch groß. In den ersten 20 Minuten spielte Wulferstedt viel zu zaghaft, bekam kaum etwas Konstruktives zusammen. Mit den forschen Bällen nach vorn war wenig anzufangen. Die Konzentration lag auf Sicherheit in der Abwehr, die wegen des Fehlens von Charwat, Mann, Grzenda und Mohr umgestellt war.

Seehausen spürte die Verunsicherung und witterte seine Chance, blieb aber noch erfolglos. Schon besser sah es für Germania nach 20 Minuten mit den ersten gelungenen Kombinationen aus. Dreyer spielte auf Reimann, der aus der Drehung keinen Druck hinter den Ball bekam. Als der schnelle Till Breitenbach geschickt wurde, sprang ihm der Ball in schussbereiter Position an die Hand.

Gegentor vor der Pause

Schade für die Germanen, dass sie in dieser nun mutigeren Phase mit dem Gegentor bestraft wurden. In einen scharfen Ball in den Strafraum hielt Seehausens Neuzugang Sebastian Nowak den Fuß rein, fälschte den Ball für den namensgleichen Wulferstedter Torhüter Sebastian Nowack unhaltbar ab (29.). Beiden Mannschaften fehlte es bis zur Pause an guten Gelegenheiten. Wulferstedt kam der Pausenpfiff nicht ungelegen, um sich taktisch neu besprechen zu können.

Die zweite Halbzeit war aus Germania-Sicht viel besser. Sebastian Stadler kam für den gelb-rot-gefährdeten René Jahn. Germania-Schlussmann Nowack war zunächst mit einer Glanztat bei einem Seehäuser Gewaltschuss gefordert. Stadler, der gern gegen Seehausen trifft (Siegtorschütze im Halbfinale), nutzte das überlegte Zuspiel von Reimann und bügelte den Ball in Bedrängnis zum gefeierten Ausgleich über die Torlinie (55.).

Germania Wulferstedt hat bessere Chancen

In der Folge hatte Wulferstedt nicht nur endlich Torchancen, sondern auch die besseren. Nach Eckstoß wurde ein Ilsmann-Kopfball von der Linie geschlagen (59.). Reimann versuchte, Torhüter Neugebauer zu überlupfen, der aber bekam noch die Hand dran: Eckstoß. Der wurde ausgeführt, und wieder wurde ein Kopfball des Germania-Kapitäns vorm Einschlagen im hinteren Eck vor der Torlinie geklärt (67.).

Völlig unnötig war in dieser Phase der Ballverlust vor der Mittellinie in eigener Hälfte. Seehausens Maurice Marko Bader trieb den Ball schnell nach vorn, blieb trotz zweimaligen Tacklings noch am Ball und überwand den überraschten Sebastian Nowack zum 2:1 für den SVS (70.).

Ausgleich kurz vor Schluss

Wulferstedt schöpfte jetzt die letzten Möglichkeiten aus und sollte belohnt werden. In der 84. Minute setzte Seehausen einen vielversprechenden Freistoß in die Mauer. Denny Herzberg spielte sofort nach vorn auf den eingewechselten Vincent Willenius. In seiner individuellen Spielweise völlig unberechenbar – sowohl für den Gegner, wahrscheinlich auch für die eigenen Kameraden, schüttelte Willenius einen Gegenspieler ab und vollendete diesen Konter mit dem 2:2.

Es gab fünf Minuten Nachspielzeit, anschließend bat Schiedsrichter Ohrdorf in die Verlängerung. Diese begann Wulferstedt wieder anfällig. Seehausen hatte gleich zwei, drei Schusschancen. Dann wurde gegen Hasse nicht konsequent geklärt und Nowack rettete mit einer bärenstarken Reaktion. Das 3:2 fiel dafür auf der Gegenseite. Willenius bediente Herzberg, dessen erstes Tor für Wulferstedt ein sehr wichtiges ist (96.).

SV Seehausen ist geschockt

Seehausen war geschockt und konnte nicht mehr die Kräfte aufbringen, um das Ruder noch einmal rumzureißen. Zudem zeigte sich Sebastian Nowack in Bestform (Freistoß, 100.). Auch das Schiedsrichtergespann machte es spannend, als sie Reimanns Tor zum 4:2 wegen vermeintlicher Abseitsstellung aberkannten (102.).

In der 108. Minute schwamm Wulferstedt gewaltig vor dem eigenen Tor, doch auch dies bügelte Nowack in letzter Sekunde noch aus. Die Entscheidung bereitete Stadler vor. Er setzte sich um Laufduell durch und spielte hinüber auf Reimann, der mit der Seite platziert zum 4:2-Endstand traf.

Germania Wulferstedt: Nowack – Jan-Marcus Reschke (76. Willenius), Ilsmann, Dreyer, Reimann, Brunke, Jahn (46. Stadler), Rzehaczek, Dilge, Breitenbach (71. Herzberg), Julian-Michel Reschke (91. Dannenberg)

SV Seehausen: C. Neugebauer – N. Neugebauer, Hilgenberg, Reber, Gruhle (56. Bader), Hasse, Müller (91. Peschek), Schünemann, Wischeropp, Trautwein (59. Tobisch), Nowak (78. Hentschel)

Torfolge: 0:1 Sebastian Nowak (29.), 1:1 Sebastian Stadler (55.), 1:2 Maurice Marko Bader (70.), 2:2 Vincent Willenius (84.), 3:2 Denny Herzberg (96.), 4:2 Christian Reimann (106.)

Schiedsrichter: Benedict Ohrdorf, Stefan Knorr, Heiko Schulze

Zuschauer: 179