Haldensleben l Es ist erst ein paar Wochen her, da hat die Sportjugend Sachsen-Anhalt als größte Interessensvertretung Kinder und Jugendlicher des Landes einen neuen Vorstand gewählt. Neuer Vorsitzender wurde Paul Rathke, der am Freitag seinen 22. Geburtstag feiert. Im Gespräch mit Volksstimme-Autor Stefan Rühling berichtete er über seinen persönlichen Werdegang und seine damit verbundenen Aufgaben.

Volksstimme: Herr Rathke, wie geht es Ihnen und wo leben Sie heute?

Paul Rathke: In Anbetracht der Umstände mit der Corona-Pandemie geht es mir gut, ich bin gesund. Vielen Dank für die Nachfrage. Ich lebe und studiere in Magdeburg.

Was studieren Sie?

Ich studiere Ingenieurspädagogik auf Lehramt.

Was hat Sie in diesem Jahr am meisten bewegt?

Als erstes fällt mir natürlich die Situation um die Corona-Pandemie ein, doch möchte ich gern mit etwas Positivem beginnen: Zu Beginn des Jahres, also noch vor den ganzen Einschränkungen, haben bei uns in der Sportjugend Sachsen-Anhalt diverse, schöne Veranstaltungen stattgefunden. Dazu zählte unter anderem die Ehrung der erfolgreichsten Nachwuchssportler aus dem Vorjahr mit einem tollen Programm und schönen Show-Auftritten. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich daran mitwirken konnte. Darüber hinaus wurde ich bereits im April dieses Jahres zum Vorsitzenden der Sportjugend kooptiert, bis im Oktober die reguläre Wahl stattfinden sollte beziehungsweise auch stattgefunden hat.

Es war ein großartiges Gefühl, vom Vorstand das Vertrauen zu bekommen. Immerhin waren dort Menschen dabei, welche die Sportjugend über die letzten 30 Jahre mit aufgebaut haben. Ganz vorbei bin ich an Corona natürlich nicht gekommen. Das hat mich privat genauso bewegt, wie uns alle beim Landessportbund Sachsen-Anhalt und der Sportjugend. Denn wir haben ja auch Einrichtungen für den Sport, die wirtschaftlich arbeiten müssen, beispielsweise unsere Bildungseinrichtung in Schierke.

In Ihrer Jugendzeit haben Sie aktiv Badminton gespielt. Wie kamen Sie dann zur Sportjugend?

Das ist tatsächlich eine lustige Geschichte: Bereits seit ich neun Jahre alt war, habe ich beim TuS Schwarz-Weiß Bismark Badminton gespielt. Zudem hat meine Tante damals bei der Sportjugend gearbeitet und mir einmal einen Flyer zu seinem Sommercamp mitgebracht. Zusammen mit einigen Freunden habe ich dann in den Sommerferien am Boys&Girls-Camp an der Landessportschule in Osterburg teilgenommen. Von dort an nahm die Geschichte dann ihren Lauf: Wir haben weitere Ferienfreizeiten sowie Lehrgänge besucht, neue Freundschaften sind entstanden und wir wurden damit zu „Wiederholungstätern“, wie wir bei der Sportjugend sagen. So wurden wir dann gefragt, ob wir im Junior-Team mitwirken wollen und haben dann darüber die JugendLeiterCard (JuLeiCa) gemacht. So kam es zur Unterstützung von immer mehr Lehrgängen und Projekten, woran sich für mich die Referententätigkeit bei Volljährigkeit anschloss.

Wie führte Sie Ihr Weg dann in den Vorstand?

Dazu muss ich etwas weiter ausholen: In meiner Jugendzeit hatte ich ein Schlüsselerlebnis, als ich im Rahmen eines Praktikums einmal einer Sitzung unseres Landesparlaments beiwohnen konnte. Es ging um das Ehrenamt und das dieses gestärkt werden muss, doch ein diesbezüglicher Antrag wurde abgelehnt. Fortan wusste ich, dass ich was ändern und ein Umdenken herbeiführen möchte. Denn eine Gesellschaft ohne Ehrenamt ist nicht möglich. Dementsprechend habe ich bei den Maßnahmen der Sportjugend gemerkt, wie viel Freude ich daran habe, doch auch darüber hinaus tätig werden und Strukturen mitgestalten wollte. Im Rahmen des Junior-Teams habe ich für Sachsen-Anhalt auch an bundesweiten Veranstaltungen teilgenommen und mich eingebracht, so dass ich schließlich gefragt wurde, ob ich nicht als Jugendsprecher im Vorstand mitwirken möchte.

Wann war das?

Das war im Jahr 2016, ich war also bis April vier Jahre Jugendsprecher.

Sie waren da gerade knapp 18 Jahre alt – was hat Sie an der Mitarbeit im Vorstand gereizt?

Wie schon erwähnt, wollte ich mich über die Basisarbeit hinaus einbringen. Die Sportjugend ist die größte Interessensvertretung für Kinder und Jugendliche im Land Sachsen-Anhalt. Damit haben wir eine gewisse Verantwortung und zugleich Stimme in der Gesellschaft. Diese Chance, hier aktiv zu werden, wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Jetzt haben Sie es bis zum Vorsitz geschafft…

… womit ich selbst nicht gerechnet habe. Aus beruflichen Gründen hat meine Vorgängerin Christin Wunderlich, ihren Posten niedergelegt, da sie hauptamtlich das Ressort Sportjugend beim Landessportbund übernommen hat. Sie hat sogleich große Fußstapfen hinterlassen. Ich war überwältigt, dass ich von so erfahrenen Mitstreitern gefragt und schließlich kooptiert sowie jetzt im Oktober auch durch die Mitglieder gewählt wurde.

Welche Bedeutung hat das für Sie?

Das hat eine sehr große Bedeutung. Es gibt mir die Möglichkeit, Verantwortung für unsere Kinder und Jugendlichen in den Fachverbänden sowie Vereinen zu übernehmen und deren, beziehungsweise unserer aller Interessen zu vertreten.

Mit welcher Arbeit ist das verbunden?

Im Vorstand der Sportjugend und speziell bei mir laufen alle Fäden zusammen. Wir führen regelmäßig Vorstandssitzungen durch, diskutieren dabei aktuelle Themen. Darüber hinaus hat der Vorsitzende der Sportjugend auch einen Platz im Präsidium des Landessportbundes. Für mich Jungen vom Land ist das eine Ehre, hier mit ehemaligen Leistungssportlern an einem Tisch zu sitzen. So gilt es hier, aber auch gegenüber unserem Ministerium für Inneres und Sport die Interessen der Sportjugend zu vertreten. Weiterhin übernehme ich repräsentative Aufgaben, beispielsweise bei Veranstaltungen und Ehrungen.

Wie bekommen Sie dieses Engagement mit Ihrem Studium unter einen Hut?

Dazu möchte ich vorneweg sagen: Es ist zwar oft nicht leicht, doch es ist absolut möglich. Ich bin sehr froh, dass ich Studium, Sportjugend, aber auch meinen Nebenjob gut vereinen kann. Dafür bin ich meinem Arbeitgeber dankbar, der sehr flexibel ist. Zudem nimmt mir die Geschäftsstelle der Sportjugend schon viel Arbeit ab. Von der Hochschule hingegen würde ich mir noch etwas mehr Unterstützung wünschen. Beispielsweise ist es in anderen Bundesländern so, dass bestimmte ehrenamtliche Tätigkeiten im Studium angerechnet werden. Sie sind uns in Sachsen-Anhalt ein Stück voraus. Bei uns ist dies leider nicht der Fall, obwohl die Einrichtungen natürlich auch dazu aufrufen, sich zu engagieren.

Bleibt da überhaupt noch Platz für ein Privatleben und Freizeit?

Ja, natürlich. Das muss es auch, da ich ansonsten ein Roboter sein müsste.

Wie verbringen Sie diese?

In meiner Heimat Bismark engagiere ich mich als Jugendwart der Feuerwehr. Ansonsten bin ich gern mit Freunden und meiner Familie zusammen.