Salzwedel l Bei Familie Neumann in Salzwedel wird sicherlich auch zu Hause viel über Fußball gesprochen. Nicht nur der 42-jährige Vater Lars, sondern auch seine beiden Töchter sind dem runden Leder verfallen und haben sich mittlerweile viel Sachverstand angeeignet. Während der ehemalige Leichtathlet vor allem seine beiden Mädchen fördern möchte und hofft, dass sie im Mädchen- beziehungsweise später Frauenfußball einen erfolgreichen Weg einschlagen, haben sich Annika und Lena selbst vorgenommen, in Zukunft junge Talente herauszubringen.

Lars Neumann war früher nun nicht gerade ein begnadeter Fußballer. In seiner Heimatstadt Salzwedel heuerte er für wenige Monate bei Aktivist an. „Ich hatte allerdings Angst vor Zweikämpfen, und so hat Trainer Werner Raasch früh zu mir gesagt, dass ich lieber laufen sollte“, erinnert sich der 42-Jährige schmunzelnd zurück. Und in der Tat: Seine Stärken lagen in der Dynamik und Ausdauer. Damit war die Leichtathletik geradezu leibgeschneidert für den Westaltmärker, der für Dynamo Salzwedel aktiv war. „Gerade die Mittelstreckenläufe wie beispielsweise 800 Meter lagen mir“, verrät der Sportliebhaber. Der befand sich sogar für drei Jahre auf der Sportschule in Berlin. „Nach der Wende herrschte dort allerdings große Unsicherheit. Meine Zukunft war ungewiss“, verrät Lars Neumann. Der wechselte zurück nach Salzwedel und legte dort sein Abitur ab. Danach spielte Sport nicht mehr die ganz große Rolle beim Hansestädter, mittlerweile ist er aber Fußballtrainer bei der zweiten C-Junioren-Vertretung der Eintracht und damit auch für seine beiden Töchter zuständig.

In der Vorsaison Meister der D-Jugend-Kreisli

Annika und Lena Neumann wurden 2007 von ihrem Onkel Holger Neumann, mittlerweile Sektionsleiter beim SVE, mit zum Training der G-Junioren des SV Eintracht Salzwedel genommen. Danach gab es für die Zwillinge auch kein Zurück mehr. „Ich denke, wir haben uns gut entwickelt und scheuen keine Zweikämpfe“, verrät Lena. Genau wie ihre Schwester ist sie eine kompromisslose, aber stets faire Abwehrspielerin. Nachdem Holger Neumann die Truppe auf einen guten Weg gebracht hatte, übernahm Myrko Weber das Amt des Trainers und war immerhin fünf Jahre lang für sie zuständig. Unter seiner Regie feierte die Eintracht-Zweite in der vergangenen Saison den Kreismeistertitel in der D-Jugend. Es war auch für Annika und Lena, die in zwei Jahren auch bei den Frauen spielen dürften, der bisher größte Erfolg ihrer noch jungen Laufbahn. Wobei die jungen Kreisstädterinnen auch kürzlich zusammen mit Lucie Buhmann aus Pretzier beim Fair-Play-Hallenturnier eine gute Rolle spielten und in Prora in einem guten Teilnehmerfeld erst im Viertelfinale die Segel streichen mussten. „Wir waren bisher meist immer die einzigen Mädchen in unseren Mannschaften. Wir sind nicht allzu schnell, aber ich denke, wir können in der Kreisliga ganz gut mithalten bei den Jungen, da wir groß und kräftig sind und unseren Körper gut einsetzen können“, erklärt Annika Neumann, deren Senior ergänzt: „Die Mädchen haben ein gutes Spielverständnis.“

Die beiden 14-jährigen Fußballerinnen aus Salzwedel, die bereits in Woltersdorf und Pretzier bei den Mädchen zur Probe trainierten, planen für die Zukunft eine Trainerlaufbahn und haben bereits mit den Vorbereitungen dafür begonnen. „Papa hat uns gefragt, ob wir es uns vorstellen könnten, später selbst mal eine Mannschaft zu trainieren. Anschließend hat er uns ein Formular gezeigt, auf dem man dafür alles eintragen muss“, erzählt Lena Neumann. So meldeten sich die interessierten Zwillinge, die die achte Klasse des Salzwedeler Jahn-Gymnasiums besuchen, 2015 bei einem Junior-Coach-Lehrgang an der Landessportschule in Osterburg an, an dem sich lediglich Mädchen beteiligten. Dieser Lehrgang dauerte fünf Tage. Wir mussten nach vielen Theoriestunden später selbst Trainingseinheiten leiten und uns Übungen für die kleinen Kinder ausdenken. Zudem haben wir auch selbst bei einem Turnier mitgespielt“, blicken die beiden Hansestädterinnen zurück. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Im Rahmen des Frauenländerspiels im vergangenen Jahr zwischen Deutschland und Ungarn in Halle/Saale wurden Annika und Lena Neumann offiziell als „Junior-Coaches“ ausgezeichnet.

Am liebsten eine ganz junge Mädchenmannschaft

Die beiden Abwehrspielerinnen trauen sich den Trainerjob in Zukunft zweifellos zu. „Ich denke, wir können mit Kindern ganz gut umgehen. Zudem sind wir zu zweit und können selbst zu Hause viel absprechen“, verrät Lena. Ihr Plan ist es, womöglich eine G-Jugend zu übernehmen. „Am liebsten wäre uns eine Mädchenmannschaft“, so die beiden 14-Jährigen. „Es wäre schön, wenn wir in Salzwedel mehr Mädchenfußball hätten und diesen etablieren könnten. Besonders toll wäre es, wenn es mal eine Kreisauswahlmannschaft geben würde“, fügt Vater Lars hoffnungsvoll an. Seine beiden Töchter wollen sich allerdings auch erst einmal vorrangig auf ihre aktive Laufbahn konzentrieren. „Ich hoffe, dass wir auch in der nächsten Saison wieder eine zweite C-Jugend bei der Eintracht zusammen bekommen“, sagt der jetzige 42-jährige Trainer. Personell dürfte dies nämlich nicht ganz einfach werden. „Wir haben insgesamt sieben Gastspieler vom ESV Lok Salzwedel dabei. Einige von ihnen gehen hoch in die B-Jugend“, erzählt Lars Neumann. Der ist, nachdem er zuvor schon als Assistent von Myrko Weber – der ist zur SG Liesten/Pretzier/Chüden abgewandert – arbeitete, seit Beginn dieser Spielzeit für die Truppe verantwortlich. „Klar muss man seine eigenen Kinder härter anfassen, damit keine Vorurteile aufkommen. Wir sind eine gut zusammengestellte Truppe ohne große Ansprüche“, erklärt der Übungsleiter, der offiziell keine Trainerlizenz besitzt. Braucht er aber auch nicht, denn er ist aus Spaß an der Freude dabei.

In der kommenden Saison wollen die Eintrachtler, sofern sie wieder eine Mannschaft stellen können, weiter oben mitspielen. „Wir müssen sicherlich noch dazulernen, sind aber auf einem guten Weg“, verrät Lars Neumann, der von Dietrich Pollehn bei der Trainingsarbeit unterstützt wird. Aktuell belegen die Kreisstädter in der Kreisliga den letzten Tabellenplatz, doch die Saison ist noch lang. „Am Ende werden wir sehen, wo wir stehen. Ich denke, es wird nun besser“, lässt sich der 42-Jährige, der das Team aus insgesamt vier Mannschaften durchmischte, überraschen. Die Salzwedeler Eintracht hat das Neumann-Trio übrigens so tief ins Herz geschlossen, dass es sich gar nicht vorstellen könnte, irgendwo anders zu spielen oder zu trainieren. „Das geht ja gar nicht anders, weil mein Cousin Holger Abteilungsleiter ist“, sagt Lars Neumann mit einem Schmunzeln. „Mit den vorhandenen Möglichkeiten wird hier im Verein sehr ordentlich gearbeitet. Ich weiß allerdings auch, wie schwierig das ist“, so der Trainer. Seine beiden Töchter, die speziell von der Talenteliga-D-Jugend („Die waren in der letzten Saison richtig gut und sind es auch in dieser Spielzeit“) überzeugt sind, blicken auch mit leichter Vorsicht in die Zukunft. „Wir werden sehen, was auf uns zukommt“, erzählen sie. Womöglich wird das schon in nächster Zeit ein lukrativer Trainerjob für Annika und Lena Neumann sein – am liebsten natürlich beim SV Eintracht Salzwedel.