Salzwedel l Das lag an der bevorstehenden Austragung der Weltmeisterschaft 2011 in der BRD, nachdem die Deutsche Nationalmannschaft zuvor zwei Mal Weltmeister wurde.

In der Altmark war das Thema auch mit dem Namen Stefan Rühling, der heute als Autor für die Volksstimme arbeitet, verbunden. Thomas Koepke hat sich mit ihm unterhalten.

Herr Rühling, was ist der Unterschied zwischen Frauen- und Mädchenfußball in der Altmark vor zehn Jahren und heute?

Bilder

Stefan Rühling: Die Anzahl der Mannschaften. Nicht nur bei den Frauen waren wir breiter aufgestellt, sondern vor allem im Nachwuchs. Heute gibt es keine Juniorinnen mehr in der Altmark.

Wie entstand damals Ihr Interesse?

In der Zeit von 2006 bis 2008 habe ich auf verschiedenen Ebenen Fußballerinnen kennengelernt. Zum einen Loreen Berkau, die in Walsleben aktiv war und damals als eines der größten Talente im Land galt. Wir haben gemeinsam in einem Betrieb eine Ausbildung gemacht. Durch meine Beziehungen zum VfL Wolfsburg lief mir dort Britta Carlson, damals Nationalspielerin, über den Weg. Nicht zuletzt die Bekanntschaft zu Kirsten Matschkus führte dazu, dass ich regelmäßig Frauenfußballspiele verschiedener Klassen verfolgt und damit das Interesse daran gefunden habe.

Dann folgte der Altmark-Women-Soccer-Cup 2009 in Stendal?

Ja, so ungefähr könnte man es sagen. In der Frauen-Bundesliga gab es außer in Frankfurt und Potsdam damals nur Zuschauerzahlen, wie es sie sonst bei den Männern in der Landes- oder Verbandsliga gibt. Die Partien unterer Klassen verfolgten noch weniger auf den Plätzen. Mit Blick auf die Weltmeisterschaft, zu der Stadien mit 30.000 und mehr Zuschauern gefüllt werden sollten, wollten wir etwas Werbung für den Frauenfußball machen.

Damals waren Wolfsburg, Potsdam II und Walsleben dabei – eine ungewöhnliche Kombination?

Das war genau die Idee dahinter. Die Menschen aus unserer Region sollten einmal Mannschaften der Frauen-Bundesliga kennenlernen können. Für Walsleben war es natürlich ein absolutes Highlight, einmal gegen so hochkarätige Teams zu spielen. Rückwirkend betrachtet ging es immerhin gegen mehrfache Deutsche Meisterinnen, Pokalsiegerinnen und Champions League-Siegerinnen.

Das lief dann so gut, dass es das Turnier 2010 noch einmal in Bismark gab?

Die Rahmenbedingungen in Stendal mit dem Stadion „Am Hölzchen“ waren toll. Doch wenn man eine Idee verbreiten möchte, muss man auch immer neue Austragungsorte wählen. Bismark hat sich für mich angeboten, da ich zu dieser Zeit beim TuS im Verein aktiv war. Für die Altmark gesehen lag es somit auch etwas Zentraler, um noch mehr Publikum anzusprechen. Deshalb haben wir auch eine Altmark-Auswahl zusammengestellt, die gegen die Reserven aus Wolfsburg und Potsdam sowie den Regionalligisten Magdeburger FFC angetreten ist.

Kurz darauf vermeldete der TuS Schwarz-Weiß Bismark den Aufbau einer Mädchenmannschaft – stand das mit dem Turnier im Zusammenhang?

Es war tatsächlich so, dass einige Mädchen im Rahmen einer privaten Feierlichkeit den Wunsch äußerten, gemeinsam Fußballspielen zu wollen. Nico und Frank Motejat sowie ich haben das nicht ganz ernst genommen und mehr aus Spaß gesagt, dass sie trainiert werden, wenn zur angesetzten Zeit zehn Mädchen auf dem Trainingsplatz stehen. Und siehe da – einige Tage später – war es so. Das war dann die Geburtsstunde der Mannschaft.

Haben Sie dann auch Punktspiele bestritten?

Zunächst einmal haben wir nur trainiert. Erst zur Rückrunde der Saison 2010/2011 haben wir die Mannschaft gemeldet. Sie ist dann außer Wertung bei den D-Junioren gestartet, da die Mädchen größtenteils schon C-Juniorinnen waren.

Sie haben also gegen Jungs gespielt?

Eine andere Möglichkeit gab es damals nicht. Das hat den Mädchen aber nicht lange gefallen. Doch sie hatten Freude am Fußball. So entstand die Idee, einen Spielbetrieb für Mädchenmannschaften zu organisieren, da es zu dieser Zeit noch weitere Teams in der Altmark, beispielsweise in Gardelegen und Havelberg, gab.

Kam dieser dann zustande?

Ja, das hat geklappt. Wir sind im Sommer 2011, also direkt nach der Frauenfußball-Weltmeisterschaft, gestartet. Da wir auch noch Mannschaften aus der Börde dabeihatten, hieß die Spielklasse dann Altmark-Börde-Liga für B/C-Juniorinnen.

Welche Vereine waren dabei?

Das Auftaktspiel bestritten der FSV Havelberg und der 1. FC Oebisfelde beim Havelberger Pferdemarkt. Die Schirmherrschaft für unseren Spielbetrieb hatte die damalige Bundestagsabgeordnete Katrin Kunert übernommen und den Ehrenanstoß durchgeführt. Darüber hinaus waren der SSV 80 Gardelegen, Haldensleber SC, SV Kali Wolmirstedt und eben der TuS Schwarz-Weiß Bismark in der Liga aktiv.

Sie waren damals auch der Staffelleiter?

Nein, in der ersten Saison war ich noch Trainer in Bismark. Werne Johlke hat uns damals betreut. Erst 2012, als ich zum Kreisfachverband Fußball Altmark-Ost wechselte, habe ich auch die Staffelleitung übernommen.

Wie lange lief der Spielbetrieb genau?

Die zweite Saison 2012/2013 wurde noch komplett so gespielt. Dort kamen auch der Magdeburger FFC sowie der VfL Kalbe/Milde mit in das Startfeld. Das war eine tolle Zeit mit allen Verantwortlichen der Vereine. Wir hatten auch außerhalb des Spielfeldes zumeist ein gutes Verhältnis.

Danach war es vorbei?

Nein, im Sommer 2013 wurde der Spielbetrieb dann in den Maßstab des Fußballverbands Sachsen-Anhalt eingeordnet. Inoffiziell, da es ansonsten zu wenige Spiele gab, haben wir noch eine kleine Freundschaftsrunde Altmark-Börde-Liga gespielt.

Wie steht es heute um diese Mannschaften?

Meines Wissens nach existieren in Havelberg, Gardelegen und Wolmirstedt noch immer Frauenfußball-Mannschaften, in denen die Juniorinnen von damals aktiv sind.

Haben Sie noch Kontakte aus dieser Zeit?

Ja, selbstverständlich. Sofern es die Zeit zulässt, sehe ich auch hin und wieder noch Spiele der Wolmirstedterinnen oder des SSV 80 Gardelegen an. Das hatte ich mir auch für die Rückrunde wieder verstärkt vorgenommen, doch die Zwangspause des gesamten Sports steht dem nun im Weg.

Vielen Dank für das nette Gespräch und viel Gesundheit und Glück.