Letzlingen/Barleben l Doch Beruf und Familie waren Torsten Kühnast später doch wichtiger als die große Bühne. Mittlerweile „begnügt“ sich der 37-Jährige mit der Landesklasse, Staffel I, beim FSV Heide Letzlingen.

Die vierte Liga war für Torsten Kühnast in früheren Jahren das Maximum. Er hätte es vielleicht noch weiter nach oben schaffen können. Der gebürtige Letzlinger stand einst sogar auf dem Sprung in die Jugend-Nationalmannschaft, den er aber knapp verpasste. Seit Beginn dieser Saison hat Kühnast den Weg zurück zu seinen Wurzeln gefunden. Der Offensivakteur spielt nun wieder da, wo er einst auch seine ersten fußballerischen Schritte machte: Nämlich beim FSV Heide Letzlingen. Mit diesem feierte er gerade die Herbstmeisterschaft in der Landesklasse.

Wechsel zum Nachwuchs des VfB Leipzig

Bodo Hennigs brachte Torsten, als dieser gerade einmal sieben Jahre alt war, das Fußball-Abc bei den Letzlinger E-Junioren bei. Der Westaltmärker liebte das Spiel mit dem runden Leder von Beginn an und freute sich, gemeinsam mit seinen Freunden auf dem Platz („Für uns gab es damals nichts anderes“) zu stehen.

Mitglied der Landesauswahl

Torsten Kühnast fand seinen Platz im Team aufgrund seines Torinstinkts schnell im Angriff und machte sich selbst landesweit schnell einen Namen. In der C-Jugend wechselte Kühnast zu Lok Stendal und gehörte als zentraler Mittelfeldspieler auch schon bald zum Kader der Landesauswahl Sachsen-Anhalts. In dieser spielte er unter anderem gemeinsam mit Maik Franz und Kevin Schlitte, die es später sogar in die 1. Bundesliga schafften. „Damals sind sie mir persönlich noch gar nicht wirklich aufgefallen“, erinnert sich der 37-Jährige mit einem Schmunzeln zurück.

Sprung in die Nationalmannschaft verpasst

An ihm war mit der Zeit auch der 1. FC Magdeburg interessiert. Zur Probe trainierte Kühnast jeden Montag bei den Landeshauptstädtern mit, während dienstags und donnerstags in Stendal geprobt wurde. Mit der sachsen-anhaltischen Auswahlmannschaft nahm Torsten zudem an Länderturnieren in Duisburg teil und hinterließ auch dort einen bleibenden Eindruck. So stand der junge Westaltmärker sogar auf dem Sprung in die U17-Nationalmannschaft. Beim Test in Saarbrücken schaffte er allerdings nicht den Sprung in den 24-köpfigen Kader von Bundestrainer Erich Rutemöller.

Ab der B-Jugend lief Torsten Kühnast allerdings für die Auswahl Sachsens, unter anderem mit dem späteren Profi-Torhüter Tom Starke, auf. Schließlich wechselte er in dieser Altersklasse zum VfB Leipzig.

Angebote aus Bremen und Köln

Auch Werder Bremen und der 1. FC Köln hätten den Letzlinger gern in ihren Reihen gehabt. Doch die Leipziger Herren spielten damals noch in der 2. Liga, zudem war der Fahrtweg in die Heimat nicht allzu weit. Allerdings erlebte der VfB gerade in finanzieller Hinsicht schwierige Zeiten. Auch für Kühnast war es nicht einfach. Er trainierte schon als Nachwuchsakteur oft in der Herrenvertretung mit, hatte dort aber unter Coach Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner schlechte Karten und musste runter in die eigene Zweitvertretung, in der Martin Polten das Sagen hatte.

Gemeinsam mit Polten und mehreren weiteren Kollegen wechselte Torsten dann zum FC Eilenburg, mit dem er den Aufstieg in die Oberliga realisierte. Daraufhin flatterten Angebote vom ZFC Meuselwitz sowie vom Halleschen FC ins Haus. Torsten Kühnast entschied sich für Halle und spielte dort unter der Regie von Coach René Müller in der Oberliga zumeist als linker Verteidiger.

Doch mit der Zeit wurde er von Marco Hartmann, der mittlerweile für Dynamo Dresden in der 2. Liga spielt, verdrängt. Dieser erhielt von Müllers Nachfolger Detlef Schößler den Vorzug. Die Reservisten-Rolle war für den gebürtigen Westaltmärker auf Dauer aber doch nichts.

Schritt zum MSV Preußen

„Für mich ist die Saison sehr blöd gelaufen“, erinnert sich der 37-Jährige ungern zurück. Da seine Freundin in Magdeburg wohnhaft war, zog es ihn auch in die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts. Wolfgang „Maxe“ Steinbach nahm ihn beim MSV Preußen, mit dem er unter anderem ein Freundschaftsspiel gegen Letzlingen bestritt, unter seine Fittiche, wo Kühnast in der Verbandsliga aktiv war. „Ich war damals viel auf Montage, zudem war mir als junger Vater die Familie einfach wichtiger“, begründet der Letzlinger den Schritt in die „Unterklassigkeit“.

Ingolf Nitschke holte Torsten vor gut acht Jahren zum FSV Barleben. Der damals noch kleine Verein hatte Großes vor. So schafften die finanziell immer schlagkräftigeren Rand-Magdeburger den Sprung von der Landesklasse bis in die Oberliga.

„Das war schon eine tolle Sache. Ich wollte zwischendurch eigentlich schon aufhören, doch das konnte ich irgendwie einfach nicht“, verrät der 37-Jährige. Die Erfolgsserie des FSV motivierte ihn immer wieder, noch mindestens ein Jahr dranzuhängen. Doch im Sommer dieses Jahres war dann doch Schluss in Barleben, wo der Offensivakteur übrigens ein Haus gebaut hat.

Versprechen eingelöst

Nach dem Abstieg in die Verbandsliga suchte Torsten Kühnast noch einmal eine andere sportliche Herausforderung. Besser gesagt löste er ein altes Versprechen ein. „Ich habe immer gesagt, dass ich irgendwann noch einmal für Letzlingen spielen möchte“, so Torsten. Den geeigneten Zeitpunkt sah er nun gekommen. Fast jährlich wurde er unter anderem von den Heide-Führungsspielern Christian Wernecke und Marcel Grabau gebeten, wieder in seiner eigentlichen Heimat die Töppen zu schnüren.

„Ich habe die Entwicklung sowie die Ergebnisse immer verfolgt und hatte damals nach dem Aufstieg in die Landesliga schon überlegt, den Schritt zu machen“, berichtet der „Letzlinger Jung“. Diesen zögerte er dann aber doch noch ein paar Jahre hinaus.

Aufnahme im Team sehr herzlich

Der Routinier wurde laut eigener Auskunft sehr gut in der Mannschaft aufgenommen und fühlt sich pudelwohl. Doch abgesehen von der Sommervorbereitung hat der Routinier bislang noch keine Trainingseinheit der Elf von Trainer Dirksen Höft besucht. Der Aufwand mit den Fahrten ist einfach zu groß, stattdessen hält er sich bei seinem Ex-Klub FSV Barleben auf einem recht hohen Niveau fit. Doch an den Wochenenden gibt er in den Landesklasse-Partien alles für den FSV.

„Team und Umfeld sind einfach top. Die kämpferische Geschlossenheit sowie der ungeheure Siegeswille zeichnen uns aus“, schwärmt Torsten Kühnast. Diese Faktoren führten seiner Ansicht nach dazu, dass die Letzlinger die erste Halbserie mit starken 32 Punkten auf Rang eins abschlossen und erst eine Niederlage kassierten. Diesen möchte das Höft-Team natürlich möglichst auch in der Rückrunde verteidigen.

Taktgeber im Heide-Spiel

„Das wird sehr schwer. Wir brauchen noch einmal so eine starke Halbserie“, weiß der 37-Jährige, der als Mann hinter den Spitzen im Mittelfeld natürlich mit den Takt vorgibt. „Ich leite das alles schon ein bisschen, habe die Rolle als Spielmacher mittlerweile angenommen“, erklärt der gebürtige Westaltmärker, der auch in Barleben zumeist als Angreifer aufgeboten wurde und daher andere Aufgaben hatte.

Auch von der Fitness her hält Torsten Kühnast in der achten Liga noch sehr ordentlich mit. Das liegt sicher auch daran, dass der Routinier größtenteils verletzungsfrei durch seine Laufbahn kam. Lediglich einmal – und zwar in seiner Zeit in Barleben – riss er sich das Kreuzband.

Zusammenhalt im Team sehr stark

Da seine Eltern auch immer noch in Letzlingen wohnhaft sind, kommt es des Öfteren vor, dass Torsten mal ein ganzes Wochenende in seinem Heimatort bleibt. „Dann gehen wir auch mit der Mannschaft mal Feiern oder trinken einfach so mal ein Bierchen zusammen“, verrät Kühnast, der hinzufügt: „Den Aufwand tue ich mir gern an.“ Über seine Zukunft möchte der Routinier „von Saison zu Saison“ entscheiden. In den letzten Partien vor der Winterpause plagte er sich bereits mit kleineren Wehwehchen herum, biss allerdings auf die Zähne. Denn es liegt ja auch in seinem Interesse, dass die Heide-Mannen das Klassement der Landesklasse auch weiterhin anführen und mit etwas Glück sogar den Sprung zurück in die Landesliga schaffen.

„Für mich wäre das von den Fahrtwegen her sogar angenehmer“, so der Mittelfeldmotor mit einem Grinsen. Er hofft, dass es in Letzlingen auch dauerhaft gelingt, immer mehr junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs mit einzubauen und auch weiterhin alle Mitglieder zum Wohl des Vereins mit anpacken.

Torsten Kühnast selbst, der – um dem FSV Heide Letzlingen zu helfen – jedes Wochenende mindestens 80 Kilometer Fahrtweg in Kauf nimmt, ist diesbezüglich natürlich ein gutes Beispiel.