Brunau l Eine schwere Verletzung, eine Aufholjagd, zwei Platzverweise und ein Handelfmeter sollten die Geschichte dieser Begegnung schreiben.

Das durch spektakuläre Siege verwöhnte Publikum in Brunau durfte ging auch am Sonntag wieder auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Die wilde Fahrt startete allerdings alles andere als nach Plan für den SVB. Denn für Offensivmann Chris Maluck war die Partie aufgrund einer schweren Knieverletzung bereits nach zehn Minuten beendet.

Im Spiel nach vorn zeigte vor allem der Brunauer Daniel Timmer Mut zum Risiko. Sein erster Warnschuss (10.) stellte Torhüter Julius Boczek vor keine Probleme. Die erste zaghafte Torannäherung der Gäste lieferte Viktor Ischenko. Der Schuss des Routiniers touchierte das Außennetz.

Dwenger: Trumpf in der Defensive

Auf Konter lauernd versprachen sich die Gäste im Umkehrspiel die ein oder andere Gelegenheit. Brunau-Schlussmann Jens Dwenger kam dabei eine tragende Rolle in der Defensive zu. Wie ein Libero bügelte der Keeper vielversprechende Bälle auf Mechau-Stürmer Kevin Nütten aus, bevor dieser noch an den Ball gelangen konnte. Die gute Spielauffassung von Dwenger war damit ein Schlüssel zum Erfolg des hochverteidigenden Gastgebers, der für sein Risiko im Gegenpressing durch schnellen Ballgewinn belohnt wurde.

In der 27. Minute versuchte es Brunaus Timmer erneut mit einem Schrägschuss aus der zweiten Reihe. Doch auch dieser fand nicht den Weg ins Tor. Langsam aber sicher mussten sich die Gäste einen Plan zurecht legen, wie das Brunauer Offensivspiel zu bremsen ist. Mechaus Ischenko versuchte das Spiel an sich zu reißen, indem er mit aggressivem Forechecking Bälle eroberte. Doch die Mechauer Flugbälle in die Spitze, kamen wie ein Boomerang zurück. Vor allem aufgrund der noch fehlenden Präzision im Passspiel und dem Vertrauen in die Passsqualität seiner Mitspieler, sah sich Mechau-Kapitän Nütten dazu gezwungen, vermehrt die Duelle eins-gegen-eins zu suchen. Angreifer Nütten, dem es ohne aussichtsreiche Abschlussposition zu bunt wurde, umkurvte mit einem Solo gleich fünf Brunauer. Sein Abschluss mit links strich unmittelbar nach dem tollen Dribbling, nur hauchzart am Tor vorbei (32.).

Drei Brunauer allein vor dem Tor treffen nich

Gewohnt stark präsentierte sich der SVB per Standardsituation. Fabian Preuhs trat den Ball von der Mittellinie in den Sechzehner. Dort rutschte das Leder durch die Hinterreihen der Mechauer hindurch und landete vor den Füßen von gleich drei Mitspielern. Mechau spekulierte auf Abseits, positionierte sich nur im Raum und sah mit an, wie Cyris und die Gebrüder Beindorf frei vor Torhüter Boczek auftauchten. Das Trio konnte sich aber nicht entscheiden, wer den Ball ins Netz manövrierte. Das Zögern vor des Gegners Tor half Keeper Boczek, die Situation noch zu bereinigen und den Ball aus dem Strafraum zu bugsieren.

Gäste-Trainer Gordon Mießner konnte durchschnaufen und sah zumindest bis zum Halbzeitpfiff eine entspannte Phase. Kapitän Nütten erarbeitete sich gar die Chance auf eine überraschende Pausenführung. Sein Schuss aufs kurze Eck hielt SVB-Keeper Dwenger mit starkem Reflex. Nur eine Minute später umkurvte Mechaus Anton Afanasew nach tollem Zuspiel von Scholze Brunau-Schlussmann Dwenger. Doch Dwenger verkürzte beim Herauslaufen den Winkel geschickt, so dass Afanasew am Ende nicht das leere Tor traf, sondern lediglich das Außennetz.

Hausherren treffen direkt nach der Pause

Zur Pause gingen beide Mannschaften damit torlos in die Kabinen. Dort schien der Pausentee beider Teams aus gallischem Zaubertrank zu bestehen. Anders ist das Unterhaltungspaket, was den Zuschauern in Abschnitt zwei geboten wurde, nicht zu erklären. In Minute 47 scheiterte Mechau noch an Keeper Dwenger, der mit starkem Fußreflex gegen Scholze aus fünf Metern klärte. Auf der Gegenseite war nur zwei Minuten später Keeper Boczek im Tor machtlos. Wuchtig schraubte sich Timmer in die zweite Etage und köpfte per Aufsetzer den Ball in den Giebel.

Mechau hätte zwei Minuten zuvor das Führungstor erzielen müssen. Stattdessen rannte die Eintracht nun einem Rückstand hinterher. Mechau verdaute diesen gut und reagierte trotzig. Scholze versuchte sich per Außenrist aus der Distanz (50.). Der Mittelfeldmotor spielte wie aufgedreht und war an jenem Nachmittag nicht in den Griff zu kriegen. Gestoppt werden konnte der technisch versierte Mechauer nur per Foulspiel. Brunaus Verteidiger Preuhs, der bereits gelb vorbelastet in die zweite Halbzeit ging, legte Scholze in der 53. Minute und sah für sein Vergehen die Ampelkarte von Schiedsrichter Guido Eisenschmidt. Knapp hinter der Mittellinie zog der Brunauer Verteidiger Mechaus Scholze ohne jegliche Not die Füße weg. Damit war die Pottas-Elf dazu gezwungen, über eine halbe Stunde lang in Unterzahl zu agieren.

Mechau gleicht Führung schnell aus

Als ob dies nicht schlimm genug gewesen wäre, nutzten die Gäste den daraus resultierenden Freistoß zum Torerfolg. Den Ausgleich markierte Alexander Weber, der vom zu kurz geratenen Klärungsversuch der Brunauer nach der Ausführung des Freistoßes profitierte. Volley zog der Torschütze ab und erwischte den ansonsten starken Torhüter Dwenger auf dem falschen Fuß. Drei Brunauer versperrten zudem die Sicht des Keepers, dem damit nur Bruchteile eines Augenblickes als Reaktionszeit zur Verfügung standen.

Die Antwort gaben die Brunauer in beeindruckender Manier. Während die Ausgangssituation denkbar ungünstig zu jenem Zeitpunkt des Spiels zu sein schien und die Begegnung zu kippen drohte, erzielte Timmer nur fünf Minuten später die erneute Führung in Unterzahl. Vorlagengeber Maximilian Sieder prügelte den Ball per Freistoß regelrecht in Richtung des langen Pfosten. Dort stand Timmer blank und nutzte die Gunst der Stunde.

Zweiter Platzverweis wegen Rudelbildung

Spielerisch lief in Hälfte zwei nicht viel zusammen bei den Gastgebern, die mit Moral antworteten. Die Gäste taten sich in Überzahl schwer, da Brunau noch kompakter die Räume schloss. So musste erneut eine Standardsituation herhalten, um für Gefahr zu sorgen. Mechaus Kevin Baier schlug den Ball auf den eingewechselten Benjamin Gabriel, der per Kopf auf den am langen Pfosten positionierten Nütten verlängerte und am Ende der Verwertungskette erneut das Auge für den frei stehenden Benjamin Gabriel hatte. Gabriel ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und schob ein.

Beindorf setzt den Schlusspunkt

Das 2:2 bedeutete jede Menge Spannung in der Schlussphase. Für ein emotionales Finish sorgte Schiedsrichter Eisenschmidt mit seiner Entscheidung auf Handelfmeter. Aus kurzer Distanz flankte Cyris den Ball Richtung Sechzehner. Der Ball flog an die ausgestreckte Hand von Steffen Neubauer. Die Brunauer reklamierten ein Handspiel, welches Eisenschmidt aus seiner Perspektive nicht einsehen konnte. Nach Rücksprache mit Linienrichter und Assistent Hannes Serien, der eine hervorragende Sicht auf den Sachverhalt hatte, gab es die Gewissheit für Brunau. Eisenschmidt zeigte auf den Punkt und entschied sich für den Elfer. Der Strafstoß brachte den Gastgeber erneut in Führung. Das Glück des Tüchtigen belohnte Tim Beindorf (83.), der souverän vollstreckte.

In Unterzahl drehte der SVB in einem verrückten Spiel auf. Unrühmlich verabschiedete sich in der dritten Minute der Nachspielzeit Brunaus Felix Beindorf. Wegen Verursachung einer Rudelbildung zückte Eisenschmidt Gelb-rot und stellte damit einen weiteren Brunauer vom Platz. In einer hektischen und emotional aufgebrachten Begegnung, rettete die Pottas-Elf den knappen Vorsprung am Ende über die Zeit. Auf phänomenale Art und Weise, gewannen die Brunauer die Schlacht gegen die Eintracht mit 3:2.

Mechau-Trainer Gordon Mießner zeigte sich nach dem Schlusspfiff enttäuscht: „Wir waren leider nicht in der Lage, die Überzahl auszuspielen. Ein Unentschieden wäre verdient gewesen, aber wir haben am Ende ein Tor zu wenig gemacht.“ Trainer Sven Potas dagegen zeigte sich zufrieden: „Die Moral hat gepasst und den Rückstand haben wir gut weggesteckt. Trotz Unterzahl haben wir gut dagegen gehalten und unser Spiel durchgezogen. Der Wille war entscheidend für den Sieg. Wir sind gut mit der schwierigen Situation umgegangen und haben kaum einen Unterschied erkennen lassen, ob wir in Unterzahl spielen oder nicht.“

Statistik

SV Brunau: Dwenger - Siede, T. Beindorf, Rogge, N. Potas, Preuhs, Wilk, F. Beindorf, Timmer, Cyris (90. Kroth), Maluck (10. Tiedemann);

Eintracht Mechau: Boczek - Ollendorf, T. Neubauer, S. Neubauer, Baier, Scholze, Weber, Afanasew (84. Bertram), Ischenko, Nütten, Tesch (63. Gabriel);

Schiedsrichter: Guido Eisenschmidt;

Zuschauer: 72;

Tore: 1:0 Timmer (49.), 1:1 Weber (53.), 2:1 Timmer (58.), 2:2 Gabriel (65.), 3:2 T. Beindorf (83./HE);

Besondere Vorkommnisse: Preuhs (53. Gelb-Rot wegen wiederholtem Foulspiels), F. Beindorf (90. Gelb-Rot wegen unsportlichem Verhaltens).