Liesten l Torwart- und Bayern-Legende Oliver Kahn erarbeitete sich im Verlauf seiner Karriere den Spitznamen „Titan“. Doch nun rückt sogar ein aus echtem Titan bestehender altmärkischer Fußballer auf die Bildfläche. Nämlich Niels Bierstedt vom SV Liesten. Nach einem heftigen Zusammenprall beim Testspiel gegen den niedersächsischen Bezirksligisten TuS Bodenteich am 6. Juli mit Gäste-Torwart Dominik Schwerma führte kein Weg an einer Operation der rechten lädierten Schulter vorbei. Mit der Diagnose eines zweifachen Bänderrisses ließ sich der 27-Jährige in die Klinik nach Zerbst überweisen. „Mein Hausarzt legte mir nahe, mich dort operieren zu lassen. Dort ist man auf Schultereingriffe spezialisiert. Der Chefarzt der Klinik hat mich in einem zweistündigen Eingriff operiert“, erklärt der Fußballer.

Bierstedt muss drei Monate pausieren

Ein neues Operationsverfahren namens „Tight Rope“ wurde im Fall Bierstedt angewendet. Dabei bohren die Ärzte Löcher vom Schlüsselbein in das vorgesehene Schultergelenk. Mit zwei Seilen wird die Schulter in ihren Ausgangszustand gezogen und verknüpft. Damit das Gelenk an Stabilität gewinnt, setzen die Mediziner zwei Titanplatten am Ende der Operation ein. Diese dienen als Unterlegscheiben und liegen auf dem angebohrten Teil der Schulter.

Nun muss der ehrgeizige Stürmer mit dem Training aussetzen. An Sport ist nicht zu denken. Seinen Alltag samt aller Hürden meistert Bierstedt wie auf dem Spielfeld: mit Raffinesse und Technik: „Auto fahren geht mittlerweile wieder. Zum Glück fahre ich Automatik. Schalten funktioniert mit der Schulter nicht.“

Vor der Wiedereingliederung ins Berufsleben bleibt Bierstedt zunächst satte acht Wochen krank geschrieben. Auf den „Thomas Müller von Liesten“, wie Co-Trainer Christian Walter den Angreifer beschreibt, kommen viele Übungen zur Kräftigung der Muskeln zu. Stück für Stück will Bierstedt auf ein Ziel hinarbeiten: „Ich will trotz meiner rund dreimonatigen Pause spätestens zum letzten Spiel des Kalenderjahres auf dem Platz stehen, um mit meinem besten Freund zusammen zu spielen. Er wird beruflich bedingt mit seiner Familie nach Chemnitz ziehen. Dann werden wir uns nicht mehr so oft sehen können‘‘, erklärt Bierstedt sein auserkorenes Ziel.

Schwarze Katze bringt Stürmer zu Fall

Mit dem besten Freund ist Matthias Wiese gemeint. Bierstedt: ,,Gern würde ich schon im November wieder einsatzbereit sein, aber ich darf nicht zu früh anfangen. Das könnte mich zurückwerfen.“ Bis zum 14. Spieltag, der auf den 7. Dezember datiert ist, hat Bierstedt noch Zeit, um das Comeback mit Matthias Wiese auf dem Feld zu verwirklichen. Dann wartet der Osterburger FC im Auswärtsspiel auf die Liestener.

Bierstedt, der seiner Mannschaft das Zeug für den Aufstieg in die Landesliga zutraut, hatte bereits vor der erlittenen Verletzung gegen Bodenteich eine Vermutung bezüglich seiner Schulter. „Ungefähr fünf Tage vor dem Spiel gegen Bodenteich bin ich mit dem Fahrrad gefahren. Plötzlich kam aus einer Seitenstraße eine schwarze Katze direkt vor mein Rad gelaufen. Die Katze wollte die Straße überqueren, als ich mit ordentlichem Tempo unterwegs war“, erinnert sich der Stürmer. „Ruckartig betätigte ich die Hinterradbremse und überschlug mich. Beim Überschlagen fiel ich direkt auf die Schulter, die danach etwas schmerzte“, erzählt Niels Bierstedt. „Der Unfall ereignete sich allerdings an der linken Schulter. In dem Moment kam ich glimpflich davon, aber Abergläubische dürften sich bestätigt fühlen. Vielleicht sollte das auch ein Zeichen an mich sein“, mutmaßt der Fußballer.

In Zukunft will der ehrgeizige Stürmer wachsamer auf der Straße sowie im gegnerischen Strafraum agieren. Auch mit Titan in der rechten Schulter.