Gardelegen/Berge l Von der großen Bühne hat sich Thorsten Ebeling eigentlich schon längst verabschiedet. Wohlgemerkt „eigentlich“, denn der gebürtige Magdeburger, mittlerweile in Berge heimisch, befindet sich noch immer im Standby-Modus. Wird der Routinier gebraucht, springt er sofort ein und verleiht auch dem Landesklasse-Team der Gardelegener mit seiner Erfahrung noch frischen Wind. Hauptsächlich konzentriert sich der 43-Jährige aktuell neben seiner Familie jedoch vor allem auf seine Traineraufgabe bei den SSV-Frauen in der Regionalklasse Nord.

Ebeling hat eine bewegende und ebenso ereignisreiche Karriere hinter sich. Es grenzt fast an ein Wunder, dass der Wahl-Westaltmärker überhaupt noch alle Vereine aus dem Stegreif zusammen bekommt, bei denen er aktiv war. Um es vorweg zu nehmen: Es waren ganze sechs. Sein erster Klub war der TuS Magdeburg-Neustadt. In der Landeshauptstadt wuchs der Sportenthusiast auf und wurde vom Vater und Großvater früh mit auf die Sportplätze genommen. Kein Wunder also, dass Thorsten Ebeling schnell Gefallen am Spiel mit dem runden Leder fand. Als Zwölfjähriger spielte Ebeling beim TuS in der D-Jugend unter der Regie von Trainer Bernd Kotte auf der Position des Vorstoppers. „Ich war immer ziemlich schnell und konnte eigentlich auch ganz gut mit dem Ball umgehen“, beschreibt sich der heute 43-Jährige selbst. Der war in seiner Jugendzeit bei den Landeshauptstädtern unumstrittene Stammkraft und spielte mit ihnen durchgehend in der Verbandsliga. „Dort haben wir zudem immer weit oben mitgemischt“, erzählt Ebeling. Mit 15 Jahren wurde der Defensivakteur zweimal kurz hintereinander in seiner Heimatstadt zum Aufnahmetest an der Sportschule beordert. In beiden Fällen reichte es für ihn allerdings nicht ganz zum großen Sprung.

Laufbahn bei der Reserve des SSV fortgesetzt

Dennoch schlug Thorsten Ebeling einen sehr erfolgreichen Weg ein. Nach seiner Nachwuchszeit konnte er diesen allerdings erst einmal nicht fortsetzen, denn aus beruflichen Gründen legte Ebeling eine Pause ein. Die dauerte ganze acht Jahre, ehe der Landeshauptstädter zurückkehrte. Beim SSV 80 Gardelegen in der beschaulichen Westaltmark setzte er seine Laufbahn fort. Im Alter von 26 Jahren war Thorsten Ebeling durch seine heutige Ehefrau Patricia in die Rolandstadt gekommen. Die Füße juckten wieder, drum zog es Ebeling ab und an auf den Sportplatz, wo er sich Spiele des SSV vor Ort ansah. Wenig später meldete sich der heute 43-Jährige in der zweiten Männermannschaft des Vereins an und spielte mit ihr in der 2. Kreisklasse Süd um Punkte. Schon im darauffolgenden Sommer ging es für Thorsten Ebeling rauf in die Erstvertretung. Nach einem personellen Aderlass – gleich sechs wichtige Spieler wechselten nach Klötze – übernahm Ronald Krziwanie das Traineramt beim damaligen Kreisligisten, der auch Ebeling mit ins Boot holte. Der gebürtige Magdeburger („Ich wollte einfach nur Fußball spielen“) spielte beim SSV im Angriff. Nanu: Erst Verteidiger, nun Angreifer? Ja! Das klappte bei Ebeling auf Anhieb, denn gleich in seiner ersten Saison markierte der Techniker beachtliche 22 Treffer.

Das sprach sich natürlich schnell herum. Durch Hady Timme, der sich um neue Spieler für den Verein bemühte, wechselte Thorsten Ebeling nach nur einem Jahr zum SV Medizin Uchtspringe in die Ostaltmark. Bei den Medizinern in der Kreisoberliga fand Ebeling seinen Platz im zentralen Mittelfeld. Ganze viereinhalb Jahre blieb er in Uchtspringe, ehe es ihn zum VfB Klötze 07 zog. Die Purnitzstädter waren unter der Regie von Trainer Mario Förster in der Landesliga aktiv, stiegen aber noch in der gleichen Saison ab. Der Weg des Thorsten Ebeling führte nun zum TuS Schwarz-Weiß Bismark, ebenfalls in der Landesliga unterwegs. „Wir hatten damals eine richtig gute Truppe. Für mich gab es keine Chance, mich durchzusetzen“, erklärt der 43-Jährige. In der Aufstiegssaison zur Verbandsliga brachte Trainer Guido Euen Ebeling nicht ein einziges Mal zum Einsatz. So suchte der Ex-Magdeburger sein Heil fortan wieder in Gardelegen. In zwei Jahren beim SSV schaffte Thorsten Ebeling den ersehnten Aufstieg in die Landesklasse.

Mit über 30 wollte es der Wahl-Westaltmärker dann etwas ruhiger angehen lassen. Doch gänzlich Schluss machen, das ging einfach nicht. Da Ebeling mittlerweile mit seiner Familie nach Berge gezogen war, dort ein Haus gebaut hatte, setzte er seine Karriere beim ortsansässigen SV Eintracht in der 1. Kreisklasse fort. Dort glänzte der Kicker mit Leib und Seele mit „gefühlt 30 Vorlagen“ für Marco Schönfeld, der seinerzeit 56 Treffer in nur einer Saison erzielte. Nach vier Jahren in Berge war Thorsten Ebeling praktisch schon verabschiedet worden und wollte in den Ruhestand gehen. Doch nur ein Anruf aus Uchtspringe reichte, um ihn umzustimmen. Die Mediziner kämpften in der Kreisliga um ihre Existenz, Ebeling sollte und wollte helfen. Mit mittlerweile Ende 30 war der Berger noch zwei Spielserien in der Ostaltmark aktiv, bejubelte unter anderem den Aufstieg. Parallel dazu trainierte Thorsten Ebeling ab 2006 auch zunächst die D- und später die C-Jugend des SSV 80 Gardelegen, wo er zusammen mit seinem Sohn Pascal arbeitete. „Ich war zu dieser Zeit sechs Tage pro Woche auf dem Sportplatz. Das war für meine Familie nicht einfach“, denkt der 43-Jährige zurück. Der übernahm nur wenig später das Amt des Spielertrainers bei der zweiten Kreisliga-Männervertretung in Gardelegen, was ihm viel Spaß bereitete.

Als dann 2010 Dieter Förster seinen Trainerstuhl bei der ersten Mannschaft des SSV räumte und wenig später beim Rivalen FSV Heide Letzlingen anheuerte, rückte Thorsten Ebeling auf und übernahm die Landesklasse-Elf in der Rolandstadt. Bis 2014 hatte Ebeling dort das Sagen, ehe er nach durchaus erfolgreichen Jahren aus privaten und beruflichen Gründen das Amt zur Verfügung stellte. Dieses übernahm dann Norbert Scheinert, der mittlerweile in der zweiten Saison an der Seitenlinie steht. Kürzlich wurden die Personalsorgen im Team so groß, dass sich Scheinert gezwungen sah, Thorsten Ebeling zu „reaktivieren“. Der steht zwar nicht mehr im Training, erklärte sich aber bereit, im Punktspiel beim SV Krüden/Groß Garz (1:4) auszuhelfen. Und tatsächlich musste der Routinier bereits gegen Ende der ersten Halbzeit seine Trainingsjacke ausziehen und kam nach seiner frühen Einwechslung in der Zentrale zum Einsatz. „Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es bei mir mit ein wenig Training noch immer reichen würde. Es hat wirklich Spaß gemacht, die Bewegung tat mir sehr gut“, so das Fazit nach der deutlichen und unerwarteten Niederlage beim Kellerkind, die aber nicht am 43-Jährigen festzumachen ist. Der fühlt sich für die Altherren noch „zu fit“ und war daher schon lange nicht mehr für die SSV-Oldies im Einsatz. „Die Anstoßzeiten passen mir aber auch einfach nicht“, erklärt Ebeling. So kickt er lieber sporadisch bei den etwas Jüngeren mit. „Verändert hat sich nach meiner Zeit als Trainer das System. Ich persönlich bin nicht der größte Freund der Viererkette, doch bei uns funktioniert sie ja ganz ordentlich“, erklärt der Routinier.

Seit fast genau einem Jahr leitet Thorsten Ebeling die Geschicke der Frauenmannschaft des SSV 80 Gardelegen. „Mir liegt der Verein sehr am Herzen, er ist meine Heimat. Ihm zuliebe habe ich dieses Amt übernommen. Zudem wollte meine Vorgängerin Christina Strick auch gern wieder selbst spielen“, erklärt der Berger, der im Klub auch von der Jugendarbeit sehr angetan ist. „Vom Potenzial her können wir wohl jeder Mannschaft der Liga Paroli bieten. Doch die Truppe ist noch recht jung, wodurch sicherlich noch die Cleverness fehlt“, urteilt Ebeling, der in drei Schichten arbeitet und sich unterm Strich gern noch mehr Zeit für seine kleine Tochter nehmen würde. Der Coach hatte zwar keine großen Probleme, sich von Männer- auf Frauenfußball umzugewöhnen, doch es sei eben doch „etwas komplett anderes“. Der 43-Jährige wird von Alexander Meyer an der Seitenlinie unterstützt und kann mit der Entwicklung seiner Elf durchaus zufrieden sein. In der Regionalklasse Nord mischt sie in der oberen Tabellenhälfte mit. „Dennoch liegen wir noch hinter unseren Erwartungen“, wie Ebeling verrät.

Zufrieden mit Entwicklung der Frauenmannschaf

Ein Ultimatum, wie lange er selbst noch als Spieler oder Trainer aktiv sein möchte, hat sich Thorsten Ebeling nicht gesetzt. „Mittlerweile kommen so um die zehn Stunden pro Woche auf dem Sportplatz zusammen. Das waren schon mal wesentlich mehr“, berichtet der 43-Jährige, der sich nebenbei auch noch zum Teil um den Facebook-Auftritt des Vereins sowie im erweiterten Vorstand um die Bestellungen der einzelnen Teams kümmert. „Ich habe den Jungs scherzhaft gesagt, dass ich, solange ich keine 50 bin, noch kommen werde“, blickt Ebeling mit einem Schmunzeln auf seine aktive Laufbahn, die nebenbei wohl noch weiter laufen wird. Als Trainer wird der Wahl-Westaltmärker hingegen „von Saison zu Saison schauen“ und eben dann entscheiden, wie es weiter geht. Für den Verein wünscht sich der gebürtige Magdeburger zwei Dinge. „Zum einen hätte sich die erste Männermannschaft nun endlich mal den Aufstieg verdient, den ich Norbert Scheinert auf jeden Fall zutraue. Zum anderen würde ich mir wünschen, dass es finanziell noch ein klein wenig besser aussehen würde“, so der 43-Jährige. Ansonsten ist Thorsten Ebeling beim SSV 80 Gardelegen alles rechtens und man muss davon ausgehen, dass er ihm bis zu seinem Dahinscheiden auch die Treue hält – in welcher Form auch immer.