Letzlingen l Nach dem grandiosen Saisonauftakt in der internationalen deutschen Meisterschaft im brandenburgischen Hänchen (Cottbus) mit einem zweiten Gesamtplatz konnte nun das Punktesammeln für die beiden Letzlinger Gespannfahrer Eddie Janecke und Gordon Bothur vom MSC-Letzlingen weitergehen.

Und so kam dann - nach einem Ausflug zur Weltmeisterschaft nach Lommel (Belgien) mit einem hervorragenden 15. Platz die gefühlte englische Woche im Seitenwagen-Cross.

Der erste Start war der Deutsche Meisterschaftslauf in Dolle bei Colbitz am 28. April. Erwartungsgemäß fanden die Beiden eine Rennstrecke mit tiefem Sand, die sich durch Weitsichtigkeit einiger Organisatoren und deren unnötige und übermäßige Bewässerung in eine Schlammpiste verwandelte, vor.

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Aber was wäre Motocross ohne Schlamm? so gedacht machten sich die beiden Letzlinger auf ihrer MEGA-WSP unbedacht an den Start und erkämpften sich am Ende bei bestem Rennwetter einen achtungsvollen fünften Gesamtplatz mit vielen wichtigen Wertungspunkten.

Start in Lindford

Und wie immer ist nach dem Rennen vor dem Rennen. In diesem Fall waren nur zwei Tage Zeit, um das gesamte Equipment wieder auf Stand zu bringen. Nach eingelegter Nachtschicht ging es dann für das gesamte Team am 30. April in das 440 Kilometer entlegene Kamp Lindford (Nordrhein-Westfalen) zum vierten DM-Lauf am 1.Mai.

Das Streckenprofil dort war allerdings komplett anders, als noch drei Tage zuvor. Hier wartete Hartboden mit vielen kurzen Ecken und hohen weiten Sprüngen auf die beide altmärkischen Crosser. Die Starterliste las sich auf Grund der Nähe zu Holland und Belgien wie die einer Weltmeisterschaft.

Mit Etienne Bax, Davy Sanders und Petr Kolencik (Tschechien) waren gleich mehrere Top-Piloten am Start, die es galt in Schach zu halten. Und auch diese Aufgabe gelang den Heißspornen vom MSC Letzlingen sehr gut. Mit ihrem erkämpften siebten Gesamtplatz setzten sie nach zähem Kampf über zweimal 30 Minuten plus zwei Runden ein Achtungszeichen in Richtung Spitze.

Punkte sammeln das große Ziel

Wie war doch das Thema der englischen Woche? Punkte sammeln, und immer wieder Punkte sammeln. Denn der nächste Termin - Sonntag, der 5.Mai - saß Fahrern und Teammitgliedern bereits im Nacken.

Gerufen wurden die Seitenwagen-Cracks zum 5. Lauf der Deutschen Meisterschaft nach Geisleden ins Thüringer Eichsfeld. Dort angekommen, konnten sich die Akteure kaum auf den Füßen halten, denn sie waren nicht erschöpft, nur der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet und das gesamte Programm samt Regen und Schnee ergoss sich auf der Rennstrecke von Geisleden.

An ein freies Training war am Sonntag nicht zu denken. So konzentrierten sich die Jungs mit der Startnummer 23 auf das Pflichttraining, was dann auch mit Bravour absolviert wurde.

Der Wetterfrosch muss aber Seitenwagen-Cross-Fan sein, er ließ die Schleusen zu und die Hartbodenstrecke trocknete zum Start so ab, dass gute Rennverhältnisse herrschten.

Probleme im zweiten Lauf

Nach gutem erstem Lauf auf Platz fünf, versuchte sich in Lauf zwei die Defekthexe einzumischen. Auf Platz vier liegend erwischten Janecke/Bothur einen faustgroßen Stein von dem vor ihn fahrenden Fabian Hofmann (Schweiz), der den Kühlerverschluss abriss, so dass Kühlwasser austrat. Ja so ist eben Moto-Cross - also ab an die Box, den Verschluss mit Klebeband verschlossen und wieder ab auf die Bahn.

Was dann kam, ließ vielen den Atem stocken. „Wir wissen nicht, was die Techniker in der Box mit auf dem Weg gegeben haben. Einige Außenstehende meinten, sogar ein Messer zwischen den Zähnen gesehen zu haben“, war von Teammitglied Detlef Schumann zu hören.

Janecke ließ den MEGA nicht mehr von den Zügeln. Mit Bestzeiten jagten die beiden Ihr WSP-Gespann über den hakeligen Parcour von Geisleden und zeigten eine Aufholjagt aller Couleur. Am Ende des Tages reichte es immerhin zu einem zehnten Gesamtplatz.

Deutsche Meisterschaft im Blickfeld

Um Technik und auch Mannschaft etwas zu schonen, wurde auf die WM-Rennen in Tschechien und der Ukraine verzichtet. Konzentriert wurde sich jetzt auf das Punktesammeln in der Deutschen Meisterschaft - und das sollte sich auszahlen.

Am 26. Mai stand dann für alle der 6. DM-Meisterschaftslauf in Neiden bei Torgau an. Und wer die Strecke kennt, der weiß, die Jungs, die dort ihr Gespann an den Start bringen, spielen nicht im Buddelkasten, obwohl die Strecke große Ähnlichkeit aufweist.

Von den Strapazen der englischen Woche erholt, ging es bei sonnigem Wetter voll konzentriert an die ersten 30 Minuten plus zwei Runden. Die beiden Letzlinger ließen vom Start weg nichts anbrennen. Hinter Adrian Peter kam das Gespann mit Startnummer 23 als Zweiter ins Ziel.

Zweiter Lauf - wieder Vollgas am Seil und brennender Sonne von oben. Nach hartem aber fairem Kampf, konnten die beiden WSP-MEGA-Crosser im tiefen Sand von Neiden als Dritter die Zielflagge sehen. „Ja so ist das im Motorsport, Punkte sammeln und immer wieder Punkte sammeln“, bekräftigte Schumann nach dem Rennen.

Platz vier zur Halbzeit

Zur Halbzeit der Meisterschaftssaison liegen Janecke/Bothur vom MSC Letzlingen auf dem vierten Platz in der Tabelle - mit dem Blick nach oben.

Weiter sei noch der Ausritt in die Weltmeisterschaft erwähnt. Dort wollen sich die beiden Seitenwagencrosser natürlich auch zeigen und mit den Cracks der Weltelite messen. So ging es zum 7. WM-Lauf am 9. Juni in das 1770 Kilometer entfernte Kivioli nach Estland. Nach zweitägiger Anreise wurde man nicht nur von tausenden Mücken empfangen, sondern auch von einer der besten Rennstrecken Europas. Weltmeisterlich präpariert und mit Infrastruktur, die in Deutschland einesgleichen sucht.

Die beiden Letzlinger qualifizierten sich spontan unter den 40 gemeldeten Gespannen in ihrer Gruppe mit Platz acht im Quallirace am Samstag für die erste Startreihe. Das erste Rennen am Sonntag bei 30 Grad und Sonne hatte einiges zu bieten. Janecke/Bothur starteten aus der ersten Reihe auf einer Vollgas-Highspeed Strecke mit Sprüngen so hoch wie ein Einfamilienhaus und Kurven die im Vollgasdrift genommen werden, um den Anschluss nach vorn nicht zu verlieren.

Nach dem Start gab es für Janecke nur eins, Vollgas bis der Vergaser stöhnt.

Und so gab es nach Ende der schweißtreibenden Distanz für beide einen hervorragenden 13. Platz im WM-Lauf von Estland. Im zweiten Umlauf zeigte sich das gleiche Bild, jedoch hatten die beiden die Defekthexe an Bord ihres MEGA-Gespanns. Nach einigen Runden verlor der Motor an Leistung und die Crosser aus der Altmark aufgeben.

Viel Zeit bleibt nun nicht mehr, denn schon Ende Juni zieht die Karawane der Seitenwagen-Cracks vom MSC Letzlingen weiter. Und das wieder unter dem Motto: Punkte sammeln und immer wieder Punkte sammeln.

„Ein Dank an dieser Stelle an alle, die ihre Freizeit an den Wochenenden für diesen Sport opfern. Dank auch an alle, die an das Team 23 glauben und uns tatkräftig unterstützen“, so Schumann.