Mieste/Wolfsburg l Nachdem der Miester viele Jahre als solider Handballer bekannt war, ist der 37-Jährige mittlerweile auf ganz anderen Ebenen unterwegs. Mittlerweile hat der Westaltmärker bereits mehrere Marathonläufe auf dem Buckel und sogar noch höhere Ziele. Angefangen hat alles mit fünf oder sechs Kilometern, später ging es über zehn und 21 (Halbmarathon) bis hin zu 42 Kilometern (Marathon). Nachdem Patrick Müller seine Karriere als Handballer beendete, befasste er sich intensiv mit dem Laufsport. Diesen betreibt er seit mittlerweile drei Jahren und konnte sich auch mithilfe von Experten immer weiter steigern. Die Entwicklung soll aber, wenn es nach dem 37-Jährigen geht, noch lange nicht beendet sein.

Zunächst fühlte sich Müller jedoch im Mannschaftssport wohler und schloss sich mit sechs Jahren den Handball-Minis vom SV Chemie Mieste an. Unter Trainer Richard Gritzner kam Patrick zumeist als Kreisspieler zum Einsatz. Seinen bis dahin größten Erfolg feierte der Westaltmärker mit den B-Junioren des SV Oebisfelde, mit denen er in die Oberliga aufstieg. Anschließend war Patrick Müller zu Beginn seiner Herren-Zeit noch kurzzeitig für den MTV Vorsfelde in der Oberliga aktiv, ehe es ihn im Jahr 2000 wieder zurück zur SG Solpke/Mieste zog.

Torjäger in der zweiten Mannschaft

Dort gehörte er aber nur zum Anschlusskader und ging zumeist in der zweiten Mannschaft auf Torejagd. Das aber sehr erfolgreich, denn gleich mehrfach wurde Müller Torschützenkönig in der 1. Nordliga. „Ich habe jedes Jahr die Saisonvorbereitung in der Ersten mitgemacht, doch irgendwie hat es immer nicht ganz gereicht. Ich habe nur mal ausgeholfen“, berichtet der heute 37-Jährige. Endgültig den Sprung in die damals wie heute in der Verbandsliga beheimatete Erstvertretung schaffte er dann aber in der Spielzeit 2012/2013. Nachdem er zunächst „nur“ als Spieler vorgesehen war, übernahm er die Truppe ab der Rückrunde anstelle von Heiko Suske auch noch parallel als Trainer. „Ich wurde gefragt und war mir sicher, dass ich das kann“, blickt der Miester zurück.

Während er den HV Solpke/Mieste noch in der gleichen Saison vor dem Abstieg rettete, führte er ihn in der darauffolgenden Serie auf Rang fünf. Danach trennten sich die Wege dann aber, Patrick Müller arbeitete für ein halbes Jahr als Coach beim VfB 07 Klötze und führte die Mannen von der Purnitz als Nachfolger von Roger Nerlich zum Klassenerhalt in der 1. Nordliga. Parallel dazu half der Rückraumakteur auch noch sporadisch auf der Platte in der zweiten oder dritten Mannschaft des HV Solpke/Mieste aus, ehe er 2015 das Kapitel Handball endgültig abschloss.

Freund als Initatiator

Noch im gleichen Jahr begeisterte ihn sein guter Freund Jan Friedrichs vom Ausdauersport. „Er hat mich einfach mal mitgenommen, und wenn man einmal dabei ist, dann kommt man davon auch nicht mehr los“, packte den Miester direkt der Ehrgeiz. Gut 38 Minuten benötigte Patrick Müller bei seinem ersten Auftritt überhaupt beim Eizo-Itagaki-Lauf in Gardelegen über die Sechs-Kilometer-Distanz. „Diese Zeit schaffe ich mittlerweile schon des Öfteren über zehn Kilometer“, ist Müller stolz über seine Entwicklung. Während Patrick ab sofort oft in der Heimat seine Laufrunden drehte, besuchte er auch mehrfach in der Woche Fitnessstudios. „Ganz wichtig war und ist das Intervalltraining“, verrät der 37-Jährige.

Rat holte er sich im vergangenen Jahr zudem von einem Laufexperten in Hannover. „Auf dem Laufband haben wir genaue Analysen gemacht. Ich konnte mir meinen Laufstil im Fernsehen anschauen und habe ihn seitdem etwas verändert. Mittlerweile hat sich meine Schrittlänge um sechs Zentimeter verlängert“, berichtet der Westaltmärker. Allerdings betont er auch: „Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis ich die Fortschritte wirklich gemerkt habe.“ In diesem Jahr begann der Miester dann auch, seine ersten Marathons – den ersten davon übrigens in Tangermünde – zu absolvieren. Seine schnellste Zeit liegt bei gut dreieinhalb Stunden, was für einen Anfänger schon als sehr gut zu bewerten ist. Seinen schnellsten Halbmarathon absolvierte Patrick Müller hingegen in einer Stunde und 23 Minuten. Anfänglich lag er noch bei fast genau zwei Stunden. Doch auch auf etwas „kürzeren“ Distanzen probiert sich Patrick noch des Öfteren aus. So gewann er erst kürzlich zum zweiten Mal in Folge auf der Zehn-Kilometer-Strecke beim Immekather Lauf.

Worauf Müller aber besonders stolz ist: Mittlerweile ist er zu einem sogenannten Pacemaker-Läufer avanciert. Das heißt, dass er sich mit einem Rucksack und einer Fahne bewaffnet und anderen Läufern während der Wettbewerbe Tipps gibt. „Ich kannte eine Kollegin aus Hamburg, die mich gefragt hat, ob ich das machen würde, weil meine Zeiten ja mittlerweile schon recht gut waren. Ich finde, das ist eine echt coole Sache“, freut sich der Miester, der seine komplette Ausrüstung samt Schuhe gestellt bekommt, dessen Zeit aber nicht gewertet wird. Patrick ist nur eine Art Richtperson: „Ich helfe anderen Läufern, rede mit ihnen und unterstütze sie.“ Seinen ersten offiziellen Einsatz hat er am 7. Oktober in Köln.

Marathonlauf als Ziel

Selbst läuft der ehrgeizige Westaltmärker zumeist weit vorne in seiner Altersklasse mit. „Bei den Läufen der Elbe-Ohre-Cup-Serie werde ich meistens insgesamt Zweiter oder Dritter“, verrät er. Im Jahr kommen dann schon mal um die 40 Laufveranstaltungen zusammen. Doch der 37-Jährige träumt von größeren Aufgaben: „Mein Ziel ist es, irgendwann mal auf Jamaika, in Boston oder in Barcelona einen Marathon zu absolvieren.“

Selbst herausgefunden, was das Beste ist

Dreimal wöchentlich läuft Patrick Müller in der Regel. „Da kommen dann durchaus schon mal 80 bis 90 Kilometer pro Woche zusammen“, berichtet der Miester. Der trainiert fast ausschließlich in Wolfsburg, da er dort auch täglich im Fitnessstudio Krafttraining („Es ist ganz wichtig, die Muskulatur aufzubauen“) durchführt und seit März dieses Jahres bereits eigene Laufkurse für Anfänger und Fortgeschrittene anbietet. Im Winter schwimmt Müller gern und hält sich somit auch in der kalten Jahreszeit fit.

Gesundheit hat Priorität

Doch bei allem Training – pro Tag ist er gut anderthalb Stunden aktiv – achtet der Westaltmärker auch stark auf seine Gesundheit. So lässt er beim Hausarzt zweimal im Jahr ein Blutbild erstellen. „Generell habe ich selbst herausgefunden, was das Beste für mich ist – auch in Sachen Ernährung. Doch die Tests haben gezeigt, dass ich beispielsweise noch zu wenig Eiweiß zu mir nehme“, verrät Müller. Dennoch hat der ehemalige Handballer mittlerweile 28 Kilogramm Körpergewicht verloren. Bis zu dreimal im Monat probiert sich Patrick Müller auf einer Teststrecke von 30 Kilometern, für die er um die zwei Stunden benötigt.

Auch über einen Wiedereinstieg ins Handballgeschehen hat Müller bereits nachgedacht. „Es juckt ab und an noch in den Fingern. Ich hatte auch schon ein Angebot von den Vorsfelder Altherren“, verrät der Miester. Seinen Fokus legt er aber weiterhin hauptsächlich auf den Ausdauersport. Irgendwann wird sich Patrick wohl auch erstmalig einer Laufgruppe anschließen. Wichtiger für ihn ist es aber, seine Zehn-Kilometer-Zeit auf 35 Minuten oder weniger zu verbessern sowie auch mal einen 100-Kilometer-Lauf („Mal schauen, ob es dafür irgendwann mal reicht“) zu absolvieren. Man sieht: Patrick Müller wird zwar nicht jünger, dafür aber scheinbar sportlich immer ehrgeiziger.