Salzwedel l Der Kreissportbund verzeichnet einen Organsisierungsrand von über 18 Prozent zur Gesamtbevölkerung. Doch hin und wieder schaffen es die Athleten sogar auch in den Profibereich - so auch der Kloster Neuendorfer Triathlet Marcus Herbst.

„Kalle“ - wie Herbst von seinen Freunden und Mitstreitern gern genannt wird - ist einer der Top-Triathleten in Deutschland und erreichte internationel bereits einige vordere Platzierungen. Sport-redakteuer Thomas Koepke sprach mit dem Profi über seine Geschichte, sein Training in der Corona-Krise und seine weiteren sportlichen Pläne.

Volksstimme: Marcus, Sie sind ein sehr erfolgreicher Triathlet und mittlerweile auch im Profibereich angekommen. Was macht für Sie die Faszination Triathlon aus?

Marcus Herbst: Als ich mit 15 Jahren zum Triathlon kam, war es vor allem der Spaß an der Bewegung in der freien Natur und das ist bis heute so geblieben. Das Training ist unglaublich vielseitig, und man sich sich tagtäglich in verschiedenen Bereichen verbessern. Mein Traum ist es weiterhin, als Profi beim Ironman Hawaii eine Top-Ten-Platzierung zu erzielen, und daran halte ich fest. Mit meiner ersten internationalen Elite-WM 2018 auf der Ironman 70.3-Distanz habe ich mit einem 12. Platz gezeigt, dass dieser Traum auch möglich ist.

Wenn Sie eine Reihenfolge der drei Sportarten nach Ihrer eigenen Beliebtheit aufstellen müssten, wie sehe die aus und warum?

Normalerweise müsste man hier jetzt seine Stärken als erstes und seine Schwächen als letztes nennen. Es klingt so plakativ, aber ich möchte keine der drei Sportarten missen. Ich kann wirklich keinen Favoriten herauskristallisieren. Es gibt natürlich immer Phasen, da läuft es in der einen Disziplin besser und mal in der anderen.

Wie und wann hat für Sie das Abenteuer Triathlon eigentlich begonnen?

Begonnen hat es im Jahr 2003 im Alter von 15 Jahren in der Altmark. Ich war vorher schon im Laufbereich und der Leichtathletik beim PSV Gardelegen aktiv. Dieser Verein ermöglicht heute noch Jugendlichen, sich in ihrer Freizeit sportlich mit einem gewissen Leistungsanspruch weiterzuentwickeln. Da ich tagtäglich von meinem Heimatort Kloster Neuendorf mit dem Rad zur Schule fuhr, konnte ich neben dem Laufen auch ganz solide Radeln. Im Winter 2003 wurde ich dann beim Crossduathlon in Osterburg im Alter 15 Jahren Dritter bei den Männern. Eine Woche später kam der Anruf von Pit Krüger, und er fragte mich und meine Eltern, ob ich ab dem kommenden Schuljahr Triathlon auf dem Sportgymnasium in Halle betreiben möchte. Für mich war das damals eine sehr große Chance und großes Glück, dass sich alles so gefügt hat. Ohne den Wechsel nach Halle, wäre ich heute wahrscheinlich nicht der Mensch, der ich jetzt bin.

Vor einigen Jahren sind Sie ins Profigeschäft gewechselt. Was ist der Unterschied zu einem Amateur oder sogenannten Age-Grouper?

Man muss kurz sagen, ich habe in der Jugend den Sport natürlich auf Amateur-Niveau betrieben, aber bereits nach dem Schulende war ich semiprofessionell unterwegs. Ich bin in keinem Wettkampf jemals als Amateur gestartet und das wäre den anderen Teilnehmern gegenüber, die wirklich Amateure sind, auch ungerecht. Ich hatte mein ganzes Leben lang die Möglichkeit, den Sport als Leistungssport auszuüben. Geändert hat sich insofern nur, dass ich 2014 auf die Ironman und Halb-Ironman-Distanz gewechselt bin. In den ersten Jahren hatte ich ein paar Anlaufschwierigkeiten, aber seit 2017 konnte ich bisher international 14 Top-Fünf-Platzierung einfahren.

Was waren Ihre beiden bisherigen sportlichen Höhepunkte einmal als Amateur und zum anderen als Profisportler?

Meine Höhepunkte meiner sportlichen Laufbahn waren, der dritte Platz beim Ironman 70.3 in Schweden 2017, der zwölfte Platz bei der Ironman 70.3 WM 2018 in Südafrika und meine Bestzeit von 3:38 Stunden beim Ironman 70.3 in Bahrain 2019.

Das Material wird ja sicherlich gestellt im Profigeschäft. Aber wie sieht es mit der Pflege oder Wartung des Neos oder des Bikes aus? Erledigen Sie das noch selbst?

Das sind sehr schöne Vorstellungen, aber so einfach läuft es auch im Profigeschäft nicht. Natürlich kann man immer Material gestellt bekommen, aber es gibt Unterschiede bei den Marken, und so muss ich auch darauf achten, dass ich das bestmögliche Set-Up im Wettkampf habe, um keinen Nachteil gegenüber meinen Konkurrenten zu haben. Ich hatte in diesem Winter ein Angebot von einem Team aus Österreich, bei dem ich teilweise auf Leihbasis Material gestellt bekommen hätte. Zusammen mit meinem Trainer Daniel Fleckenstein und dem Vorstandsvorsitzenden der Triathlonfüchse Osterburg Kersten Friedrich und Ronald Schaffer haben wir überlegt, ob ich den Verein wechsle oder nicht. Ich wollte gerne weiter für Osterburg aktiv sein und zusammen mit deren Netzwerk haben wir es geschafft, mir ein Ähnliches oder wenn nicht sogar besseres Set-Up zu organisieren. Die Pflege übernehme ich meist selber, und wenn man da eigenständig tätig ist, dann weiß man auch, ob es klappt oder nicht.

Nun hat ja die Corona-Krise sportlich so ziemlich alles lahmgelegt. Wie sieht Ihr Training momentan aus?

Am Anfang der Krise hat es mich schon etwas härter getroffen, da ich gerade im Trainingslager in Spanien war und über Nacht entscheiden musste, so schnell wie möglich abzureisen und wieder nach Deutschland zurückzukommen. Dann hatte ich auch in den ersten Tagen einen kleinen Hänger von dem ganzen Stress, so dass ich nur nach Lust und Laune trainiert habe. Aber danach ging es eigentlich richtig gut vorwärts, und das strukturierte Training läuft bisher wieder sehr gut. Im März haben wir natürlich den Fokus ausschließlich auf das Laufen und Radfahren gelegt, da es nicht möglich war zu schwimmen. In der letzten Woche war ich einmal im See bei 12 Grad Wassertemperatur. Ich kann unter diesen Bedingungen so jetzt tagtäglich 30 Minuten Schwimmen ohne zu erfrieren und befinde mich seitdem wieder in einem umfassenden Triathlontraining.

Noch kann man also draußen ganz gut trainieren. Aber was machen Sie, sollten die Einschränkungen noch weiter verschärft werden?

Ich glaube, dass wir in Deutschland da bisher einen sehr guten Mittelweg gefunden haben und beschäftige mich nicht damit, dass die Maßnahmen drastischer werden sollten. Sollte dies so kommen, werde ich dann höchstwahrscheinlich langfristig in der Altmark anzufinden sein, weil dort gibt es immer noch Privatgelände, die nahezu vonn unendlicher Weite sind. Ich habe viel Kontakt mit französischen und spanischen Sportlern und das ist dort echt nochmal eine ganz andere Hausnummer. Wir können uns wirklich glücklich schätzen.

Und ab welcher Wassertemperatur würden Sie sich mit dem Neo in den See wagen und ein echtes Schwimmtraining absolvieren?

Wie bereits erwähnt richtiges Schwimmtraining von längerer Dauer würde ich ab 12 bis 17 Grad Celisus im Neoprenanzug für Jedermann empfehlen. Ich gehe jetzt schon immer für zirka 30 Minuten und zwei bis zweieinhalb Kilometer ins Wasser, dies ist aber nicht für jeden zu empfehlen. Mein Körper kommt sehr gut mit Kälte zurecht, das ist jetzt im April vielleicht ein kleiner Vorteil, aber da muss jeder für sich selbst das Optimum der Temperatur finden.

Viele Rennen sind bereits abgesagt, auch einige der ganz großen. Sind sie schon davon betroffen und wollten starten?

Absagen trudeln täglich neue herein, so dass ich mich damit überhaupt nicht mehr beschäftige. Jede Woche noch ein Rennen mehr oder weniger, dass stresst mich nur als Athlet. Wir werden alle bestimmt mindestens vier Wochen vorher wissen, ob ein Rennen stattfindet oder nicht, und da das Training ganz normal weiterläuft, sollten diese vier Wochen auch ausreichen, um sich mental auf die Herausforderungen eines Wettkampfes einzustellen.

Natürlich schauen alle Profis irgendwann in Richtung Kona und Hawaii. Kann die WM in diesem Jahr Ihrer Meinung nach überhaupt stattfinden, wenn bereits viele Quali-Rennen abgesagt wurden?

Ehrlicherweise bin ich der Meinung eines klaren ,Neins‘. Es gab neulich die Äußerung eines bekannten Triathleten, das Hawaii-Rennen eventuell als reines Profirennen zu veranstalten, das ist kompletter Nonsens. Wir Profis leben in unserem Sport nicht davon, dass tausende Zuschauer wie beim Fussball am Fernsehen sitzen und begeistert zuschauen, sondern davon, dass Profis und Amateure gemeinsam und gleichzeitig an den Start stehen und ein sportliches Ziel verfolgen. Die Athleten sind keine passiven Konsumenten, sondern wollen inspiriert und selbst sportlich aktiv werden. Deswegen ist meine Haltung relativ klar dazu. Sollten bis Ende Juli keine gewisse Anzahl an Qualifikationsrennen für Profis und Amateure stattfinden können, so muss man die Ironman-WM wohl leider für dieses Jahr aussetzen.

Wie sieht es mit dem Sponsoring in der Krise aus? Sind ihre Unterstützer da eher loyal, oder müssen Sie auch mit Rückzügen rechnen?

Klar, wir leben von Sponsoren und sind auf deren Unterstützung angewiesen. Bei mir setzen sich die Sponsoren aus Sportartikelherstellern und Unternehmen des Mittelstandes zusammen. Ich kann den Sponsoren natürlich auch als Athlet im Moment wenig bieten, außer hier dort mal Details über mein Training zu veröffentlichen, daher bin ich offen, mit den Partnern gemeinsame Lösungen zu finden. Erst einmal hoffe ich, dass alle Unternehmen, die mich unterstützen die Krise gut überstehen, so dass sie weiterhin ihre Wirtschaftskraft behalten. Im Großen und Ganzen kann ich aber glücklicherweise sagen, dass ich davon ausgehe, dass ich keine Rückzüge zu erwarten habe und dass mir meine Partner auch in Zukunft zur Seite stehen werden.

Wie sieht Ihre derzeitge Saisonplanung oder der Notfallplan für den Rest des Jahres aus? Gibt es da schon Gedanken oder Ziele?

Im Moment gibt es keine direkte Planung hinsichtlich Wettkampf-Ziele, sondern es ist alles auf Trainingsziele ausgerichtet. Aus Erfahrung weiß ich wie fit ich bin, wenn ich bestimmte Trainingseinheiten in bestimmten Leistungs-Leveln absolviere. Ich versuche dieses Level jetzt zu steigern und die Krise auch als eine Chance zu sehen, mich langfristig zu verbessern und noch eine Schippe darauf zu packen.

Haben Sie vielleicht noch Tipps oder Ratschläge hinsichtlich des Trainings für die vielen Amateur- oder Freizeit-Triathleten in der Altmark?

Die Altmark ist insgeheim der perfekte Trainingsort für Triathleten. Ich habe neulich erst eine Studie gelesen, in der festgehalten wurde, dass die Altmark pro Kopf die beste Ausstattung an Bädern und Freibädern in ganz Deutschland hat. Endloses Laufen in Wäldern und wenig befahrenen Straßen machen das Training ungefährlich und simpel. Als Tipp gilt vielleicht wirklich die Zeit und Bedingungen zu nutzen, denn viel Ablenkung hat man im ländlichen Raum nicht. Ich würde mir wünschen, dass das Ehrenamt für den Nachwuchs etwas Zuwachs erfährt. Die Jugendlichen und Kinder in der Region hätten so die Chance, einfach mit dem Sport in Berührung zu kommen und die Möglichkeiten sind gegeben.

Werden wir Sie irgendwann noch einmal hier in der Region in Arendsee, oder Wischer erleben dürfen? Und wenn ja, vielleicht sogar als Aktiver?

Geplant war es dieses Jahr in Arendsee auf der Mitteldistanz zu starten soweit vorher alles nach Plan verläuft. Ehrlicherweise werde ich international aber immer an den Ergebnissen bei großen Rennen gemessen, und so gilt es für mich, die Qualifikation für dem Ironman und auch die Ironman 70.3 WM sicher zu haben. Habe ich diese relativ früh im Jahr oder Saisonverlauf, so bin ich bei der weiteren Renngestaltung komplett offen. Ich werde aber definitiv in meiner Laufbahn als Profi in sehr guter Form in Arendseee am Start stehen, um der Region etwas zurückzugeben und den Triathlonsport noch stärker in der Altmark zu etablieren.