Schönebeck l Ausgerechnet Halle-Ammendorf. Einen größeren Brocken hätte Schönebeck zum Punktspielstart der Verbandsliga kaum erwischen können. Auf der einen Seite das Schwergewicht der Liga, der aktuelle Staffelsieger und Landesmeister, dessen letzte Punktspielniederlage aus dem Jahr 2017 datiert (4. November 0:1 in Elster). Auf der anderen Seite Union, das mit neuem Trainer und fast einem Dutzend Neuzugängen den Klassenerhalt als oberstes Saisonziel ausgerufen hat. Unterschiedlicher hätte die Ausgangslage beider Vereine also nicht sein können.

Neu-Coach Andreas Sommermeyer wusste deshalb vor dem Anpfiff, „wenn wir diesen Gegner knacken wollen, dann muss wirklich alles passen.“ Am Ende einer insgesamt einseitigen Begegnung stand Union mit leeren Händen da. Für viele nicht unerwartet.

Die Gastgeber starteten wie zu erwarten defensiv und in einer 5-3-2-Formation. Der BSV übernahm sofort die Regie, hatte viel Ballbesitz und sorgte schnell für Unruhe in der gegnerischen Hintermannschaft. Und nach nur zwölf Minuten lag der Ball im Schönebecker Tornetz. Ein Diagonalpass von Sachs hebelte die gesamte Abwehrkette des Gastgebers aus, Patrick Siegel kam zum Abschluss und traf zur Führung des Favoriten. In der Folge sahen die 76 Zuschauer im Sportforum zaghafte Vorstöße ihrer Mannschaft, doch Schönebeck leistete sich im Spielaufbau immer wieder leichte Ballverluste, die der BSV zu schnellen Tempogegenstößen nutzte. So führte die nächste Angriffswelle in der 28. Minute zum 0:2, als sich Schlussmann Stephan Pingel beim Hinauslaufen etwas zu unentschlossen zeigte und Tobias Cramer einen Lupfer von Zorn über Pingel hinweg aus Nahdistanz verwertete.

„Die Gegentore sind zu einfach gefallen“, ärgerte sich Sommermeyer. Seine Mannschaft schöpfte kurz vor dem Pausenpfiff aber neuen Mut. Christoph Irmscher, der im Abwehrzentrum eine gute Partie bot und seine Nebenleute lautstark dirigierte, war nach einer Ecke mit nach vorn geeilt. Von Mathias Rhode bedient, köpfte Irmscher sehenswert zum 1:2 ein und sorgte für neue Hoffnung in seinen Reihen.

Doch der BSV begann nicht zu wackeln, ließ sich durch das Gegentor nicht aus der Spur bringen. Den Einheimischen gelang es einfach nicht, den Gegner nennenswert unter Druck zu setzen. Es fehlten einfach die Mittel. Und so ließ Halle-Ammendorf auch nach dem Seitenwechsel Ball und Gegner laufen, hatte das Zepter fest in der Hand. Das 3:1 in der 62. Minute durch Sachs bedeutete bereits die Vorentscheidung. Zwar reagierte Sommermeyer mit einem Doppelwechsel (Schellbach /Staufenbiel) und ließ nichts unversucht, dem Spiel eine Wende zu geben, doch der BSV zeigte sich in der Spielführung zu dominant und ließ nichts anbrennen. Und während bei Union in der Schlussphase die Kräfte schwanden, setzte der Favorit noch einen drauf und schenkte den Schönebeckern in der 89. Minute das vierte Gegentor ein.

Trotz deutlicher Niederlage lobte Sommermeyer die Laufarbeit und die Einstellung seiner Spieler. „Es hat sich keiner aufgegeben. Alle haben vorbildlich gekämpft.“ Der Union-Trainer weiß aber auch: „Wir haben noch viel Luft nach oben.“

Schönebeck hat einen guten Saisonstart verpasst, aber nicht gänzlich verpatzt. Im Pokal in einer Woche beim Quedlinburger SV soll nun das erste Erfolgserlebnis her. Und das kann bekanntlich Flügel verleihen und Kräfte freisetzen, auch für den Liga-Alltag.