Calbe/Staßfurt l Es wurde kurz vor dem Spiel getuschelt auf der Staßfurter Bank. Während der Calbenser Coach Andreas Wiese Kaugummi kaute, an der Wasserflasche nippte und lässig mit dem Ball jonglierte, wirkten die Gäste vom HV Rot-Weiss etwas angespannt. Der Grund: Cosmin Tiganasu war noch nicht da. Der Co-Trainer coachte noch seine A-Jugend. Er reiste nach dem turbulenten 34:30-Sieg etwas später an. Doch so viel Aufregung, „nur“ weil der Co-Trainer fehlte? Nein.

Die Gäste hatten im Derby der Sachsen-Anhalt-Liga bei der TSG Calbe einen Plan. Tiganasu sollte trotz Rückenproblemen nach über einem Jahr Pause wieder spielen und die Abwehr verstärken. „Er hat das auch gut gemacht. Ich bin sehr dankbar“, sagte der Staßfurter Coach Sebastian Retting. Doch genützt hat es nicht viel. Das Derby ging mit 19:16 (11:7) an die TSG Calbe, die damit auch das zweite Saisonspiel gegen den HV Rot-Weiss Staßfurt gewinnt und sich an der Tabellenspitze weiter absetzt.

Hauptmanko: Chancenverwertung

Doch der Grund für die Pleite war bei Retting schnell gefunden: „Das Hauptmanko war die Chancenverwertung.“ 20 Fehlwürfe, davon sieben freie Versuche. So lautet die ernüchternde Statistik. „Wenn du so viele Chancen nicht machst, ist es schwer, beim Tabellenführer zu punkten. Es war sehr schade. Ein Sieg war drin, doch da hätten wir schon 20 Tore gebraucht.“

Bilder

Doch die Rot-Weissen bissen sich an der starken Abwehr der Gastgeber die Zähne aus. „Die Abwehr war mal wieder unser Prunkstück“, freute sich Wiese. „Wir haben uns wie ein Tabellenführer präsentiert und sind mannschaftlich geschlossen aufgetreten. Wir haben stark verteidigt und sind dann auch gut in das Konterspiel gekommen.“

Von Beginn an war es eine wahre Abwehrschlacht. Das erste Tor fiel erst nach knapp sieben Minuten. Sebastian Schliwa hielt zweimal stark für die Staßfurter, vorn scheiterten die Gäste durch Robert Reiske und Mario Meißner zweimal am Aluminium. Beide Defensivreihen brillierten, teilweise mit Blockwechseln. Die Kreiszuspiele wurden verhindert, es war immer eine Hand dazwischen. Weil die Calbenser aber offensiv über mehr Durchschlagskraft verfügten, bei den Staßfurtern war offensiv einzig Reiske (acht Tore) in Normalform, führte der Spitzenreiter 7:3 (17.). Dieses Vier-Tore-Polster rettete Calbe auch in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel bekam die beeindruckende und auf beiden Seiten lautstarke Kulisse eine kleine Aufholjagd zu sehen. Die Gäste kamen bis auf ein Tor heran (12:13, 42.). „Da hätte das Spiel kippen können“, wusste Retting. „Wir hatten auch zwei oder drei Chancen auf den Ausgleich, aber haben uns wieder zu viele Fehler geleistet und zu früh abgeschlossen.“

Auch Wiese hatte zu dieser Zeit etwas Bedenken: „Das war eine extrem harte Phase, doch wir haben gut darauf reagiert.“ Und zwar mit einem 4:0-Lauf zum 17:12 (49.). „Danach war Calbe wieder viel selbstbewusster“, beobachtete Retting. Das Spiel war gelaufen. Und die Gastgeber spielten es weiter souverän herunter. Bis zum Abpfiff, als die Köpfe bei den Staßfurtern hingen und die TSG in großen Jubel ausbrach. „Es war ein richtig geiles Spiel“, fasste es Wiese passend zusammen. „Hut ab auch vor den Staßfurtern. Sie haben gut gespielt, aber man merkt eben, dass Nils Hähnel fehlt.“

Calbe: Wiederhold, Betram - Walther (1), Fritz, Krause (1), Lück (4), Rätzel, Schwarz (4), Borzucki, Weiß (4), Sowa, Kralik (2), Illig (1), Reiske (2)

Staßfurt: Tuchen, Schliwa - Beinhoff, Reiske (8), Ernst (1), Retting (1), Jacobi (4), Vadaszi, Steinbrink, Spadt, Schöne, Postelt, Meißner (2)

Siebenmeter: Calbe 5/4 - Staßfurt 2/0 Zeitstrafen: Calbe 3 - Staßfurt 4