Mieste/Glinde l Auch in der größten Hektik behielt er die Nerven. Sechs Sekunden vor der Schlusssirene kassierte Philipp Giesemann durch Philipp Gürtler von der HSG Altmark West den Gegentreffer zum 25:25-Ausgleich. Doch der Torhüter vom Handball-Verbandsligisten Glinder HV „Eintracht“ hielt sich nicht mit großem Ärger auf. Er reagierte schnell und holte den Ball aus dem Netz. „Er hat geistesgegenwärtig den Ball sofort wieder nach vorne geschmissen“, lobte Trainer Peter Pysall seinen Keeper. Der sorgte durch seine Handlungsschnelligkeit für die rasche Fortsetzung des Spiels. Als die Glinder dann die „schnelle Mitte“, also die zügige Fortsetzung des Spiels durchführen wollten, foulte HSG-Mann Chris Krause im Mittelkreis. Er riss einen Glinder um. Die Unparteiischen reagierten sofort. Krause sah die Rote Karte und der GHV bekam noch einen Siebenmeter zugesprochen. Diesen verwandelte Michael Kreyenberg sicher zum 26:25 (13:10)-Sieg.

Tamtam in der Kabine

Was Kreyenberg in diesem Moment noch nicht wusste, das Tor war nicht nur entscheidend für den Sieg im Duell gegen den Tabellenzweiten, es öffnete dem GHV auch die Tür zur Sachsen-Anhalt-Liga. Der Staffelsieg in der Verbandsliga und damit auch der Aufstieg in die höchste Spielklasse des Landes sind dem Team von Peter Pysall nicht mehr zu nehmen. Grund waren die zeitgleichen Niederlagen der SG Seehausen gegen Lok Stendal und des Post SV Magdeburg gegen den HSV Haldensleben. Die Haldensleber sind damit das einzige Team der Nordstaffel, die nach Punkten theoretisch noch mit den Glindern gleichziehen können. Da der GHV den direkten Vergleich mit den Haldenslebern in Hin- und Rückspiel für sich entschieden haben, ist Platz eins für Glinde sicher. Als die anderen Ergebnisse durchsickerten, konnte somit gefeiert werden. „Die Handys haben nach dem Spiel natürlich geglüht. Die Jungs haben in der Kabine Tamtam gemacht und sich gefeiert. Wie man es so macht nach einem Auswärtssieg“, berichtete Peter Pysall. Der routinierte Übungsleiter selbst war jedoch nicht in Feierlaune. „Ich habe schon so viel erlebt und glaube immer erst daran, wenn rechnerisch gar nichts mehr möglich ist. Aber da es jetzt klar ist, sage ich natürlich ‚Glückwunsch‘ an die Mannschaft. Chapeau. Es ist die verdiente Krönung einer tollen Leistung“, sagte der Coach.

Weiter erfolgreich sein

Dennoch will Pysall natürlich auch die verbleibenden Spiele erfolgreich gestalten. Auch im nächsten Heimspiel gegen Post Magdeburg soll ein Sieg her. „Da wollen wir unseren Heimnimbus wahren und dann feiere ich auch mit“, verspricht Pysall.

Auch die Magdeburger sind ein Topteam der Liga, so wie auch die Westaltmärker. Gegen die kam Glinde gut ins Spiel, führte über weite Strecken der Partie. „Altmark West wollte natürlich nochmal alles versuchen. Wir haben das Spiel aber relativ gut unter Kontrolle gehabt. Am Ende war es dann ein spannender Krimi“, schilderte Pysall den Spielverlauf. Besonders auffällig waren dabei neben Torhüter Giesemann und Siegtorschütze Kreyenberg auch dessen sehr variabel spielender Bruder Max Kreyenberg und Oliver Kowaczeck, der als Rechtsaußen aushalf. Angeführt von diesem Quartett sicherte sich eine starke Glinder Mannschaft Sieg und Aufstieg.

Glinder HV „Eintracht“: Weiss, Giesemann – Bauer (3), Weingarte, Rosemeier, Max Kreyenberg (5), Kowaczeck (3), Kralik (2), Bartels, Tacke, Michael Kreyenberg (11), Herrmann (2).

Siebenmeter: HSG Altmark West 6/5 – Glinde 10/9

Zeitstrafen: HSG Altmark West 4 – Glinde 2

Rote Karten: Chris Krause (60., HSG, o.B.) – Kevin Tacke (52., Glinde, o.B.)