Schönebeck (hgu/kag) l Der gebürtige Schönebecker Holger Behrendt wurde in den 1970er-Jahren von Hermann Kulka, der heute Vorstandsvorsitzender beim SV Pädagogik Schönebeck ist, und Rainer Herbrich für den Turnsport der BSG Chemie Schönebeck entdeckt und trainiert. Sein überragendes Talent blieb nicht verborgen und eigentlich sollte der nächste Schritt der sportlichen Entwicklung zum Leistungszentrum Halle erfolgen. Doch hier waren die Leistungsjahrgänge schon abgeschlossen.

Sportliche Anfänge in Brandenburg

So begleiteten Hermann Kulka und TZ-Trainerin Christel Sanne den kleinen turnverrückten Jungen zum Aufnahmetermin nach Brandenburg (Potsdam). Er wurde gesichtet und knapp ein halbes Jahr später gehörte er zur Nachwuchselite an der Kinder- und Jugendsportschule (KJS) Brandenburg. Hier wurde er von Paul Müller trainiert.

Es folgte eine mehr als bemerkenswerte Sportlerkarriere, denn Behrendt wurde unter anderem von Bernd Jäger trainiert. Der Schönebecker turnte ab 1983 für den ASK Vorwärts Potsdam. Das war der nächste große Entwicklungsschritt zum Spitzenturner im nationalen und internationalen Turnsport.

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Behrendt überzeugt mit Weltneuheit

Er wurde acht Mal DDR-Meister und etliche Top-Platzierungen folgten. International sorgte er 1985 und 1986 für Aufsehen, als er bei Weltmeisterschaften und Europameisterschaften immer wieder im vorderen Feld landete, wie zum Beispiel die WM-Bronze-Medaille im Mannschaftsmehrkampf 1985 in Montreal oder auch der Bronzeplatz 1987 in Rotterdam am Reck und mit der Mannschaft.

Der absolute Höhepunkt seiner sportlichen Karriere waren dann die Olympischen Spiele 1988 in Seoul (Südkorea), als Behrendt eine komplette Medaillensammlung bestehend aus Gold, Silber und Bronze errang. Unvergessen sind dabei der Olympiasieg an den Ringen, aber auch der Bronzerang im Reckturnen. Für alle ein unvergessenes Erlebnis: Der gebürtige Schönebecker präsentierte im Finale eine technische Weltneuheit, als er am Reck ein Kopplungsmanöver zeigte, welches den Kovacs-Salto und den Deltschew-Salto verband. Die 15.000 Zuschauer in der Halle und die unzähligen Sportbegeisterten vor den TV-Geräten riss es nach dieser atemberaubenden Aktion regelrecht von den Sitzen und der kühne Flieger vom ASK Potsdam wurde für Kreativität und Courage mit der Bronzemedaille geehrt. Sein Trainer vor Ort, Reinhard Rückriem, jubelte zusammen mit dem tollen Turner ausgelassen auf der Gerätebühne.

Im Jahr 1989 beendete ein Achillessehnenriss bei einer Bodenübung die aktive Turnerkarriere des begabten Athleten abrupt. Doch glücklicherweise blieb der Turner seinem Sport als erfolgreicher Trainer erhalten und auch heute noch ist der 56-Jährige, der in Sacrow bei Potsdam lebt, in den Sporthallen der Turner aktiv. Im nächsten Jahr, bei der 160-Jahr-Feier von Union Schönebeck am 17. Juli, soll es dann ein großes Wiedersehen geben mit dem Virtuosen des Turnsportes aus der Elbestadt.