Schönebeck l  Um den Menschen, vor allem aber den Kindern, denen es nicht so gut geht, auch abseits des Weihnachtsfestes große Freude zu bereiten, rief Sebastian Schulz vor einigen Jahren das Team „Schulle & Friends“ ins Leben. Seitdem hat sich für ihn einiges geändert aber auch viel getan. Gemütlich mit Freunden in der Bar sitzen, dass ein oder andere Bierchen trinken und dabei über Gott und die Welt erzählen. Für Sebastian Schulz hatte diese Begegnung Auswirkungen auf sein gesamtes Leben. Als Gründer von „Schulle & Friends“ sammelt er Geld für die Mitteldeutsche Kinderkrebsforschung und unterstützt so junge Leute, die mit einem schweren Schicksal zu kämpfen haben. Wie genau das abläuft, wie seine Tage aussehen und was die Zukunft so alles bringen soll, erzählt Sebastian „Schulle“ Schulz im Interview mit der Volksstimme.

Volksstimme: Wann wurde das Projekt „Schulle & Friends“ konkret umgesetzt? Und vor allem, wie ist es entstanden?

Sebastian Schulz: Die Freizeitfussballmannschaft „Schulle & Friends“ gibt es seit Juni 2015, als wir beim Sportfest in Baalberge angetreten sind. Dort haben wir Platz fünf belegt. Der Grundgedanke bestand darin, mit Fussballfreunden aus dem Salzlandkreis die Sommer- und Winterpause sportlich zu überbrücken. Im Sommer 2017 reifte der Gedanke, etwas „besonderes“, etwas karitatives machen zu wollen bei einer gemütlichen Kneipenrunde mit Freunden.

Bilder

Aus einer „Schnapsidee“ wurde dann schnell ernst. Das erste Hallenturnier im November 2017 wurde zwar mit karitativem Hintergrund bestritten, aber es war noch kein Spendenempfänger ausgewählt. Dennoch kamen 127 Euro zusammen. Im Anschluss daran stieß ich auf das Sportlernetzwerk „SAMFORCITY“, welches Marius Sowislo, Aufstiegskapitän des 1. FC Magdeburg, als Gründer hat. Sowislo ist Botschafter der Mitteldeutschen Kinderkrebsforschung. Das war für uns wichtig, denn wir wollten ein regionales Projekt unterstützen. Im Februar 2018 erfolgte dann das persönliche Kennenlernen zwischen Sowislo und mir und der damit verbundenen Scheckübergabe in Höhe von 2500 Euro.

Wie kam der Kontakt zu den Promis zu stande? Wie wurde in der Folge das Netzwerk immer weiter ausgebaut?

Durch die Unterstützung von Marius Sowislo und dem Boom beim 1. FC Magdeburg hatten wir eine gute Grundlage für den nördlichen Bereich Sachsen-Anhalts und uns wurde unerwartet und unverhofft ein gewisser Kultstatus zugesprochen. Danach lernten wir bei der zweiten Scheckübergabe im August 2018 Dirk Dzemski vom SES Boxing in Maasdorf (bei Köthen) kennen. Dzemski spielte im folgenden Winter mehrere Hallenturniere für uns und brachte unter anderem Robert Stieglitz mit ins Boot. Seitdem kennt der eine den anderen und es kommen nach und nach andere dazu wie zum Beispiel Boxer Dominic Bösel, Ruderer Maximilian Planer, Rennfahrer Dominique Schaak, Leichtathlet Martin Wierig sowie die Fußballer Kevin Schlitte, Ivan Klasnic oder Ronny Nikol. Aber auch der Kontakt über die sozialen Medien ist ein wichtiger Faktor und zur Not funktioniert auch immer der direkte Weg im Vier-Augen-Gespräch.

Wer hilft bei der Organisation der Events?

Grundsätzlich helfen wir uns als Freunde gegenseitig. Weiterhin werden wir von Ronny Gigla und seinem Unternehmen Ronny Gigla Bau und der Familie Angermann aus dem Brutzelhaus in Bernburg seither begleitet. Weiterhin unterstützen uns Marius Sowislo und die Mitteldeutsche Kinderkrebsforschung wenn wir bei etwas Hilfe brauchen. Privat hält mir meine liebe Mama oft den Rücken frei.

Welche Auswirkungen hat das Projekt auf dein Leben? Gibt es Resonanz oder wirst du vielleicht sogar erkannt von Fremden?

Das private aber auch das sportliche Leben hat sich gravierend verändert. Es folgen viele Einladungen zu Veranstaltungen gerade im Bereich in und um Magdeburg. Durch die von uns dargelegte öffentliche Transparenz über unsere Facebook-Seite wurde ich sogar beim Essen in Magdeburg angesprochen ob ich nicht der von Facebook bin. Das war schon eine ungewöhnliche aber schöne Situation. Sportlich ist es so dass wir als „Schulle & Friends“ anfangs Turniere suchen mussten, an denen wir teilnehmen durften. Mittlerweile kommen Anfragen aus dem ganzen Bundesland Sachsen-Anhalt. Einigen muss ich mittlerweile leider auch Absagen erteilen.

Du spielst selbst, bist Schiedsrichter und beruflich tätig? Als was arbeitest du und wie bekommst du das alles unter einen Hut? Wie sieht dein Tages-, Wochen- und vielleicht sogar Monatsplan aus? Fällt im Vorfeld der Veranstaltungen der Schlaf aus?

Ich bin als gelernter Einzelhandelskaufmann als Warengruppenführer beziehungsweise Abteilungsleiter tätig. Für gewöhnlich arbeite ich täglich ab 5.30 Uhr bis 12 Uhr. Da ist am Nachmittag genug Zeit für organisatorische Dinge oder Training und auch das ein oder andere Mittagsschläfchen. Hinzu kommt, dass ich schon immer ein organisatorisches Händchen hatte. Seit 2015 darf ich auch die sportliche Organisation meines Vereins Eintracht Peißen leiten. Wichtig ist mir auch, hin und wieder einen guten Ausgleich zu finden. Dafür sind die Spaziergänge mit der mittlerweile an Krebs erkrankten Hündin noch immer wichtig. Auch Ausgehen mit Freunden ist elementar wichtig.

Vor kurzem habt ihr Kindern zu Weihnachten Geschenke überreicht und Ihnen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert? Was für ein Gefühl ist das? Wird man nachdenklich oder überwiegt doch die Freude, etwas Gutes getan zu haben?

Gemeinsam mit Boxweltmeister Dominic Bösel und Trainer Dirk Dzemski besuchten wir vor wenigen Tagen die Kinderkrebsstation in Halle. Unser ältester Spieler Ralf Zieger fungierte als Weihnachtsmann. Die Station versuchen wir mindestens zwei Mal im Jahr zu besuchen. Das ist meist an Weihnachten und Ostern oder Kindertag. Es ist und bleibt eine schöne Erfahrung. Das Lachen und die Freude der Kinder zu sehen ist schön. Traurig ist es allerdings zu wissen, dass die Kinder schwer krank sind. Die Wertschätzung auf das eigene Leben ist seither auch eine andere. Ich rege mich nicht mehr über banale Sachen auf, wie zum Beispiel einen geplatzten Autoreifen neulich. Das Bewusstsein, dass es wichtigere Dinge gibt und gesund zu sein, ist daher enorm gestiegen, hat mich persönlich reifen lassen. Am emotionalsten war die Begegnung mit meinem mittlerweile 13-jährigen Namensvetter Sebastian Schulz. Er kämpft auch ein Jahr nach dem Kennenlernen gegen den Krebs und war auch dieses Jahr wieder in stationärer Behandlung.

Wie viel Geld habt ihr bisher sammeln können?

Seit November 2017 konnten wir für die Mitteldeutsche Kinderkrebsforschung rund 22.000 Euro bewegen. Mittlerweile spenden auch Unternehmen und Privatpersonen, weil sie durch uns auf die Stiftung aufmerksam geworden sind. Das Besondere bei dieser Stiftung ist, dass jeder gespendete Euro vervier- oder sogar versechsfacht wird. Weiterhin konnten wird rund 1.500 Euro für den ASB Wünschewagen spenden. Auch der an einer seltenen Blutkrankheit leidende Elfjährige Max aus Plötzkau erhielt von uns eine Unterstützung im dreistelligen Bereich.

Welches Event war bisher dein persönliches Highlight?

Ende 2018 wurde ich bei meinem persönlichen Jahresabschluss-Turnier unter Freunden überrascht. Zwischen 40 und 50 Amateurfussballer aus dem Salzlandkreis sammelten rund 1000 Euro, die zur Finanzierung meines Führerscheins in Form eines Gutscheins dienten. Im April habe ich die Prüfung dann bestanden. Eine grandiose Geste meiner Freunde, die damit einfach auch Mal „Danke“ sagen wollten.

Welche Pläne gibt es für 2020?

Im privaten Umfeld wird und soll es Veränderungen geben. In Bezug auf „Schulle & Friends“ soll vor allem im südlichen Bereich Sachsen-Anhalts auf die Kinderkrebsforschung aufmerksam gemacht werden.