Staßfurt l Während auf der einen Seite die Mienen den kalten Außentemperaturen glichen, strahlten auf der anderen die Gesichter mit der Sonne um die Wette. Der SV 09 Staßfurt und Union 1861 Schönebeck lieferten sich am Sonnabend an einem sonnigen, aber kühlen Herbstnachmittag ein durchaus erwärmendes Landesliga-Derby. Dabei gelang den Gästen aus Schönebeck in letzter Sekunde der schmeichelhafte Ausgleichstreffer zum 2:2 (0:0)-Endstand.

Und wie schnell Glücksmomente die Seite wechseln können, erlebte vor allem Staßfurts Marc Burdack. In der letzten Minute der Nachspielzeit ausgewechselt, schritt Burdack an der Balustrade entlang, klatschte mit Trainer, Mitspielern und Fans ab. Er konnte sich schon gedanklich ausmalen, wo in der heimischen Vitrine die Auszeichnung zum Spieler der Partie ihren Platz finden könnte. Burdack hatte nämlich das Tor zum 1:0 von Matthias Lieder für den SV 09 vorbereitet und später das vermeintliche Siegtor zum 2:1 geköpft. Doch zum Matchwinner wurde er nicht. Denn Während Burdack noch die Honorationen der Staßfurter Anhänger entgegen nahm, zirkelte Schönebecks Mannschaftskapitän Mathias Rhode den letzten Eckball der Partie genau auf den Kopf von Christian Reineke, der zum umjubelten 2:2-Endstand einnickte (90.+3). Nach dieser Aktion wurde das Spiel dann gar nicht mehr angepfiffen.

„Diesen Nackenschlag müssen wir erstmal verdauen“, sagte Staßfurts Trainer Axel Quednow unmittelbar nach der Partie. Der Frust beim Neu-Coach, der das Amt erst vor gut zwei Wochen übernommen hatte, war nach seinem zweiten Spiel als verantwortlicher Coach deutlich sichtbar.

Und das zurecht. Denn nach einer höhepunktarmen ersten Hälfte, in der beide Teams kaum spannende Offensivaktionen auf den Rasen brachten, erwachte die Partie nach dem Seitenwechsel. Und das lag zunächst ausschließlich an den Staßfurtern. Die brachten nämlich gewaltig Schwung und vor allem Tormöglichkeiten mit aus der Kabine. „Wir haben in den ersten sieben Minuten fünf Chancen, machen aber kein Tor. Das müssen wir uns selber ankreiden“, so Axel Quednow. Die 09er ließen aber nicht locker und wurden nach 59 Minuten dafür mit Lieders 1:0 belohnt.

Maximilian Moye verpasste kurz darauf freistehend das 2:0. Schönebecks Torwart Stephan Pingel reagierte gut und warf nach dem anschließenden Eckball schnell ab, Georg Polczyk leitete ebenso zügig auf Fritz Weidemeier weiter, doch dieser schoss aus guter Position knapp am Kasten vorbei (65.). Es war die erste Union-Chance der Partie. Die zweite folgte erst in Minute 82, als der eingewechselte Erik Nordmann sich herrlich gegen zwei Staßfurter durchsetzte und zum 1:1 einschob. Druck machten aber weiterhin die Staßfurter und legten erneut vor. Nach einem Angriff über die rechte Seite brachte Matthias Lieder den Ball im zweiten Versuch gefährlich vor den Kasten.

Und während die gesamte Schönebecker Abwehr diesem Treiben staunend zuschaute, wuchtete Marc Burdack die Kugel aus kurzer Distanz in die Maschen (87.) und sorgte für großen Jubel beim Gastgeber. Da Reineke in der Nachspielzeit dann aber, wie erwähnt, an diesem Tag zum zweiten Mal einen Ball aufs Tor brachte, wurden dann doch die Punkte geteilt. Schönebecks Trainer Thomas Sauer wusste den Punktgewinn danach gut einzuordnen.

Staßfurt dem Sieg näher

„Staßfurt war dem Sieg näher als wir. Vor allem in der zweiten Halbzeit. Wir haben uns den Punkt erkämpft, weil wir Spieler wir Stephan Pingel, Erik Nordmann und Lucas Michaelis haben, die sich zur Verfügung gestellt haben, obwohl sie eigentlich krank oder angeschlagen nicht unbedingt hätten auflaufen wollen. Christian Wagner gehört auch dazu. Der ist so erkältet, dass ihm nicht einmal Bier schmeckt. Das kennen wir gar nicht von ihm“, fügte Sauer mit einem herzlichen Lachen an und war mit dem Punktgewinn folgerichtig recht zufrieden. Obwohl er auch gesehen hatte, was im Union-Spiel nicht funktionierte: „Wir waren auf den zentralen Positionen heute nicht richtig da und hatten ein schlechtes Umkehrspiel, haben die Abwehr so zu oft allein gelassen“, analysierte der Schönebecker Coach. In der Chancenverwertung war Union indes aber eiskalt. Ein Attribut, was den Staßfurtern abging und ihnen damit den Sieg verwehrte. „Das Chancenverhältnis war gefühlt 12:2 für uns. Insofern weiß Schönebeck glaube ich nicht so richtig, warum sie hier den Punkt mitnehmen“, ärgerte sich unterdessen Staßfurts Coach Axel Quednow über die Punkteteilung. Der couragierte Auftritt seiner Mannschaft, vor allem in Halbzeit zwei, sollte den Trainer und auch die Anhänger des SV 09 jedoch für die kommenden Aufgaben optimistisch stimmen.

SV 09 Staßfurt: Dave Nöpel, Maximilian Moye (75. Toni Härtge), Steven Stachowski, Tom Krüger, Felix Jesse, Matthias Lieder, Marc Burdack (90. Mathias Nagel), Tim Fabian Kaufmann, Chris Matthias Horstmann, Evgeni Denisenko (81. Markus Kasties), Matthias Härtl

Union 1861 Schönebeck: Stephan Pingel, Aaron Schäfer, Denny Klepel, Christian Reineke, Justin Dehnecke (73. Christian Wagner), Georg Polczyk, Lucas Michaelis, Fritz Weidemeier (73. Alexander Baumgarten), Dmitrijs Poliscuks, Mathias Rhode, Bastian Jesse (87. Erik Nordmann)

Schiedsrichter: Tobias Menzel (Magdeburg) Zuschauer: 75

Tore: 1:0 Matthias Lieder (59.), 1:1 Erik Nordmann (82.), 2:1 Marc Burdack (87.), 2:2 Christian Reineke (90.+3)