Staßfurt l Etwas gedankenverloren trottete er nach dem Abpfiff über den Platz. Eine Anspannung von 90 Minuten Dauer hatte sich gerade gelöst bei Aaron Zöger. Während sich die anderen Spieler des SV 09 Staßfurt gratulierten, immerhin hatten sie am Wochenende nur sehr knapp mit 0:1 gegen den Viertligisten VfB Germania Halberstadt verloren, stand der 19-Jährige zunächst etwas schüchtern daneben. Es dauerte aber nicht lange, dann waren Spieler, Betreuer, Trainer und Fans auch bei ihm. Und hatten jede Menge Glückwünsche im Gepäck.

„Es kamen schon mehr Leute als sonst zu mir und sagten, dass ich ein gutes Spiel gemacht habe“, freute sich Zöger, hielt damit aber auch ein paar Tage später noch etwas hinter dem Berg. „Das gibt schon Selbstvertrauen.“ Doch was war eigentlich passiert?

In der zweiten Runde des Sachsen-Anhalt-Pokals bekam der Landesligist SV 09 Staßfurt das große Los. Nicht das ganz große, aber immer das des Viertligisten aus dem Harz. In der Woche vor dem Zweitrunden-Duell kribbelte es dann immer mehr in Staßfurt. Coach Jens Liensdorf weilte zwar im Urlaub, feilte aber dennoch an einer Taktik für das Spiel. Er wusste, dass nach dem schlechten Punktspiel zuvor (1:4 gegen den MSV Börde) etwas passieren musste. Und auch er taktisch zum Reagieren gezwungen war. „Es war logisch, dass wir nach dem Spiel zuvor etwas verändern mussten“, so der Trainer, dem dann verschiedene Ideen im Kopf schwirrten.

Ein rigoroser Zweikämpfer ohne Angst

Fünferkette? Nein, das wollte er nicht. Die Wahl fiel dann doch recht schnell auf ein 4-1-4-1-System. Ein Stürmer weg, ein Sechser dazu. Ein „Staubsauger“ vor der Abwehr, wie Liensdorf es sagt. Und genau für diese Position hatte er direkt Aaron Zöger im Blick. „Er geht in Zweikämpfen rigoros zur Sache und hat keine Angst. Deshalb war er der Richtige für die Rolle.“

Ein Einzelgespräch gab es dann aber nicht, um den Mann aus der eigenen Jugend mitzuteilen, dass er sein zweites Spiel in dieser Saison von Beginn an gegen einen Regionalligisten absolvieren wird. Auf der Mannschaftssitzung beim Abschlusstraining setzte er sein Team in Kenntnis. Und was waren Zögers Gedanken? „Ich habe mich natürlich sehr gefreut und überhaupt nicht damit gerechnet. Dann habe ich mir aber gleich gedacht, dass Halberstadt ja ein ganz schöner Brocken ist.“

Bis zum Anpfiff am Sonnabend wuchs seine Nervosität ständig. Es war einfach eine ganz andere Kulisse im Stadion der Einheit. 337 Zuschauer. Einlaufkinder. Gästefans mit Pauken und Trompeten. „Ich war mehr angespannt als sonst“, gab Zöger zu. Als die Partie dann lief, war er „ein bisschen nervös wie immer“. Es gab aber auch Hilfe von Mitspielern. „Die Leute um mich herum haben mir gut zugeredet und Hinweise gegeben“, meinte er vor allem Maximilian Moye und Dustin Abresche. „Das hat mir sehr geholfen.“ Und dann kristallisierte sich auch schnell heraus, dass es im 4-1-4-1-System sehr gut lief für den SV 09. Bis auf den Sonntagsschuss von Batikan Yilmaz (13.), der letztlich auch zum 1:0-Endstand reichte, ließ der Landesligist nicht viel zu.

Für die Mannschaft aufgeopfert

Und zur guten Defensive trug eben auch Zöger bei. Als Staubsauger. Der entgegen dem Haushaltsgerät sehr leise war. Anweisungen gab er logischerweise keine. Aufgefallen ist er auch kaum. Was auf dieser Position aber nicht negativ ist. „In dieser Rolle kann man auch nicht groß auffallen“, weiß Liensdorf. „Er hat sich aufgeopfert für die Mannschaft und seine Aufgaben im Defensivbereich gut gelöst. Er war auch ein Faktor dafür, dass es so gut lief in der Abwehr.“

90 Minuten und einige gewonnene Zweikämpfe und abgefangene Pässe später durfte sich der Staßfurter, der aktuell seinen Bundesfreiwilligendienst in einem Kindergarten absolviert, zurecht über viel Lob freuen. Ist das nun seine neue Lieblingsposition? Nein, die hat er nicht. Aber schon in der Jugend, die er komplett beim SV 09 durchlaufen hat, spielte er im defensiven Mittelfeld. „Jens wusste das“, sagt Zöger und freut sich über das Vertrauen: „Er gibt uns jungen Spielern viele Chancen. Aber die muss man auch nutzen.“

Einsatz mit Leistung gerechtfertigt

Was Zöger tat. „Egal, ob ein Spieler 19 oder 39 ist, die Leistung zählt“, macht Liensdorf klar, unterstreicht aber gleichzeitig die Philosophie des SV 09, auf die Jugend zu setzen: „Meine Aufgabe ist es, den jungen Spielern Chancen zu geben, wenn sie es sich verdient haben. Und eben nicht erst als Einwechsler, wenn wir 3:0 führen.“

Von der Umstellung profitierten also beide Seiten. Ob das nun auch für den Ligabetrieb eine Option ist? Immerhin ist Liensdorf mit den bislang elf Gegentoren in acht Spielen nicht zufrieden. „Wir werden uns im Trainerteam zusammensetzen und das ins Auge fassen. Wir brauchen mehr Stabilität. Für den einen Stürmer wird es dann natürlich eine Hängepartie, weil ihm die Unterstützung fehlt. Aber am Ende zählen die Ergebnisse.“

Aaron Zöger würde es ohne Zweifel gefallen, künftig öfter in der Startelf zu stehen. „Ich würde gern noch viele Siege mit dem Team feiern“, formuliert er seine sportlichen Zukunftspläne verhalten. Was ja gewissermaßen zu ihm passt.