Staßfurt l „Gib mal bitte den anderen Ball“, rief Dustin Abresche einem Zuschauer zu, der ihm die Kugel für den Eckball zuwarf. Es lief die dritte Minute der Nachspielzeit und Abresche lag mit seinem SV 09 Staßfurt 2:3 hinten im Topspiel der Landesliga Nord gegen den SSV Gardelegen. Doch für den Standard musste es eben eine besondere „Pille“ sein. Der Mittelfeldmann blickte kurz noch einmal hoch und erkannte den eingewechselten Steven Stachowski am langen Pfosten. Dann hatte er nur noch Augen für den Ball, diesen besonderen Ball, den er perfekt traf. Und der über alle Gegenspieler hinweg segelte. Und an den Stachowski zum 3:3 letztlich nur noch seinen Fuß halten musste.

Der Jubel war riesig beim SV 09. Denn es gab nicht nur wie gegen Warnau am ersten Spieltag einen Last-Minute-Treffer zu bestaunen. Nein, die Gastgeber lagen sogar schon mit 0:3 hinten und holten diesen Rückstand gegen keinen geringeren als den Landesliga-Spitzenreiter auf. „Moralisch stehen wir als Sieger da. Wir haben wieder mal gezeigt, was man mit einem großem Willen erreichen kann“, schätzte der Staßfurter Coach Jens Liensdorf glücklich ein.

Natürlich ist das aber nur eine Seite der Medaille. Denn in der ersten Halbzeit spielten die 09er schlecht. Die Gäste hatten die besseren Ideen und gingen verdient mit einer 2:0-Führung in die Pause. „Das war typisch für uns in Topspielen. Wir hatten keinen Mut und zu viel Angst, Fehler zu machen“, ärgerte sich Liensdorf.

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Doch wer die Arbeit des Trainers kennt, weiß, warum seine 09er als eines der moralisch stärksten Teams der Liga gelten. „Ich hab noch dran geglaubt, dass etwas drin ist und das den Jungs in der Pause gesagt“, so Liensdorf, für den es zwei Varianten gab: „Entweder wir hätten sechs Dinger bekommen oder aufgeholt.“

Und es sah tatsächlich erst nach Variante eins aus, denn der SSV erhöhte durch das zweite Tor von Simon Bache auf 3:0 (59.). Doch mit dem Treffer zum 1:3 durch Lukas Möller nur sechs Minuten später bekamen die Platzherren die zweite Luft. Spätestens nach dem 2:3-Anschlusstreffer von Matthias Härtl, der aus dem Gewühl heraus aus kurzer Distanz seinen achten Saisontreffer markierte, hofften das Team und auch die Fans wieder auf zumindest einen Zähler. Und genau dieser wurde eben mit einer der letzten Aktionen des Spiels eingetütet.

„Nach dem Verlauf und vor allem der ersten Halbzeit können wir mit dem Punkt zufrieden sein. In der ersten Hälfte waren die Gardelegener besser, in der zweiten wir. Es war ein gerechtes Unentschieden“, fasste der 09-Trainer zusammen. Und auch zum Thema Ball klärte er auf: „Das ist wie im Tennis, da hat eben auch jeder seinen Lieblingsball.“

SV 09: Janich - Abresche, Moye, Härtl, Lieder (80. Stachowski), Denisenko (46. Jesse), Pusch, Möller, Mähnert (54. Zöger), Härtge, Burdack

Tore: 0:1 Sascha Gütte (7.), 0:2, 0:3 Simon Bache (29., 59.), 1:3 Lukas Möller (65.), 2:3 Matthias Härtl (73.), 3:3 Steven Stachowski (90.+3), SR: Marcel Hosenthien (Magdeburg), ZS: 99