Salzlandkreis (mjc/vs) l In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hat das jeweilige Landeskabinett auf die aktuell geltenden Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz zum Umgang mit der Corona-Pandemie reagiert und Anpassungen der Corona-Verordnung erlassen. So dürfen in Berlin auch weiterhin Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren in festen Gruppen im Freien gemeinsam Sport treiben. Mecklenburg-Vorpommern hat Jugendlichen unter 18 Jahren – bei der Einhaltung aller Hygienemaßnahmen – gestattet, weiterhin den Trainingsbetrieb aufrechtzuerhalten.

Für Sachsen-Anhalt gibt es entsprechend gelockerte Regelungen bisher nicht. Geht es nach dem Willen von Thomas Schulze, Vorsitzender des Jugendausschusses beim Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA), soll sich das ändern. „Sportvereine und Verbände müssen sich stark machen für unseren Nachwuchs. Auch in der Corona-Zeit hat der Sport seine gesellschaftliche und gesundheitsfördernde Aufgabe nicht einzustellen und besonders betrifft es hier unsere Kinder. Schule, Freunde, Freizeit, Verein – alles wird eingeschränkt, bisweilen komplett eingestellt. Erwachsene können sich damit vielleicht noch arrangieren, unsere Kinder nicht, denn sie verstehen es zum großen Teil gar nicht. Unsere Aufgabe ist es, gemeinsam mit der Politik und dem Gesundheitswesen Wege zu finden, die zumindest einen Trainingsbetrieb für unsere jüngsten Altersklassen zulässt. Ich denke, die Vereine in Sachsen-Anhalt haben in der Vergangenheit mit ihren Hygienekonzepten bewiesen, dass von ihnen nicht die exponentiellen Zahlen der Coronavirus Verbreitung ausgehen“, so Schulze.

Generell wäre es für Thomas Schulze ein sehr wichtiges Signal an alle Altersklassen, diese nicht vom Sport auszuschließen. Schon jetzt herrscht in Sachsen-Anhalt ein Rückgang der aktiven Mitglieder im Nachwuchsbereich. Eine erneute Pause könnte diesbezüglich verheerende Folgen haben.

„Die Bewegung bei unseren jüngsten Sportlern gehört zu den elementar wichtigsten Eigenschaften für eine kindgerechte Entwicklung. Viele Sportvereine, und ich beziehe mich nicht nur auf den Fußball, in Sachsen-Anhalt, sorgen hier mit ihren vielfältigsten Angeboten und gemeinsam mit Übungsleitern, Trainern, Vereinsverantwortlichen und Eltern für Spaß, Gesundheit, Abwechslung und Wohlergehen. Die Kinder kommen gerne in die Sportvereine und sie lernen hier ein soziales Miteinander, Freude, Anerkennung und Gemeinschaft. Gerade unter den jetzigen Verordnungen dürfen unsere Kinder am wenigsten leiden“, weiß Schulze um die Wichtigkeit des Sport für Heranwachsende. Deshalb fordert Schulze, die Gremien des FSA, die politischen Entscheidungsträger sowie die Verantwortlichen in den Gesundheitsämtern dazu auf, sich um eine Ausnahmeregelung für die Jüngsten zu bemühen.

Kinder sind nach den bisherigen Erkenntnissen nicht hauptsächlich mitverantwortlich für die in den vergangenen Wochen rasant steigenden Corona-Fallzahlen. Medizinische Studien liefern auch keine Hinweise darauf, dass Kinder als die Hauptüberträger des Coranavirus einzustufen sind. Die Pandemie habe jedoch große Auswirkungen auf die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft: „Sie sind es, die besonders jetzt unsere Zuwendungen brauchen. Sie sind es, die in den Vereinen unter Aufsicht Sport machen sollten. Sie sind es, für die unsere Vereine in den letzten Monaten Hygienekonzepte erstellt haben und sie sind es, die psychisch und physisch unseren Vereinssport am meisten brauchen“, meint Schulze und hofft auf ein Umdenken in der Landespolitik Sachsen-Anhalts.

Sollte es keine Abkehr seitens der Politik geben, so droht den Kindern und Jugendlichen eine fußballfreie Zeit von November bis mindestens März, da bereits jetzt alle Hallenmeisterschaften in Sachsen-Anhalt abgesagt sind und es aktuell höchst fraglich scheint, dass es im kommenden Winter Trainingszeiten unter dem Hallendach geben wird.

Frank Krella, Präsident der Fußball-Kreisfachverbandes im Salzlandkreis steht den Äußerungen Thomas Schulzes positiv gegenüber: „Ich finde das gut. Wenn man die Hygienevorschriften einhält, sollte doch nichts dagegensprechen. Die Kinder müssen ja auch beschäftigt werden, sie verlieren sonst das Interesse“, sagt der Präsident.

Als Argument für einen Trainingsbetrieb trotz der Corona-Gefahren führt Frank Krella auch die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown im Frühjahr an. Im Salzlandkreis habe man in den Vereinen diesbezüglich gute Arbeit geleistet. „Die Hygienekonzepte wurden im großen und ganzen gut umgesetzt. Man hat lediglich gemerkt, dass im Laufe der Zeit hier und da ein wenig die Gewissenhaftigkeit fehlte“, macht Krella nur eine kleine Einschränkung. „Wir sind mit Mike Klein aber auch gut aufgestellt gewesen. Er hat viele Sportstätten besucht und bei Problemen auch entsprechende Hinweise gegeben“, lobt der Präsident das Vorgehen des Spielausschuss-Vorsitzenden.

Und noch etwas spricht laut Krella für eine Freigabe des Trainingsbetriebs im Nachwuchsbereich: „Mir ist im Zusammenhang damit kein Corona-Hotspot bekannt“, so Krella abschließend.