Staßfurt l Schon ein Blick auf die nackten Zahlen verdeutlicht, wie positiv die Hinrunde in der Landesliga Nord für den SV 09 Staßfurt gelaufen. Der Tabellenzweite des Vorjahres holte in der ersten Saisonhälfte 2018/19 ganze 38 Zähler. Und damit gleich zwölf Punkte mehr, als zur Winterpause der Vorsaison, die der SV 09 immerhin auch mit dem Fast-Aufstieg beendete. 2019 kürten sich die 09er sogar vorzeitig zum Herbstmeister. „Wir können sehr zufrieden sein“, zieht Coach Jens Liensdorf eine positive Bilanz. „Nach der Vorsaison haben nicht viele damit gerechnet, dass wir wieder so eine positive Serie spielen.“

Doch die Staßfurter belehrten den Kritikern eines Besseren. Auch, wenn es laut dem Coach „insgesamt etwas holprig“ lief. Damit meint er vor allem den Saisonstart, der von zahlreichen Ausfällen geprägt war. „Wir sind gar nicht in den Rhythmus gekommen. Es war keine perfekte Hinrunde. Es war auch sehr oft Glück dabei.“

Das zeigte sich schon in den ersten Spielen. Mit Ach und Krach retteten die Staßfurter ein 0:0 beim SV Irxleben über die Zeit, im Heimspiel gegen Warnau siegten sie nur knapp mit 4:3. Zwei Wochen später kam es dann zu einem kuriosen Spiel in Blankenburg. „Da hätten wir schon 0:4 zurückliegen müssen“, erinnert sich der Coach zurück. Doch was stand am Ende auf der Anzeigetafel? Ein 1:0 für den SV 09. Neun Spiele haben die Bodestädter mit nur einem einzigen Tor Unterschied gewonnen. Auch wenn die Punktzahl vermuten lässt, der SV 09 sei durch die Nord-Staffel marschiert, so war es nicht.

Entschlossenheit noch größer geworden

Doch natürlich ist auch nicht alles der Glücksgöttin Fortuna zu verdanken. Der Trainer beobachtete auch einen mentalen Reifungsprozess. „Wir haben die Spiele oft mit unserer Erfahrung und Cleverness über die Bühne gebracht.“ Schon seit er bei den Staßfurtern als Coach im Amt ist, hat Liensdorf es forciert, über den mentalen Bereich zu kommen. „Dieser Glaube und die Entschlossenheit bis zur letzten Minute ist noch mal gewachsen in der Hinrunde, das hat sich richtig in die Köpfe eingeschweißt.“

So konnten die Staßfurter auch Rückschläge wie das 2:3 im Heimspiel gegen Wernigerode am vierten Spieltag gut wegstecken. Nach einem 0:0 gegen Anhalt Bernburg folgte einen Siegesserie von fünf Spielen, in der die Sorgen aus der Sommerpause endgültig abgeschüttelt wurden.

Es folgte die zweite Niederlage gegen den vielleicht größten Konkurrenten in dieser Saison, den MSC Preussen (0:1). Doch auch darauf waren fünf Siege in Folge eine mehr als beeindruckende Antwort. „Das wir hinten heraus noch so viele Punkte geholt haben, hat mich besonders gefreut“, so der Coach, für den das ein Resultat einer Trainingsumstellung war. Hatten die 09er das Programm im vergangenen Winter noch eingedämpft und so oft Körner vermissen lassen, haben sie in dieser Saison „die Turnschuhe im Winter angezogen“. Somit waren die Staßfurter zum Ende der Hinrunde topfit und konnten in der zweiten Hälfte oft noch eine Schippe drauflegen. Deutlich wurde das gegen Ottersleben (4:0) und Irxleben (3:0).

Keine Frage: Die Hinrunde war überzeugend. Liensdorf will aber „nicht alles schön reden“. Um den ersten Platz bis zum Ende der Saison zu verteidigen, ist viel Arbeit nötig. „Die sechs Punkte Vorsprung sind schnell geschmolzen. Wir müssen Ruhe bewahren. Unser Ziel bleibt, Platz eins bis fünf zu erreichen.“ Spielen die Staßfurter jedoch eine ähnlich erfolgreiche Rückrunde, sollte dem Verbandsliga-Aufstieg kaum etwas im Weg stehen.