Staßfurt l Vor dem Auswärtsspiel beim TuS Bismark wurde der Coach von seinen Aufgaben entbunden. Leicht haben sich die Verantwortlichen beim SV 09 Staßfurt die Entscheidung des Trainerwechsels nicht gemacht, wie Vereinschef Christian Krüger erklärt: „Wir gucken natürlich schon länger auf die Mannschaft. Genau genommen, seit dem 0:0 gegen den TuS Magdeburg. Das war der Anfang eines schleichenden Prozesses“, blickt Krüger auf die Partie am 26. Oktober zurück. Es war der erste von zahlreichen schwachen Auftritten der Staßfurter Mannschaft in den vergangenen Wochen. Dabei war der Saisonstart nahezu perfekt gelaufen für die 09er. Mit vier Siegen in Serie begann die Spielzeit und die Bodestädter mischten an der Spitze des Klassements mit. So wie auch in den vergangenen beiden Spielzeiten, die mit Platz zwei und drei endeten.

Doch seit Mitte Oktober ist im Spiel der Staßfurter der Wurm drin. „Gegen Germania Halberstadt haben wir im Pokal einen tollen Auftritt hingelegt“, honoriert auch Krüger die starke Vorstellung beim knappen 0:1 im Landespokal gegen den Regionalligisten aus dem Vorharz.

Doch dann kam, nur zwei Wochen später, der trost- und torlose Auftritt gegen den TuS. Diesem folgten Niederlagen in Blankenburg (1:2) und daheim gegen Heyrothsberge (1:2). „Man hat in dieser Phase immer nur ein vereinzeltes Aufflackern gesehen“, beschreibt Vereinschef Krüger das Aufbäumen der Mannschaft gegen die Misere. „Wir hatten uns im Vorstand vorgenommen, das Ganze erstmal bis zum Heyrothsberge-Spiel zu beobachten. Danach war klar, dass wir die Mannschaft mit ins Boot holen müssen“, erklärt Krüger die Gedankenspiele der Vereinsführung.

Demzufolge suchte man von Vereinsseite in der Vorwoche auch das Gespräch mit der Mannschaft. Daraufhin reifte am Donnerstagabend der vergangenen Woche die Entscheidung heran, sich von Coach Jens Liensdorf zu trennen. „Die Chemie mit dem Trainer hat nicht mehr gestimmt“, schildert Krüger seine Erkenntnisse aus den Gesprächen mit den Spielern. Diese hatten sich offensichtlich in großer Mehrheit gegen eine weitere Zusammenarbeit mit ihrem Trainer ausgesprochen.

Mannschaft war das letzte Puzzlestück

Den Eindruck, dass die Spieler gegen den Trainer gespielt hätten oder ihn gar abgesägt haben, weist Krüger jedoch zurück. „Die Entscheidung war bei uns im Vorstand schon gereift. Die Rücksprache mit der Mannschaft war dann nur ein letztes Puzzlestück“, stellt der Vereinsvorsitzende klar und fügt an: „Jedes Bonbon ist irgendwann ausgelutscht. Bei uns war es jetzt so weit.“

Den Überbringer der schlechten Nachricht zu spielen, war dann aber eine schwierige Mission. „Ich war persönlich bei Jens Liensdorf und habe mit ihm gesprochen. Wir sind ihm für seine geleistete Arbeit sehr dankbar und haben auch ein sehr vernünftiges Gespräch miteinander geführt“, sagt Krüger.

Quednow übernimmt

Doch das war nur ein erster Schritt. Eine neue Lösung musste her. Diese heißt nun Axel Quednow, der bis vor etwa einem Jahr als Co-Trainer unter Liensdorf arbeitete. „Es war natürlich schwierig, in der kürze der Zeit jemanden zu finden. Deshalb bin ich froh, dass Axel Quednow sich bereit erklärt hat, das Amt zu übernehmen.“

Eigentlich hatte sich Quednow, der bereits mehrfach die Verantwortung für die erste Mannschaft innehatte, vor gut einem Jahr dazu entschieden, nur noch einer Tätigkeit im Vorstand nachzugehen. Dieser Plan soll bei der Jahreshauptversammlung am 25. November auch aufrecht erhalten werden. Dennoch fungiert Quednow jetzt als Interimslösung. „Er wird die Mannschaft bis zum Winter übernehmen, hat aber auch zugesichert, dass er bis zum Sommer zur Verfügung stehen würde“, berichtet Krüger über seine Absprache mit dem neuen Coach. Aus Sicht des Präsidenten ist Quednow äußerst „kommunikativ“ und hat bereist beim ersten Spiel in Bismark einen guten Eindruck auf die Mannschaft hinterlassen. Ein weiterer Vorteil ist laut Krüger, dass Quednow „die Truppe kennt und die Mannschaft ihn auch“, meint Krüger.

Lösung bis zum Winter?

Dennoch muss nun die Suche nach einem neuen Übungsleiter mit Hochdruck vorangetrieben werden. Dabei werden Krüger und der Vorstand hauptsächlich vom sportlichen Leiter unterstützt: „Wir werden uns in erster Linie auf das Netzwerk von Patrick Stockmann stützen“, sagt der Vereinschef, der grundsätzlich den eingeschlagenen Weg fortsetzen will. Soll heißen: „Wir setzen weiter auf junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs und aus der Region. Der neue Trainer muss also mit jungen Spielern arbeiten können und kommunikativ sein. Es soll im besten Fall eine externe Lösung werden. Diese Lösung bis zum Winter zu finden, wäre das Optimum.“

Welche Übungsleiter mit den entsprechenden Qualifikationen den Verantwortlichen beim SV 09 konkret vorschweben, verriet Krüger jedoch noch nicht. Klar ist jedoch, dass der Erfolg zurückkehren soll ins Stadion der Einheit. „Mit dem Derby gegen Schönebeck und dem Spiel gegen den MSC Preussen stehen extrem wichtige Spiele an. Da dürfen wir uns keine blutleeren Auftritte mehr erlauben“, fordert Krüger von der Mannschaft.