Staßfurt l Jahrelang war der Staßfurter Handball nicht denkbar ohne Uwe Illig. Er trainierte die zweite Mannschaft und die A-Junioren, hat noch heute gute Kontakte zum HV Rot-Weiss. „Es war eine schöne Zeit“, sagt er selbst. Da ist es doch klar, dass sein Gastspiel am Sonnabend um 17.30 Uhr als Coach der SG Lok Schönebeck beim Tabellenvierten der Sachsen-Anhalt-Liga etwas ganz Besonderes ist. Nicht vergleichbar mit den meisten Spielen. Oder? „Ja, die Anreise ist kürzer“, meint er lachend und fügt dann an: „Die besondere Situation wird sich relativieren. Wenn das Spiel läuft, konzentriere ich mich nur auf meine Mannschaft. Da kenne ich dann keine Freunde.“

Dass das Spiel einen „besonderen Charakter“ hat, davon ist nicht nur Illig überzeugt: „Alle ringsherum sind heiß, das spornt auch die Spieler an.“ Sein Gegenüber, RWS-Trainer Sebastian Retting, freut sich gleichermaßen auf das „brisante Derby“ und ergänzt: „Die Schönebecker werden Fans mitbringen. Alle werden heiß sein. Es ist dann auch eine Kopfsache.“

Retting unterschätzt Gegner nicht

Denn genau wie die Brisanz steht auch die Favoritenrolle außer Frage. Der Aufstiegsanwärter HV Rot-Weiss (4.) empfängt das Schlusslicht. Die SG Lok sammelte in zehn Spielen erst einen mageren Punkt. Doch unterschätzen werden die Staßfurter den Aufsteiger nicht, da ist sich Retting nach einer Ansprache unter der Woche sicher: „Ich habe Gegner als Spieler oft genug unterschätzt, das wird uns nicht passieren.“ Der Coach ist zuversichtlich und verdeutlicht: „Wir werden alles geben, um die zwei Punkte zu holen. Wir dürfen uns zuhause keine Niederlage mehr erlauben.“

Weniger euphorisch geht Illig an die Aufgabe: „Wir werden unser Bestes geben und müssen dann schauen, wie es läuft. Wir sind noch nicht in der Lage, dem Gegner unser Spiel aufzudrücken.“ Und die Staßfurter überzeugten zuletzt mit einer starken Abwehr, guten Konterspiel und einer gefährlichen Offensive. „Wir haben gut trainiert und wollen unser Spiel durchziehen“, sagt Retting, dem für diese Mission alle Spieler zur Verfügung stehen.

Anders bei den Elbestädtern: Mit Sebastian Roost wird krankheitsbedingt ein sehr wichtiger Spieler fehlen. „Ich kann ihn nicht ersetzen“, verdeutlicht der Lok-Coach. „Aber ich werde anderen Spielern eine Chance geben. Ob sie es richten, werden wir sehen.“ Optimismus klingt anders, doch Illig hat sportlich momentan einfach kaum Grund zur Freude. Nicht einen Punktspielsieg konnte Schönebeck seit seinem Amtsantritt im Sommer einfahren. Zwar ist „eine stetige Entwicklung“ zu erkennen, doch „die Konstanz fehlt“. Über die Saison, aber auch über die 60 Minuten. In diesem Bereich fordert der Trainer nach der zweiwöchigen Pause, die gut war, „um mal durchzuatmen“, definitiv Besserung. Egal, wie aussichtslos die Lage ist.

Auf der anderen Seite hielt Retting die klare Rollenverteilung nicht von einer intensiven Vorbereitung ab. Er telefonierte, erkundigte sich über den Gegner. „Die Schönebecker haben zwar nicht die großen Rückraum-Shooter, aber sie sind spielerisch gut und können verschiedene Abwehrformationen spielen.“ Doch auch darauf stellte er seine Mannschaft ein. Am Dienstag haben die Rot-Weissen gemeinsam mit der A-Jugend trainiert und vor allem an Schnelligkeit und Ausdauer gearbeitet.

Meißner gegen den Ex-Club hochmotiviert

Wer dabei besonders motiviert war? Na klar: Mario Meißner. Der Flügelspieler wechselte im Sommer aus Schönebeck zum Oberliga-Absteiger. Und auch wenn er seinem Coach versprach, er geht das Spiel „locker“ an, weiß der erfahrene Retting genau: „Ich kenne das. Seine alten Freunde werden da sein, er ist sicher aufgeregt. Wenn er aber seine Leistung abruft, wird der Knoten platzen.“ Der Trainer ist sich sicher, dass Meißner gegen seine alten Kollegen eine wichtige Rolle spielen wird. Auch das steigert nicht gerade die Aussicht auf Punkte für Illig an alter Wirkungsstätte. Doch unmöglich ist es sicher nicht. Gerade in so einem brisanten Derby.