Staßfurt l Nachdem Sachsen-Anhalt-Ligist HV Rot-Weiss Staßfurt bereits  Ende April, noch vor dem letzten Spieltag fünf Neuzugänge verkündete, legten die Staßfurter inzwischen personell weiter nach. Mit dem direkten Wiederaufstieg in die Mitteldeutsche Oberliga hat es für den HV Rot-Weiss Staßfurt nicht geklappt. Am Ende der Sachsen-Anhalt-Liga-Saison gab es nur Tabellenplatz drei. Im kommenden Spieljahr wollen die Bodestädter deshalb erneut versuchen, den ganz großen Wurf zu landen. Dazu stellt sich das Team personell neu auf. Fünf Neuzugänge wurden im April bereits verkündet. Kürzlich kamen weitere dazu. Dies sind Marc Stapf, Florian Lück, Tim Steffen und Henning Stapf, der den Co-Trainer-Posten übernimmt. Bei einem genaueren Blick auf die einzelnen Personalien zeigt sich, die Transferoffensive wurde in Staßfurt keineswegs planlos gestartet. Eine Analyse.

Marc Stapf (Rückraum)

Der großgewachsene Linkshänder kommt aus der A-Jugend des BSV Magdeburg und soll im Rückraum mit helfen, die durch das Karriereende von Nils Hähnel entstandene Lücke zu schließen. „Marc ist ein Talent, hat einen langen Armzug und ist wirklich gut ausgebildet. Körperlich muss er noch zulegen und auch an seiner Schnelligkeit arbeiten“, sagt Trainer Sebastian Retting.

Florian Lück (Kreis)

Den wuchtigen Kreisspieler der TSG Calbe hatte Retting schon länger auf dem Schirm. Genauer gesagt seit etwa drei Jahren. „Ich habe ihn damals das erste Mal beim Mega-Woodstock in Aschersleben gesehen. Ich saß neben Patrick Schliwa (Präsident des HV Rot-Weiss/Anm. d. Red.) auf der Tribüne und habe gleich zu ihm gesagt, dass das einer werden kann“, erinnert sich Retting zurück. Seitdem behielt der Coach den damals 17-Jährigen im Auge. Beim inzwischen 21-Jährigen sieht Staßfurts Übungsleiter die Vielseitigkeit als großes Plus. „In Calbe hat er kaum in der Deckung gespielt. Vielleicht, weil es dort auch andere Spieler gab. Bei uns sehe ich ihn definitiv auch hinten“, so Retting. Im Angriff soll er zudem Routinier Oliver Jacobi weiter entlasten. Der Wechsel Lücks ist dennoch ein überraschender. Grund ist die Rivalität zwischen Calbe und Staßfurt: „Es ist ihm sicherlich nicht leicht gefallen. Man kann auch davon ausgehen, dass er sich ein paar Sprüche von seinen ehemaligen Teamkollegen anhören musste. Perspektivisch möchte er aber mal in der 4. Liga spielen und sieht dafür bei uns kurzfristig wohl die bessere Ausgangslage“, äußert sich der HV-Rot-Weiss-Trainer zum Transfer.

Tim Steffen (Rückraum)

Der 19-Jährige Magdeburger ist der breiten Masse der Handballfans noch kein Begriff, könnte sich aber zum Königstransfer entwickeln. Steffen kommt ebenfalls aus der Bundesliga-A-Jugend des BSV Magdeburg und hat hohe Ambitionen. Deshalb haben die Staßfurter bezüglich des Rechtshänders auch eine Kooperation mit Drittligist SV Anhalt Bernburg vereinbart. Der dynamische Rückraum-Allrounder wird bei beiden Vereinen trainieren, aber in Staßfurt spielen. „Er war unheimlich begehrt und hatte Angebote von etlichen höherklassigen Vereinen", weiß Retting. Da Staßfurts Coach allerdings gute Beziehungen zu Landestrainer und Bernburg-Coach Martin Ostermann pflegt, kam es zu einer Einigung. Bei einer Beschreibung von Steffens Fähigkeiten ist Retting die Vorfreude auf die Zusammenarbeit anzumerken. Er zieht einen Vergleich mit einem ganz großen Namen. „Tim ist ein echter Straßenhandballer. So ein Christian-Zeitz-Typ", erinnert Retting sein neuer Schützling an den wurfgewaltigen Ex-Nationalspieler des THW Kiel.

Henning Stapf (Co-Trainer)

Nachdem Ex-Co-Trainer und A-Jugend-Coach Cosmin Tiganasu nicht mehr mit dabei ist, wurde ein neuer Mann an der Seite von Trainer Sebastian Retting gesucht. Mit Henning Stapf übernimmt diese Position ein sehr erfahrener Mann. Doch warum? Immerhin hatte Stapf mehrere Chef-Coach-Angebote anderer Klubs. Bereits im Winterurlaub liefen sich Staßfurts Präsident Schliwa und Stapf zufällig über den Weg. Damals wurde nur geflachst. Einige Monate später wurde aus dem Spaß dann Ernst. Schliwa nahm offiziell Kontakt mit dem Ex-Coach von Lok Schönebeck auf. „Danach haben wir uns zu dritt getroffen und Henning war letztlich von unserem Konzept überzeugt“, sagt Retting. Er fügt jedoch an: „Henning hat auch seine Vorstellungen klar geäußert. Er will und soll hier nicht nur der Kuli-Halter sein“.

Retting freut sich auf den großen Erfahrungsschatz Stapfs und will die Chance nutzen, einzelne Mannschaftsteile in Kleingruppen intensiver trainieren zu können. Zudem dürfte auch Stapfs halbjährige Tätigkeit als Co-Trainer bei der BSV-A-Jugend in Magdeburg kein Nachteil für den HV Rot-Weiss gewesen sein.