Staßfurt l Jahrelang führte Sebastian Retting den HV Rot-Weiss Staßfurt als Kapitän an, durchlebte schöne und schwierige Zeiten auf der Platte und war immer ein Ansprechpartner. Das ist beim Sachsen-Anhalt-Ligisten auch immer noch so, doch Retting ist mittlerweile bekanntlich Trainer. Und will in dieser Saison „weniger spielen“, was ihm sicherlich schwer fällt. Doch für einen Schritt hat er sich entschieden: Er legte gemeinsam mit Co-Trainer Henning Stapf einen neuen Kapitän fest.

Entschieden haben sich die beiden für Keeper Sebastian Schliwa. Und das dem Team am Wochenende im Trainingslager mitgeteilt. Der 27-Jährige, schon seit einiger Zeit im Mannschaftsrat (gemeinsam mit Oliver Jacobi, Christian Schöne, Andreas Steinbrink und seit dieser Saison auch Robert Reiske), wusste natürlich schon eine Woche vorher Bescheid. Der Coach fragte ihn, ob er sich das vorstellen kann. „Zuerst war ich etwas überrascht, aber dann habe ich mich sehr darüber gefreut, das ist ja auch eine Ehre und Anerkennung für die vergangenen zehn Jahre im Verein“, beschrieb Schliwa seine Reaktion. „Es gibt viele erfahrene Spieler, die das genauso gut gemacht hätten.“

Aber die Wahl fiel nicht ohne Grund auf Schliwa. Dieser steht nämlich wie kein Zweiter für den Club. „Er ist ein gestandener Spieler. Lange war er zweiter Mann hinter Patrick Tuchen, doch mittlerweile hat er sich als unsere Nummer eins heraus kristallisiert“, lobt Retting seine sportliche Entwicklung. Immerhin wurde er 2018/19 auch zum Spieler der Saison gekürt. Mindestens genauso wichtig bei der Entscheidung war aber sein Standing. „Er ist das Bindeglied in der Mannschaft, kommt bei Jung und Alt gut an und macht auch im organisatorischen Bereich sehr viel und nimmt mir einiges an Arbeit ab“, so der Trainer.

Schliwa selbst fügt an: „Ich kenne jeden im Verein.“ Er spricht selbst davon ein „Bindeglied“ zu sein. Nicht nur in der Mannschaft. Auch zwischen dem Team und dem kompletten Verein. Und das sicher absolut nicht, weil er der Sohn des Präsidenten Patrick Schliwa ist. Vielmehr kommt er mit seiner positiven Ausstrahlung schlichtweg überall gut an.

Der im Team „Horschti“ genannte Ur-Staßfurter weiß, dass der Kapitän einen „nicht so großen Stellenwert hat wie zum Beispiel im Fußball“, dennoch ist er sich über die Verantwortung dieses Postens bewusst. „Ein Kapitän ist trotzdem wichtig. Du musst Vorbild sein und vor allem die jungen Spieler leiten. In einem Mannschaftsgefüge muss immer jemand den Hut aufhaben. Das bin dann künftig ich.“