Staßfurt l  Gegen Aufsteiger HT 1861 Halberstadt reichte es in eigener Halle nur zu einem 24:24 (12:11)-Unentschieden. Wut, Zorn und Enttäuschung. Der Gesichtsausdruck von Trainer Sebastian Retting sprach nach dem Heimspiel seines HV Rot-Weiss Staßfurt gegen den HT 1861 Halberstadt Bände. Das 24:24 gegen den starken Aufsteiger fühlte sich für den Aufstiegs-aspiranten an wie eine Niederlage. Und das Remis verschlug dem Übungsleiter beinahe die Sprache. Eine Einordnung der Geschehnisse fiel nicht nur Retting schwer.

Vier-Tore-Führung

Immerhin schien seine Mannschaft das spannende und temporeiche Spiel Mitte der zweiten Halbzeit auf ihre Seite gezogen zu haben. „Wir führen mit vier Toren und bringen es nicht über die Zeit. Das ärgert mich“, sagte Retting nach dem Spiel. Eine detaillierte Analyse fiel dem Coach indes schwer. Zu tief saß der Stachel der Enttäuschung. „Man kann vielleicht sagen, dass es an der Chancenverwertung lag, aber so richtig weiß ich nicht, was ich dazu sagen soll“, meinte der Trainer achselzuckend.

Dabei begann das Spiel für die Rot-Weissen nahezu perfekt. Nach fünf Spielminuten führten die Gastgeber durch Tore vom schnellen Linksaußen Lieven Rach (2) und Rückraumspieler Alexander Ernst mit 3:0. Doch der Spielstand nivellierte sich danach schnell aus, was vor allem daran lag, dass beide Teams ein unheimlich hohes Tempo vorlegten. Bei diesem gnadenlosen Tempo- handball gab es kaum Verschnaufpausen und so war es nur logisch, dass sich immer wieder Ungenauigkeiten im Torabschluss einschlichen. Hinzu kam, dass beide Torhüter gut aufgelegt waren. Calvin Kleineidam bestätigte auf Staßfurter Seite seine gute Form der vergangenen Wochen. Sein Gegenüber, Robin Deuring, erwischte indes einen Sahnetag. Vor allem an der Siebenmeterlinie trieb er die Staßfurter zur Verzweiflung. Zunächst parierte er gegen Tim Steffen (11.) und entschärfte dann auch nacheinander die Versuche von Danijel Arapovic (16.) und Christian Schöne (16.). Dass die Hallenherren zur Pause dennoch knapp mit 12:11 führten, lag auch daran, dass die schnellen Gegenstöße über den 18-Jährigen Rach immer wieder gut funktionierten.

In Halbzeit zwei fehlte dieses Element dann mehr oder weniger ganz: „Ich weiß auch nicht so genau, warum wir ihn nicht mehr richtig ins Spiel bringen konnten“, so Trainer Retting. Dennoch reichte ab Spielminute 40 ein etwa zehnminütiger Zwischenspurt, um vom 16:16 auf 22:18 davonzuziehen. Die Vorentscheidung schien gefallen. Doch das war aus Staßfurter Sicht ein Trugschluss. Und zwar aus mehreren Gründen. Zum Einen steckten die bravourös kämpfenden HT-Männer nicht auf, zum Anderen vergaben die Rot-Weissen ihre guten Möglichkeiten zu leichtfertig (Retting: „Wir haben teilweise die falschen Entscheidungen getroffen“).

Große Diskussion zum Abschluss

Apropos falsche Entscheidungen. Diese konnte man den Unparteiischen zwar nicht vorwerfen, jedoch agierte das Duo Tobias Heck/Michael Köhler in einigen Situationen unglücklich. „Sie haben uns in der Endphase drei Tore weggepfiffen“, beklagte Retting die Entscheidungen auf Schrittfehler gegen Danijel Arapovic und zweimal Stürmerfoul gegen Kreisläufer Florian Lück. Lagen diese Entscheidungen wohl noch im Ermessensspielraum der Referees, unterlief ihnen 16 Sekunden vor Spielende beim Stand von 24:24 ein Lapsus, der für reichlich Diskussionen sorgte. Nach einer Freiwurfentscheidung zugunsten der Halberstädter wurde die Spieluhr nicht angehalten. Woraufhin Trainer Retting aufs Spielfeld stürmte um darauf aufmerksam zu machen. Im Zuge der anschließenden Diskussionen vor dem Kampfrichtertisch kassierten dann die Übungsleiter beider Mannschaften eine Zwei-Minuten-Strafe. Erst nach minutenlangen Debatten ging es dann weiter, wobei der Freiwurf den Gästen schlussendlich nichts mehr einbrachte.

HV Rot-Weiss Staßfurt: Schliwa, Kleineidam – Ernst (2), Jacobi (2), Steffen (6), Steinbrink, Rach (4), Hoffmann (3), Strnad (1), Schöne, Lück (4), Arapovic, Meißner

Siebenmeter: Staßfurt 6/2 – Halberstadt 4/3

Zeitstrafen: Staßfurt 4 – Halberstadt 2