Staßfurt l Wenige Sekunden nach der Schlusssirene war Mario Kutzer verschwunden. Der Coach des HV Rot-Weiss Staßfurt II wollte niemanden sehen, mit keinem sprechen. Er war bedient. „Ich habe schon überlegt, in der 55. Minute rauszugehen. Das war einfach nur schlimm an der Seitenlinie“, machte er seine Gefühlslage mit etwas Abstand deutlich.

Doch was war passiert? Im letzten Saisonspiel der Verbandsliga Nord hatte sein Team im Heimspiel gegen den SV Oebisfelde II eine bittere 30:32 (14:15)-Niederlage kassiert. Zum dritten Mal in Folge verließen die Staßfurter die Platte als Verlierer. Und zum dritten Mal in Folge war der Grund dafür der gleiche. „Es war wie in den Spielen zuvor, wir waren mit dem Kopf nicht dabei“, klagte Kutzer über die schlechte Einstellung seiner Spieler. „Wir hätten das Spiel normalerweise gewinnen müssen“, verweist er auch auf die breite Bank und die Qualität seiner Mannen. „Doch es war einfach nicht möglich. Die einfachsten Dinge klappten nicht. Es gab keinen Spielfluss, nur Einzelaktionen. Wir sind nicht in die Tiefe gegangen und haben die Deckung des Gegners zu wenig beschäftigt. Einer hat sich auf den anderen verlassen“, setzte der erfahrene Coach zur Generalkritik an.

Klar, es gab keine komplette Abreibung. Und bis zum Schluss war alles offen. Zudem „haben wir Glück gehabt, dass auch Güsen verloren hat“, so Kutzer. Denn weil er direkte Vergleich mit dem GHC an die Staßfurter ging, stehen sie in der Endabrechnung noch über dem Gegner auf dem elften Rang. Dennoch überwog bei Kutzer eben der Frust. „Mich ärgert es sehr, dass wir nicht das abrufen, was wir können.“ Zumindest phasenweise nicht. Der Start lief mit dem 4:1 nach acht Minuten immerhin vielversprechend. Auch in der Folge blieb das Spiel bei den Zwischenständen von 9:9 (19.) oder 14:14 (29.) ausgeglichen.

Immer wieder Akzente setzten konnte Rechtsaußen Paul Hoffmann, der ab dem Sommer für die Erste spielen wird. Er kam auf insgesamt zehn Tore, stellte mit zwei vollendeten Kontern nach 40 Minuten auf 20:17. Doch genau in diesen Situationen verpassten es die Hallenherren, sich weiter abzusetzen. Matthias Loose warf zwei Mal über das Tor (41./42.), die Konter saßen ‑ 20:20.

Chancen nicht verwertet

Die Möglichkeiten, das Spiel Richtung Heimsieg zu schaukeln, waren zu genüge da, wurden aber teils kläglich vergeben. Bezeichnende Szene: Christian Kunze passte auf Marco Richter, beide liefen bei einem Konter alleine auf den Torwart zu, doch Zwei-Meter-Mann Tobias Stefani im SVO-Kasten parierte (53.). „Wir haben im Abschluss zu viele Fehler gemacht“, so Kutzer.

Und dennoch blieb das Duell bis zum Ende offen. Kevin Engelhardt erzielte anderthalb Minuten vor dem Ende das 30:30. Im folgenden Ballbesitz nahmen die Gäste nochmal eine Auszeit, kamen über einen guten Spielzug 36 Sekunden vor Ultimo zum 31:30. Die Gastgeber warfen nochmal alles nach vorn, nahmen den Keeper raus und gingen mit sieben Feldspielern den Ausgleich an. Hoffmann, der auffälligste Mann an diesem Tag, hatte das 31:31 dann in der Hand, ließ die Chance aber liegen. Im folgenden Konter entschieden die Oebisfelder das Spiel.

„Ich bin gespannt, was nächste Woche los ist und ob ich dann wieder eine andere Mannschaft zu sehen bekomme“, blickt Kutzer auf das Pokalfinale voraus. Zum Hinspiel empfangen die Staßfurter dabei am Sonnabend um 15.30 Uhr TuS Radis.

Staßfurt: Rösler, Sieland - L. Rach, Richter (3), Langewald, Korin (3), Kunze, Dittmar, Loose (2), E. Rach (1), Panzer (2), Hoffmann (10), Engelhardt (3), Ilgenstein (6)

Siebenmeter: Staßfurt 2/1 - Oebisfelde 8/5 Zeitstrafen: Staßfurt 2 - Oebisfelde 5 Rot (o.B.): K. Breiteneder (53.)