Staßfurt l „Defense“, zu deutsch Verteidigung, war immer wieder von den Rängen in der Salzland-Sporthalle zu hören, wenn sich die heimische RWS-Sieben um Trainer Sebastian Retting im Rückwärtsgang befand. „Defense“ ist aber auch der passende Begriff, um die Partie zwischen den Staßfurtern und den Gästen aus Radis in einem Wort zusammenzufassen. Vor allem in der Anfangsphase konnten sich immer wieder die Abwehr-Verbünde beider Teams auszeichnen. Insbesondere TuS-Schlussmann Norbert Keseru brachte die Bodestädter Angreifer ein ums andere Mal zum Verzweifeln.

Nach einem Torfestival wie im ersten Heimspiel gegen Schönebeck sah es für die Staßfurter somit nach zehn Minuten nicht aus, als ein 4:5 auf der Anzeigetafel aufleuchtete. „Radis hat uns durch ihre gute Deckung schon vor einige Probleme gestellt“, erinnert sich Retting. Dabei wartete das Gäste-Team immer wieder mit neuen Defensivvarianten auf. „Einmal gingen sie in die Manndeckung, dann wieder in eine 4:2-Deckung, wenn wir etwas umgestellt haben“, so der RWS-Coach über die Spielweise des Gegners.

Er und sein Co-Trainer Sebastian Scholz probierten bereits in der ersten Hälfte einiges aus, doch zunächst schienen die Gäste stets die richtige Antwort parat zu haben. Beim Stand von 8:7 konnte Radis nach 17 Minuten erneut in Führung gehen – doch es sollte das letzte Mal vor der Pause sein. Staßfurt drehte die Partie und setzte sich auf 12:10 ab, ehe die Gastmannschaft zur Pause auf 12:11 verkürzte.

„In der Kabine habe ich der Mannschaft dann noch einmal das gesagt, was ich auch schon in den Auszeiten angesprochen hatte“, gab Retting im Anschluss an die Partie Einblick in seine Pausenansprache: „Wenn wir in der Deckung weiter aggressiv arbeiten können und werden wir gewinnen.“ Er sollte Recht behalten. Bis zum 15:14 (39.) durch Andreas Steinbrink konnte Radis die Partie offen gestalten, doch mit fortschreitender Spielzeit ging ihnen zusehends die Luft aus.

Anders war die Lage bei der Heimmannschaft, die sich in der Folge erstmals deutlich absetzen konnte. Während die TuS-Defensive längst nicht mehr so sicher stand wie zu Beginn, eroberten die Bodestädter durch ihr intensives Zweikampfverhalten immer wieder wichtige Bälle und kamen zu schnellen Kontern. Retting lobte dabei auch die Unparteiischen, die nicht jeden Körperkontakt direkt abpfiffen.

Fünf Minuten vor dem Ende (24:18) war der RWS-Sieben längst die Vorentscheidung gelungen. „Wenn wir unsere Defensivarbeit bis zum Ende durchgezogen hätten, wäre Radis unter 20 Tore geblieben“, fand Retting dennoch einen kleinen Kritikpunkt. Alles in allem war er aber zufrieden. Nach dem Abpfiff versammelte er die Spieler noch einmal in der Kabine und verteilte ein Extralob. „Der viele Schweiß in den vergangenen Wochen hat sich bezahlt gemacht. Das heute war der verdiente Lohn für unser gutes Training“, so Retting. Seine Spieler erzielten aus einer sicher stehenden Abwehr heraus am Ende doch noch 27 Tore und sind neuer Tabellenerster der Sachsen-Anhalt-Liga.

RW Staßfurt: Schliwa, Kleineidam – Cieszynski (1), Nowak (3), Wagner (2), Reiske (1), Jacobi (4), Steffen (5/2), Steinbrink (3), Rach, Strnad, Lück, Meißner, Osterloh (8)

Siebenmeter: RW Staßfurt 3/2 – TuS Radis 2/1

Zeitstrafen: RW Staßfurt 3 – TuS Radis 4