Warnau l Die offizielle Verabschiedung (auch von Co-Trainer Sebastian Schmidt) vom Verein ist bereits erfolgt. Natürlich hat sich Ralf Franke seinen Abschied aus Warnau etwas anders vorgestellt. Durch die Corona-Krise musste jedoch vieles improvisiert werden. Der eigentlich geplante Abschied als Höhepunkt der Serie kann aus bekannten Gründen nicht erfolgen.

Bei der Zusammenstellung seiner besten Elf hatte er einige Probleme: „Man will niemanden weh tun, einige Spieler werden mich an den Baum nageln.“ Dennoch wurde seine beste Elf zusammengefasst.

Die Volksstimme-Sportredaktion unterhielt sich zum Abschied mit Ralf Franke über die abgelaufene Zeit beim SSV Havelwinkel Warnau.

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Herr Franke, die Verabschiedung aus Warnau ist bereits erfolgt. Was waren Ihre Gedanken dabei?

Ja, ich wurde verabschiedet, aber es war schon irgendwie gespenstisch. Ich habe fünf erfolgreiche Jahre in Warnau verbracht und wir haben gemeinsam große Erfolge gefeiert. Dass es dann so zu Ende geht, das ist schon etwas traurig.

Denken wir mal fünf Jahre zurück, wie sind Sie nach Warnau gekommen?

Durch viele gute Bekannte hier in der Umgebung. Dann hat mich Herr Dähne (Sponsor in Warnau) angesprochen, ob ich helfen kann. Er kannte mich von meiner Trainertätigkeit im Nachwuchsbereich. Er hat mich dann gefragt, ob ich mir es vorstellen könnte, Warnau zu trainieren.

Was haben sie zuvor gemacht?

Ich war Nachwuchstrainer in Mögelin, habe die Jungs von den E- bis zu den A-Junioren hochgebracht. Am Ende waren wir unterschiedlicher Meinung, weil wir auch auf Landesebene gespielt haben. Ich wollte mehr aus den Jungs herausholen, aber die hatten dann andere Interessen. Dann haben sich die Wege getrennt.

Wollten Sie damals sofort wieder als Trainer tätig sein?

Ich wollte erst einmal Abstand vom Fußball nehmen, aber mir wurde die Tür eingerannt. Dann bin ich mit meiner Frau mal nach Warnau gefahren und wir haben uns ein Spiel angeschaut. Da hat die Mannschaft 5:4 gegen Potzehne gewonnen. Dann habe ich das okay gegeben.

Sie haben mit der Mannschaft den Aufstieg und dann drei Jahre den Erhalt in der Landesliga geschafft. Was war aber der größte Erfolg, was blieb besonders hängen?

Ganz klar, der Pokalsieg 2016. Es war unser erstes Pokalfinale, und dann im Stendaler Hölzchen. Wir waren gegen die Uchtspringer, die gerade in die Landesliga aufgestiegen sind, ja nicht unbedingt der Favorit. Der Sieg vor den vielen Zuschauern war, so sehe ich das, der größte Erfolg mit Warnau. Wir haben 4:1 in der Verlängerung gewonnen. Generell waren die Kreispokalsiege die Höhepunkte.

In den fünf Jahren gab es sicher nicht nur Höhepunkte. Was war das negativste Erlebnis?

Da Negativste? Puh. Da gab es nicht viel. Vielleicht am Anfang, als wir mit Warnau in der Landsklasse ganz schön Haue bekommen haben. Da haben wir mit Michael Zugehör, mit ihm als Co-Trainer habe ich ja in Warnau angefangen, uns schon Gedanken gemacht, ob das alles überhaupt einen Sinn hat. Aber ansonsten hatten wir ja eigentlich nur Erfolge. Wir sind ja von Jahr zu Jahr besser geworden. Aufgestiegen in die Landesliga, drei Jahre Landesliga gehalten und die Kreispokalsiege.

Dazu gehören sicher auch die beiden Landespokalspiele vor vielen Zuschauern gegen den 1. FC Magdeburg in Rathenow, oder?

Die beiden Spiele gegen den 1. FC Magdeburg waren natürlich sensationell, aber der Pokalsieg im Hölzchen war für mich dennoch das Größte.

Negativ war sicher auch der Abgang der beiden Brasilianer Hugo und Yuri im Sommer 2019?

Das seh ich nicht so. Das passiert im Fußballleben. Klar, wie sie gegangen sind, das war natürlich traurig, weil man ja für beide viel Zeit, auch privat, geopfert hat. Ich hatte beide unter anderem zu Weihnachten zu mir nach Hause eingeladen.

Was war das große Plus in Warnau?

Der Zusammenhalt von allen ist in Warnau natürlich sensationell. Die beiden Frauen (Carmen Thiel und Iris Walther, Anm. d. Red.) vom Vorstand haben sich ja um alles gekümmert, ob Essen oder Trikots waschen. Das waren die beiden Muttis für die ganze Mannschaft. So etwas erlebst du selten. Vielleicht irgendwo in der Oberliga, aber nicht in dieser Klasse. Dann die ganz Freundlichkeit im Dorf. Wenn ich da an die Rentnerbrigade denke, und natürlich auch an den Mannschaftsbetreuer Lothar Buricke. Wir haben hier ja alles bekommen. Was sie geerntet haben, haben sie auf den Tisch gelegt. Diese Freundlichkeit überall. Das Drumherum war Weltklasse.

Dennoch haben Sie vor geraumer Zeit ihren Abschied verkündet, warum?

Wenn du mit so einer Mannschaft wie Warnau alles erreicht hast, was du erreichen kannst, dann kommt man an einem Punkt an, wo es nicht mehr weitergeht. Wir haben einen relativ alten Kader, der verjüngt werden muss. Wir sind irgendwo an unsere Grenzen gestoßen. Das war aber vielleicht nicht der Hauptgrund.

Welcher?

Ich bin jetzt 50 Jahre alt geworden und habe 15 Jahre hintereinander Trainer gemacht. Mit den fünf Jahren in Warnau, wo es immer nur bergauf ging, geht es natürlich auch mal irgendwann bergab. Ich möchte nicht die fünf Jahre, die wir uns hier aufgebaut haben, in einem halben Jahr, wenn man vielleicht fünf, sechs Spiele verliert, kaputt machen. Und dass die Leute sagen, warum hat er nicht aufgehört. Irgend wann sollte wieder neuer Wind reinkommen. Fünf Jahre Trainer in Warnau, so lange hat es noch keiner geschafft.

Gab es weiter Gründe für den Abschied?

Ich habe zudem gedacht, dass mehrere Spieler aufhören werden. Aber die werden wohl fast alle noch ein Jahr dranhängen, denn sie wollen nicht, nach den vielen Jahren Fußball so wie es jetzt nur möglich ist, verabschiedet werden.

Wie war Ihr Abschied eigentlich gedacht?

Ich habe mir das völlig anders vorgestellt. Im Punktspiel gegen Gardelegen wollten wir mit einer Band hier in Warnau ein Volksfest feiern. Ich wollte mich von allen verabschieden, die uns hier fünf Jahre unterstützt haben.

Was werden Sie jetzt machen?

Jetzt werde ich mehr Zeit mit meiner Frau verbringen und viel reisen. Ich werde mir meine Dauerkarte von Union Berlin wieder holen.

Werden Sie wieder als Trainer aktiv sein?

Ich möchte auch keine Vergleich mit Warnau ziehen. So schön wie es die fünf Jahre in Warnau war, das wirst du in keinem Verein finden.

Wird man Sie in Warnau wiedersehen?

Ich werde noch nach Warnau fahren und den Verein weiter beobachten. Ich wünsche der Mannschaft und den neuen Trainer für die Zukunft natürlich alles Gute. Etwas möchte ich aber noch loswerden.

Was?

Ich möchte mich natürlich bei meiner Frau bedanken, die jetzt 15 Jahre zurückstecken musste.