Ein Jahr später zurückgeblickt, war es für beide Seiten offensichtlich die richtige Entscheidung. Der 37-Jährige heuerte im Sommer eine Spielklasse höher beim Regionalligisten VfB Germania Halberstadt an. Im Interview mit Volksstimme-Autor Stefan Rühling berichtet Körner über seinen Wiedereinstieg und den Spagat zwischen Fußball im Harz und der Familie in Stendal.

Volksstimme: Sven Körner, wie geht es Ihnen?

Sven Körner: Mir geht es sehr gut, vielen Dank der Nachfrage. Ich durchlebe im Moment eine anstrengende aber auch schöne Zeit. Denn die Arbeit, Fußball und Familie unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer einfach. Doch es macht mir richtig Spaß, da ich kein Typ dafür bin, nur zu Hause zu sitzen.

Sie sind seit Saisonbeginn Trainer beim VfB Germania Halberstadt – wie war der Einstieg für Sie nach über einem halben Jahr Pause?

Ich habe ihn herbeigefiebert. Nach einer so langen Pause vom Fußball war ich heiß darauf, wieder auf dem Platz und an der Linie zu stehen. Demnach habe ich die neue Aufgabe mit jeder Menge Leidenschaft und Freude begonnen. Es war spannend, sich in die neue Spielklasse, die ich bisher nur als Zuschauer kannte, einzuarbeiten und die völlig neue Mannschaft kennenzulernen.

Wie kam der Kontakt zum VfB zustande?

Im Endspurt der Saison 2018/2019 erhielt ich einen Anruf des Sportlichen Leiters, Enrico Gerlach. Er fragte mich, ob ich mir die Funktion als Trainer bei Germania vorstellen könnte. So haben wir uns in der Folge in Magdeburg getroffen und lange unterhalten. Dort war auch der Co-Trainer dabei. Denn der VfB war zu dieser Zeit mit mehreren Übungsleitern im Gespräch, genauso wie ich weitere Anfragen vorliegen hatte.

Wieso haben Sie sich dann für Halberstadt entschieden?

Die Chemie hat in den ersten Gesprächen gestimmt. So war ich auch in Halberstadt, lernte Teile des Präsidiums sowie Aufsichtsrates kennen und stellte meine Philosophie vor. Wir haben uns alle gut verstanden, waren fußballerisch und persönlich auf einer Wellenlänge, so dass es dann nur eine kurze Bedenkzeit und Abstimmung mit meiner Familie bedurfte.

Das ist Ihre zweite Station als Trainer. Wollen Sie im Harz durchstarten?

Ich hätte nichts dagegen, bei meiner zweiten Station durchzustarten. Die Aufgabe bin ich voller Inbrunst und Leidenschaft angegangen. Ich versuche, meinen Weg mit meinen Prinzipien sowie meiner Philosophie zu gehen.

Was ist Ihre Philosophie?

Für mich ist es wichtig, aktiv gegen den Ball zu arbeiten und im Ballbesitz die Kontrolle über das Spiel zu haben. Dazu gibt es diverse Strategien, dann zum Erfolg zu kommen. Auch schreibe ich den Respekt gegenüber dem Gegner sehr groß. Ich möchte frech, mutig und aggressiv spielen lassen.

Vor der Saison sagten Sie in einem MDR-Interview, dass es noch einige Zeit dauert, bis die Mannschaft Ihre Philosophie verstanden hat. Wie sieht es nun aus?

Das Gesicht unserer Mannschaft hat sich in der Sommerpause sehr verändert. Diesen Umbruch haben wir gut gemeistert. Im Trainer-Team aber auch mit den Spielern sind wir als geschlossene Einheit zusammengewachsen und arbeiten akribisch. So ist es den Jungs bisher schon ordentlich gelungen, unsere Philosophie und Spielweise anzunehmen und umzusetzen. Natürlich fehlt es unserer jungen Mannschaft – immerhin die jüngste der Regionalliga Nordost – hin und wieder noch an Erfahrung.

Wie hat der Verein Sie insgesamt aufgenommen?

Wie schon beschrieben, waren die Gespräche von Beginn an gut. So lief es auch weiter, als ich die Arbeit aufgenommen habe. Die Verantwortlichen – auch aus dem Nachwuchsbereich – standen mir offen gegenüber.

Wie haben Sie den VfB kennengelernt?

Von der Infrastruktur bin ich total begeistert! Wir haben ein tolles Stadion, eine Zusammenarbeit mit dem Schwimmbad direkt daneben, auch mit einer Saunalandschaft, dazu ein angrenzendes Fitness-Studio. Das sind sehr gute Trainingsbedingungen, auch mit einem Kunstrasenplatz. Dazu habe ich einen super Stab. Einen Co-Trainer mit Marcel Goslar, der schon vor mir beim Verein war und den ich sehr schätze. Die Zusammenarbeit mit ihm ist echt überragend, das habe ich so noch nicht erlebt. Wir haben auch jeweils einen Torwart- und Athletik-Trainer. Von den Bedingungen her ist es echt klasse. Das ist drittligatauglich, wenn nicht sogar noch höher.

Was wollen Sie mit Ihrem Team in dieser Saison erreichen?

Stand jetzt kann das Ziel nur Klassenerhalt heißen. So viel wie möglich Punkte so schnell es geht erreichen. Der Verein in der Regionalliga ist auch ein Aushängeschild der Region. Für uns steht aber auch die Ausbildung talentierter Fußballspieler im Vordergrund.

Nach elf Spieltagen – also gut einem Drittel der Spielzeit – rangieren Sie mit elf Zählern auf Rang elf. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Ich denke, dass uns sechs Punkte fehlen. Unsere junge Mannschaft hat sich durch kleinere Fehler hin und wieder nicht für den betriebenen Aufwand belohnt. Das ist in einer Entwicklung, in der wir uns befinden, normal. Wir haben in jedem Fall noch Potenzial – auf sowie neben dem Platz. Die Tabellensituation in der Regionalliga ist sehr eng.

Ihr nächster Gegner heißt Altglienecke – haben Sie von diesem Verein vor Ihrer VfB-Zeit schon einmal gehört?

Ja, man mag es kaum glauben. Tatsächlich kannte ich Altglienecke bereits vor meinem Engagement in Halberstadt. In der vergangenen Spielzeit habe ich auch ein Spiel gesehen. Doch auch hier hat die Mannschaft sich in der Sommerpause verändert.

Im nächsten Heimspiel erwarten Sie dann die Reserve von Hertha BSC. Ein großer Name, oder?

Ja, definitiv. In dieser Regionalliga ist das aber nur einer von vielen. Denn mit dem früheren Bundesligisten Energie Cottbus oder Chemie Leipzig, BFC Dynamo sowie Rot-Weiß Erfurt haben wir wirklich namhafte Gegner. Das macht jedes Spiel in dieser Liga zu einem echten Highlight – auch für mich als Trainer. Das sorgt auch für eine ganz andere Strahlkraft in der Öffentlichkeit als noch Verbands- oder Oberliga. Wir haben bei jedem Spiel dutzende Beobachter im Stadion.

Was unterscheidet Halberstadt von Ihrer vorherigen Station als Trainer?

Der Grad der Professionalisierung ist beim VfB ein anderer als in Stendal. Lok ist da eher noch der schlafende Riese, der geweckt werden muss. In Halberstadt sind die Strukturen aufgrund mutiger Entscheidungen in der Vergangenheit bereits gewachsen und gefestigt.

Wie gestaltet sich Ihr Leben abseits des Fußballplatzes – sind Sie mit Ihrer Familie in den Harz gezogen?

Nein, der Lebensmittelpunkt meiner Familie ist nach wie vor Stendal. Meine Lebensgefährtin hat hier ihre Arbeit, meine Tochter geht in den Kindergarten und auch unser Sohn hat hier seine Freunde. Ich habe in Halberstadt ein kleines Zimmer, könnte mir aber auch hier ein Leben mit meiner Familie vorstellen. Es gibt tolle Ecken zum Abschalten und Wohlfühlen.

Seitdem Ihr Sohn Vin Fußball spielt, waren Sie immer in seiner Nähe zu sehen. Er ist nun in Wolfsburg in der VfL-Akademie, Sie in Halberstadt – wie verbinden Sie das?

Das ist tatsächlich etwas schwieriger geworden, weil die Zeit nur selten zulässt, dass ich in Wolfsburg sein kann. Doch sobald es möglich ist, schaue ich beim Training oder seinen Spielen vorbei. Andersrum war er ebenso bereits in Halberstadt und hat meine neue Tätigkeit und das schöne Stadion kennengelernt.

Kürzlich feierte Ihre Tochter ihren dritten Geburtstag. Wie viel Zeit haben Sie für sie und Ihre Lebensgefährtin?

Das ist leider viel zu wenig, wie ich offen und ehrlich gestehen muss. Gerade meiner Lebensgefährtin muss ich einen riesengroßen Respekt zollen, wie sie unsere Familie organisiert und mir den Rücken freihält. Ansonsten wäre der Spagat zwischen Arbeit, Fußball und Familie überhaupt nicht möglich.

Sie nennen die Arbeit: Zu Ihrer Stendaler Zeit waren Sie hauptberuflich als Versicherungsfachmann tätig. Hat sich das mit der Regionalliga nicht verändert?

Nein, ich bin nach wie vor in diesem Bereich tätig und liebe diesen Gegensatz zum Fußball. Es erfordert täglich ein hohes Maß an Disziplin, den Fußball in Halberstadt und die Arbeit in Stendal unter einen Hut zu bekommen. Das ist eine persönliche Herausforderung, die ich bisher gut in den Griff bekomme. Ich möchte unverändert für meine Kunden da sein und das mit Familie und Fußball verbinden.

Finden Sie auch noch Zeit, Ihre alte Mannschaft zu verfolgen?

Die modernen Kommunikationsmedien machen es möglich, dass ich die Entwicklung der Mannschaft ohne Zweifel verfolge, auch wenn ich nicht regelmäßig ins Stadion gehen kann. Ich stehe auch mit Jörn Schulz in Kontakt, wir planen demnächst ein Testspiel zwischen unseren Teams. Er macht „Am Hölzchen“ gute Arbeit und ich drücke ihm sowie den Jungs immer die Daumen.