Volgfelde l Die Heinz-Förster-Sportanlage in Uchtspringe ist die sportliche Heimat des heutigen SV Medizin. Diese sind eine von vielen Plätzen, die heute noch erhalten sind. Doch es gibt auch welche, die nur noch in Erinnerung existieren, so wie der in Volgfelde.

Man mag es kaum glauben, da nichts mehr danach aussieht aber Volgfelde hatte vor und auch noch dem zweiten Weltkrieg einen Fußballplatz.

Ortsteil der Hansestadt Stendal

Der Ort liegt zwischen Vinzelberg und Börgitz direkt am Verlauf der Uchte, der ICE-Strecke zwischen Hannover und Berlin sowie der Bundesstraße 188. Heute zählt der Flecken als Ortsteil der Hansestadt Stendal, doch das war längst nicht immer so. Denn damals zählte das typische Bauerndorf in der landwirtschaftlich geprägten Altmark noch zum Kreis Gardelegen, wie Uchtspringe, Staats und auch Börgitz. Von den heute nicht ganz 150 Einwohnern können nicht mehr viele eine Erinnerung an den früheren Fußballplatz knüpfen.

Doch einer von ihnen ist Otto Estedt. Den haben wir besucht.

Zwischen Volgfelde und Börgitz

„Dieser maß gerade einmal 50 Mal 100 Meter“, berichtet der 2017 mit dem Sport-Oscar der Hansestadt Stendal für seine Verdienste im Sport ausgezeichnete Volgfelder. Der Platz befand sich an der Straße zwischen Volgfelde und Börgitz zur rechten Hand vor einem kleinen Wäldchen. Das weiß er so genau, da die Fläche schon vor dem zweiten Weltkrieg im Besitz seiner Familie war. „Sie gehörte meinem Vater. Dieser ist nur kurz nach meiner Geburt im Krieg gefallen“, so der frühere Sportlehrer der Börgitzer Sekundarschule weiter. „Er hatte das Grundstück bereits von seinem Vater geerbt und es ging dann an mich – jedoch hat meine Mutter es bis zur Vollendung meines 26. Lebensjahres treuhänderisch verwaltet.“

Es muss dann zwischen 1947 und 1948 gewesen sein, als der Familie bezüglich der gut 5.000 Quadratmeter Druck gemacht wurde. Sie sollte die Fläche wieder dem Sport und damit der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. So geschah es dann auch. Ein Umsiedler namens Pilgerin, an dessen Vornamen sich Otto Estedt nicht mehr erinnern konnte, führte die Sport- und Fußballbegeisterten der Region zusammen, um dem Spiel mit dem runden Leder nachzugehen. „Ich weiß gar nicht, ob wir überhaupt Netze in den Toren hatten“, so Estedt weiter. Er selbst spielte damals mit den Schülern und war einer der wenigen, die einen Fußballschuh hatten. „Ich war Linksfuß, hatte auf dem Dachboden aber einen alten rechten Schuh von meinem Vater gefunden. Leider war dieser etliche Nummern zu groß“, so der heutige Rentner.

Gegen Trikots getauscht

„Besonders ist mir in Erinnerung geblieben, dass Pilgerin im Ort Speck, Schinken und Eier sammelt und damit nach Berlin fuhr. Er tauschte diese gegen Trikots in den deutschen Farben: rotes Hemd, goldener Kragen und schwarze Schnüre.“

In diesen liefen unter anderem Alfred und Otto Plath, Werner Schwarz, Schuhmacher Alfred Geier, sowie Gerd Werner, Gerhard Seel (beide aus Uchtspringe), Gerhard Krüger (Staats) und „Fliege“ Alsleben auf. Letzter war eigentlich Boxer im Fliegengewicht, woher auch der Spitzname stammt. Es zählten aber auch Heinz Hafenstein aus Börgitz, Paul Kampa, der in Uchtspringe Sportlehrer war und Heinz Förster, nach dem der heutige Sportplatz in Uchtspringe benannt ist, zum Volgfelder Aufgebot dieser Zeit.

Mit Hänger zum Auswärtsspiel

„Ich meine mich zu erinnern, dass die Mannschaft gar nicht schlecht war und einige sportliche Erfolge feiern konnte“, erzählt Estedt. Er hat aber auch noch eine gute Erinnerung an so manche Auswärtsfahrten: „Da spannte Richard Köhn einen Hänger hinter seinen Landsbulldog und es ging los.“

Viele der Volgfelder Sportler arbeiteten im damaligen Krankenhaus in Uchtspringe. „Geld spielte schon damals eine Rolle“, so Estedt. Wie der Fußball jedoch finanziert wurde, weiß er nicht mehr. „Dafür war ich noch zu klein.“

Es muss aber Heinz Förster gewesen sein, der aufgrund seiner verantwortlichen Position im Krankenhaus dafür sorgte, dass es eine Unterstützung gab. „Ich meine, dass er das dann organisierte, dass das Krankenhaus der Fußball bezahlt hat und dieser so nach Uchtspringe kam. Denn dort gab es bis dahin keine eigene Mannschaft“, erzählt Otto Estedt.

Damit liegt die Wiege der Betriebssportgemeinschaft (heute Sportverein) Medizin Uchtspringe eigentlich in Volgfelde.