Stendal l Privat sind die meisten aber auch sportlich unterwegs. In loser Folge stellen unsere Kollegen ihre Sportarten vor oder probieren neue aus und berichten darüber.

Der Schläger saust nach unten, er trifft den Ball. Es macht nicht pling, nicht plong. Es macht plock und du spürst es sofort in den Handgelenken. Mittig getroffen – hurra, der Ball fliegt. Ein erhebendes Gefühl, Lohn für die eimerweise geschlagenen Bälle, die in der Vergangenheit kreuz und quer über die Driving Ranche gehoppelt sind. Wenn der Ball dann auch noch halbwegs geradeaus geht und idealerweise ungefähr in der angestrebten Entfernung landet, dann kennt das vorläufige Glück keine Grenzen. Vorläufig deshalb, weil einen die nächsten zehn Schläge ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen holen. Aber Übung macht den Meister und das Üben erfolgt an der frischen Luft.

Sport für Jedermann

Golf hat sich in den vergangenen 30 Jahren mehr und mehr in Deutschland etabliert. In den USA und Großbritannien war es schon immer eine Art Volkssport, in Deutschland wird es das langsam. Die Zeiten, als Golf ein Sport für Eliten war, sind lange vorbei. Sicher, auf höherem Niveau geht es ins Geld, aber das muss es nicht. Die Übungsstunden auf den Driving Ranches sind vergleichsweise günstig. Und viele Clubs haben auch Jedermann-Plätze, die gegen schmales Entgelt zu nutzen sind.

Wenn Sie sich für den Sport interessieren, dann probieren Sie es einfach mal bei einem Club in Ihrer Nähe aus. In der Regel kann man Schnupperkurse buchen. Wenn sich die Situation wieder normalisiert hat, werden diese Kurse bestimmt wieder angeboten. Aber Vorsicht, Golf kann süchtig machen, dieses Risikos müssen Sie sich bewusst sein.

Übungsstunden sollten eingeplant werden

Golf ist ein Hochpräzisionssport. Wenn man halbwegs passabel über den Platz kommen möchte, sollte man einiges an Übungsstunden einplanen. Am besten man macht einen Platzreifekurs. Der dauert eine Woche und man lernt unter der Anleitung von Golf­lehrern (die heißen Pros) die wichtigsten Techniken und Regeln. Der Kurs schließt mit einer theoretischen und praktischen Prüfung ab. Dann hat man die Platzreife und das Handicap 54.

Das mit dem Handicap ist eine interessante Sache. Es sagt aus, wie viel Schläge man auf einem gewöhnlichen Golfplatz mit 18 Löchern mehr braucht, als vorgegeben sind. Vorgegeben sind 72 Schläge. Also darf der Anfänger 54 Schläge, drei pro Bahn, mehr machen als jemand, der Handicap null hat. Das gute ist, jetzt können zwei sehr unterschiedliche Spieler gegeneinander antreten. Der Profi darf auf einem Par vier Loch vier Schläge machen, der Anfänger sieben. Braucht der Profi vier Schläge und der Anfänger nur sechs, hat er dieses Loch gewonnen.

Das ist eine tolle Regelung und macht den Sport massentauglich. Erfunden haben ihn wohl mal irgendwelche schottischen Schafhirten. Die haben aus lauter Langeweile mit ihren krummen Hirtenstäben kleine Steine oder Nüsse über die Hochwiesen getrieben und in einem Kaninchenloch versenkt.

Erste Clubs entstanden im 18. Jahrhundert

Nach und nach baute man Plätze und verbesserte die Schläger. Inzwischen ist das Material Hightech, aber die Bezeichnung Holz für die großen Schläger verweist noch auf die alten Zeiten. Im 17. Jahrhundert wurde die Sportart langsam als solche ausgeübt und im 18. Jahrhundert entstanden die ersten Clubs. Natürlich in England und Schottland.

Heute wird Golf überall gespielt. Man geht von gut 60 Millionen Spielern weltweit aus. In Deutschland gibt es mehr als 600.000 aktive Golfer. Die Zuwachsraten liegen bei jährlich mehr als zehn Prozent. Trotz der langen Geschichte ist Golf also gerade eine Trendsportart.

Koordination und Geschick gefragt

Von vielen Sportlern wird er aber immer noch belächelt, wie andere Randsportarten auch. Die Begründung lautet oft, keine Bewegung, kein echter Sport. Aber das stimmt so nicht. Wie bereits erwähnt ist gutes Golfspiel eine hochpräzise Angelegenheit. Exakte Ausführung gehen einher mit guter Kondition, langer Konzentrationsfähigkeit und guter Anpassungsfähigkeit. Eine Runde auf einem 18-Loch-Platz dauert vier Stunden. Rein rechnerisch sind die Plätze zwischen fünf und sieben Kilometern lang. Bei denen bleibt es aber nicht. Es geht oft kreuz und quer über den Platz. Da sind es dann am Ende schnell zehn Kilometer.

Das geschieht bei wechselndem Wetter. In der Sonne, kurzer Regen, böiger Wind – alles kann in vier Stunden passieren. Und dann kommt es immer wieder auf diesen einen Augenblick an. Wie bei den Biathlethen, die am Schießstand stehen. Alles auf der Strecke rausgehauen und die nächsten Sekunden entscheiden über Sieg oder Niederlage. Wenn man die Kondition hat, sich den Bedingungen gut anpassen kann, muss jetzt dieser nächste Schlag sitzen. Und das ist schwieriger als schnell geschrieben. Wie gesagt Hochpräzision. Der Schläger hat eine geneigte Fläche als Schlagfläche. Die Eisen, so heißen die normalen Schläger, haben je nach Nummer eine andere Neigung. Durch die schräge Schlagfläche wird der Ball in die Luft geschaufelt. Je nach Neigung der Fläche in unterschiedliche Höhe. Deshalb kann man mit gleichem Schwung und gleicher Schlaggeschwindigkeit den Ball recht genau unterschiedlich weit schlagen.

Golfen erfordert auch Geduld

Soweit die Theorie. In der Praxis ist das nicht so einfach. Selbst bei Anfängern hat der Schlägerkopf vor dem Auftreffen auf den Ball eine Geschwindigkeit von 150 Kilometern pro Stunde. Wenn der Ball dann 150 Meter weit fliegen soll, kann man sich schnell vorstellen, welche Auswirkungen nur allerkleinste Abweichungen vom idealen Treffer bei Flugrichtung und Distanz erzeugen. Dagegen ist ein Tritt gegen einen Fußball eine vergleichsweise einfache Angelegenheit. Unsere aktiven Fußballer und Fans verzeihen dem Autor bitte den etwas flachen Vergleich.

Dazu kommt, dass der Platz unterschiedliche Grashöhen hat, von geneigten Ebenen, Wasserhindernissen und Sandbunkern mal ganz abgesehen.

Wenn man es dann doch irgendwann geschafft hat, den Ball auf das Grün zu befördern, wird geputtet. Die meisten Schläge werden übrigens rund im das Grün und auf dem Grün gemacht. Darum mein Tipp, trainieren Sie zum großen Teil diese Schläge. Klar es sieht toll aus, wenn die Bälle vom Abschlag weit gehen, das geneigte Publikum raunt und der Spieler zieht stolz die Schutzhaube über den Driver. Aber wenn er dann vor dem Grün und beim Putten zwei Schläge liegen lässt, hat ihm das nichts gebracht und er das Loch gegen den Anfänger verloren, der bis zum Grün einen Schlag mehr brauchte.

Anfangs reichen günstige gebrauchte Schläger

Diese kurzen Schläge können Sie übrigens überall üben. Mit einer Abschlagmatte, ein alter Läufer geht auch, geht man auf die nächste Wiese. Ein Besenstiel ist das Ziel und los geht es. Aus zehn, 20 oder 50 Metern spielen Sie den Ball so nah es geht an den Stock. Das kann man in der Familie machen und ähnlich wie Boccia spielen. Jeder hat drei markierte Bälle, wer seinen am dichtesten am Stock platziert, gewinnt. Das macht riesen Spaß und am Ende kommt beim gemeinsamen Bällesuchen noch Bewegung dazu. Das ist dann wie Ostern im Sommer.

Diese Spielweise kann man auch in einen Spaziergang einbinden. Das nennt sich dann Crossgolf. Jeder hat einen Schläger und einen Ball. Man sucht sich ein entferntes Ziel, Baum, Busch oder Telefonmast und spielt darauf los. Jeder zählt für den anderen die Schläge. Wer die wenigsten hat, gewinnt und gibt einen aus. Beim Material kommt es nicht darauf an, alles nagelneu zu haben. Gebrauchte Schläger kann man günstig kaufen und zum Üben muss man auch keine extra Golfschuhe tragen, da geht jeder Sportschuh. Das sieht anders aus, wenn Sie auf dem Platz auf ein Grün zum Putten wollen. Dann gibt es mit normalen Schuhen Ärger. Aber bis es soweit ist, können Sie getrost mit Laufschuhen trainieren. Viel Spaß und guten Trainingserfolg.