Stendal l  Eins der größten Ereignisse in den letzten Jahrzehnten stand auf dem Programm, der Challenge Day.

Am Ende dieses Tages stand in diesem sportlichen Wettstreit zwar eine knappe Niederlage, doch die war letztlich irgendwie nebensächlich. Die Freude darüber, so viele Stendaler bewegt zu haben, sich in einer Weise sportlich zu betätigen, überwog.

Wettkampf zwischen zwei Städten

Was war dieser Challenge Day überhaupt und wie kam dieser zustande? Es ist ein weltweites Sportevent. Die Grundidee dieses Wettbewerbs ist, zwei Städte gegeneinander antreten zu lassen. Diese sollen dann so viele Einwohner wie möglich motivieren 15 Minuten Sport zu treiben.

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Duelle gegen Viernheim und Raanana

Stendal bewarb sich beim Deutschen Olympischen Sport Bund (DOSB) für den Challenge Day. Uwe Bliefert, bei vielen als der Sportminister der Stadt Stendal bekannt und nun im Ruhestand im Sportmuseum ehrenamtlich tätig, reiste mit dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Volker Stephan zum DOSB nach Frankfurt/Main zur Auslosung. Die Zuteilung der Städte erfolgte in mehreren Töpfen, richtete sich nach der Einwohnerzahl. Stendal bekam Viernheim aus dem Bundesland Hessen zu gelost. Zudem stand noch die israelische Stadt Raanana mit im Wettbewerb, sorgte so für internationales Flair. „Nachdem wir in Frankfurt waren, wurde uns erst bewusst, was auf uns zu kommt“, so Uwe Bliefert. Zunächst wurde ein Ortbüro eingerichtet und Bliefert trommelte alle wichtigen Leute der Stadt, die mit dem Sport verbunden sind und waren, zusammen. Klaus Schlieker, Siegfried Wille, Gerd Engel, Peter Stolz und weitere Personen steckten die Köpfe zusammen, um die Veranstaltung zu stemmen.

Veranstaltung entpuppt sich als Gewinn

Was dabei raus kam, war eine klasse Veranstaltung. Uwe Bliefert war im Gespräch immer noch die Freude anzumerken, was an diesem 5. Juni 1996 in Stendal auf die Beine gestellt wurde. „Das war ein riesen Event, was wir für Stendal und vor allem für den Breitensport mit so vielen Bürgern organisiert haben.“ Als der 5. Juni 1996 dann ran war, erfolgte um 0 Uhr der Startschuss vor dem Theater mit einer Gymnastik. Die offizielle Eröffnung gab es durch Oberbürgermeister Stephan um 9 Uhr auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Hier fanden die Höhepunkte statt.

Und es gab auch geballte Sportprominenz, die sich vor den Karren spannten. Marathon Olympiasieger Waldemar Cierpinski lief beim Lauf um die Marienkirche mit. Eine Bobbahn wurde aufgebaut und es konnte mit einem weiteren Olympiasieger, Wolfgang Hoppe, im Bob Platz genommen werden.

Buntes Sportprogramm

Zudem waren Cornelia Linse (MDR) und Sportreporter Heinz Günter Otto, der den kurzfristig erkrankten Heinz Florian Oertel vertrat, fachmännisch am Mikro dabei. Aber auch die einheimischen Organisatoren waren den ganzen Tag auf den Beinen. Klaus Schlieker hatte ein Fußballturnier an der Haferbreite in seinen Händen. Die Familie Engel um die Laufgruppe Haeder waren beim Lauf am Start.

Elfi Baumann von der Tanzgruppe TV Popcorn fuhr vor die Ämter, holte dort alle Angestellten raus und bat 15 Minuten zur Gymnastik.

Zudem durfte auch ADI von der berühmten Fernsehsendung „Mach mit, Mach‘s nach, Mach‘s besser“ nicht fehlen.

„Alle Kindergärten, Schulen, Sportvereine, einfach alle haben mitgemacht. Die Müllfahrer sind sogar mit ihren Tonnen hin und her gefahren“, so Bliefert. Zudem wurden Fässer gerollt, Trabant geschoben oder in der Lokalredaktion der Volksstimme wurden Zeitungsrollen geworfen. Die wohl spektakulärste Nummer zog Lokalreporter Donald Lyko mit durch. Er lief einen Elfgeschosser am Altmarkforum von oben herunter.

Am Rathaus liefen alle Drähte zusammen. Es wurden alle Stimmen der Teilnehmer gezählt. Stendal lag gegen Viernheim lange vorn. Um 21 Uhr war Schluss und alle Stimmen wurden gezählt. Und die Hessen zogen noch ein Trumpfass aus dem Ärmel, ließen den bekannten Künstler DJ Bobo auftreten. So hieß das Ergebnis 53,24 Prozent Viernheim, 52,41 Stendal.

Die Stendaler nahmen es sportlich. „Es ist die schönste Niederlage gewesen, wenn es überhaupt eine Niederlage war, die wir erreicht haben. Wir waren der moralische Sieger“, fasste Uwe Bliefert das Event zusammen. Bei der Auslosung zum Wettstreit gab es auch eine Wette, was der Verlierer machen muss. Der damalige Bürgermeister Christian von Staden sagte entschlossen, wir fahren mit dem Rad nach Viernheim.