Osterburg/Quedlinburg l An der vierten Auflage dieser Veranstaltung nahmen neben Routinier Karsten Thiede auch Matthias Ulrich, Ronald Schaffer und Melanie Wiechert teil. Für drei Letzteren war es die Premiere. Um nicht ganz so vom Streckenprofil überrascht zu werden, testeten sie einige Wochen zuvor die Radstrecke. Ohne Vorkenntnisse hätten sie sich vermutlich schon vorher beziehungsweise beim ersten Anstieg abgeschossen.

Bereits am Tag vor dem Wettkampf reisten die Füchse ins Harzvorland.

Der Wecker klingelte einen Tag später früh. Draußen war es noch ziemlich dunkel, aber sonst war alles wie immer vor einem Wettkampf. Spätestens beim Eintreffen in Ditfurt (hier fand das Schwimmen statt) kam Nervosität und teils Hektik auf.

Start am Ditfurter See

6.40 Uhr erfolgte der Startschuss für die ersten vier Teilnehmer. Alle zehn Sekunden wurden vier Starter in den Ditfurter See geschickt, die schnellsten Schwimmer zu erst. Sonnenaufgang, leichte Nebelschwaden über dem Wasser und ein Blick auf die Ditfurter Kirche – das Schwimmen hinterließ für alle Füchse ausnahmsweise eine positive emotionale Erinnerung.

Nach knapp 34 Minuten beendete Matthias Ulrich das Schwimmen und machte sich mühselig in der Wechselzone für die zweite Disziplin bereit. Nach gut 40 Minuten konnte Melanie Wiechert dem Wasser entsteigen, kurze Zeit später dann Karsten Thiede und auch Ronald Schaffer. Die erste Hürde des Höllenritts war genommen, es sollte nun die recht hügelige Radstrecke folgen.

Radstrecke mit starkem Gefälle

Jeder wusste, dass es die zweite Disziplin in sich hat. Erst der windanfällige, eher flachere Teil, welcher dennoch stets auf und ab ging, dann die Auffahrt zur Roßtrappe mit der anschließenden rumpeligen und gefährlichen Abfahrt nach Thale (Gefälle bis zu 14%). Und zum krönenden Abschluss die Auffahrt nach Friedrichsbrunn. Diese fast zehn Kilometer lange Fahrt nach oben, mit allein 1400 Höhenmeter, durfte zudem auch noch zweimal absolviert werden. Manch einer wünschte sich hier eine Hexe zu sein, um auf den Besen nach oben zu reiten.

Ulrich erreicht Zwischenziel

Matthias Ulrich kam dem schon recht nah. Sein Ziel, auf der Radstrecke unter drei Stunden zu bleiben, erreichte er mit Bravour. Da hat sich die lange Wechselzeit mit dem Anziehen der kniehohen Socken doch gelohnt. Er hatte die erste Auffahrt nach Friedrichsbrunn bereits hinter sich, als Melanie diesen in Angriff nahm. Mit Karsten und Ronald im Nacken, ließ sie sich dennoch nicht unter Druck setzen und drückte gewohnt gleichmäßig auf die Pedale. Karsten teilte sich seine Kräfte ebenfalls gut ein. Ronald, hochmotiviert auf seinem neuen Renner, blieb bei der ersten Auffahrt noch hinter Karsten. In Runde zwei legte er zwei Gänge drauf, schloss auf und überholte schließlich seinen Vereinskollegen. So kam er dann nach 03:24 Stunden auf dem Rad hinter Melanie (03:23 Std.) in die zweiten Wechselzone.

Halb-Marathon mit 160 Höhenmetern Unterschied

Karsten konnte trotz leichter physischer Probleme auf dem Rad die Wechselzone in Thale nach 03:30 Stunden zufrieden erreichen und schlüpfte dann in seine Laufschuhe. Mit reichlich Verpflegung für unterwegs machte er sich mit weiteren Sportlern auf die anspruchsvolle Laufstrecke und folgte den drei sich schon quälenden Füchsen. Neben der Halbmarathonstrecke galt es auch noch 160 Höhenmeter zu bezwingen; nicht auf normalem Pflaster oder Asphalt, sondern vor allem über Feld, Wiesen, Stock und Stein. Für alle kein Zuckerschlecken und schon gar nicht für die Flachland-Füchse, es kam einem Trail-Lauf nahe.

In den zu durchlaufenden Orten standen stets Zuschauer, welche die Läufer mit Beifall motivierten. Musik an der Strecke, ausreichend Verpflegungsstände und freundliche Streckenposten ließen einige Starter regelrecht ins Ziel fliegen.

Bei allen Füchsen kam ein Fluch auf

Da bekanntlich Füchse nicht fliegen können, schleppten sich Matthias, Melanie, Ronald und Karsten eher ins Ziel. Spätestens als es auf Kopfsteinpflaster zum Schlossberg hochging, kam bei allen Füchsen ein Fluch auf. Steiler geht es kaum, Gehen war hier keine Schande und Hinunterlaufen kaum machbar.

Füchse schleppen sich in das Ziel

Matthias konnte, trotz der Strapazen und vermisster Rolltreppe bei den Anstiegen, mit einer zufriedenen Laufzeit von 01:48 h als erster der Füchse das Ziel erreichen. Natürlich völlig unerwartet ist er unter einer Gesamtzeit von 05:30 h geblieben. Da hat sich der Höllenritt gelohnt und das viele Radtraining in den deutschen Gebirgen doch bemerkbar gemacht. Auch Melanie konnte trotz vieler Gehpassagen den Lauf zufriedenstellend beenden. Mit dem Gedanken, dass in jedem Moment Ronald an ihr vorbeizieht, mühte sie sich von einem Kilometer zum anderen. Die letzten hundert Meter waren gefühlt ein Kilometer, erst nach dem Durchlaufen einer kleinen geschlossenen Gasse ging es auf den Marktplatz. Hier war klar, dass sie keiner mehr überholt, der Zielbogen war in Sichtweite. Mit großer Freude, aber völlig platt, durchlief sie diesen mit einer guten Laufzeit von 01:50 h.

Kampf hat sich gelohnt

Ronald konnte seine Stärke beim Laufen leider nicht zeigen. Vermutlich beim zweiten Anstieg nach Friedrichsbrunn auf dem Rad abgeschossen und zudem noch zu wenig getrunken, ging er mit Krämpfen in den Beinen auf die Laufstrecke. Trotz alledem genoss er die Schönheiten der Strecke, kam mit einer Laufzeit von 01:56 h erschöpft ins Ziel und freute sich, den Höllenritt überstanden zu haben. Karsten ließ es auf der Laufstrecke wie gewohnt etwas langsamer angehen, er kennt seine Beine. Auf den steileren Anstiegen zog er es wie Melanie vor, schnell zu Gehen als noch langsamer zu Laufen. Kräfteschonen war das Motto, denn auch er wollte durchhalten und finishen. Als letzte “Gemeinheit” bezeichnet, schaffte auch er den steilen Schlossberg mit viel Mühe und konnte eine für ihn sehr emotionale Zieldurchquerung mit einer Laufzeit von 02:52 h erleben. Karsten überstand seinen mittlerweile dritten Höllenritt und hofft auf weitere Teilnahmen. Auch wenn Matthias, Melanie und Ronald zunächst von den Streckenprofilen bedient waren, sind sie nun schon fast wieder davon überzeugt, es im kommenden Jahr erneut anzugehen. Irgendwann muss doch mal der Besen zum Einsatz kommen.

Es ist definitiv ein anderer Triathlon-Wettkampf als viele andere, der hat schon “Kult”. So waren unter anderem auch bekannte Gesichter wie Nils Flieshardt (Chefredakteur der Zeitschrift “Triathlon”) und Ingo Quendler (Youtuber, Podcaster) vor Ort, die sich der Hölle einmal stellen wollten.

Neben zahlreichen Profis, die neue Bestzeiten aufstellten, gab es im Rahmen der Mitteldistanz einen der ganz wenigen Wettkämpfe für Teilnehmer mit geistiger Behinderung – “Hölle Special”. Dieser fand zum zweiten Mal auf kürzeren Strecken (150m/6km/2km) statt.