Der Haldensleber SC hat am Wochenende darüber informiert, dass er sich im Sommer von Trainer Stephan Grabinski trennt. Eine Entscheidung, die auf den ersten Blick schwer nachzuvollziehen ist, steht der Verbandsligist doch als Tabellendritter nur zwei Punkte hinter dem Spitzenreiter - bei einem Spiel weniger auf dem Konto. In der Volksstimme äußert sich heute der Trainer dazu.

Volksstimme: Am Freitag haben Sie erfahren, dass der HSC nach dieser Saison nicht mehr mit Ihnen plant. Waren Sie überrascht?

Stephan Grabinski: In den letzten Monaten gab es genügend Signale, dass zum Zeitpunkt X die Schlussinformation folgt. Der Zeitpunkt ist unglücklich gewählt. Leider hat es in der Vergangenheit viel zu wenig Kontakt zur Abteilungsleitung gegeben, um vorhandene Probleme und Schwerpunkte der Weiterentwicklung anzusprechen und diese dann gemeinsam anzugehen. Im Hintergrund wurde nicht miteinander sondern gegeneinander gearbeitet und das von Personen, die bisher nicht viele Aktivitäten für den Verein getätigt haben. Für die Zukunft der Abteilung werden schwierige Zeiten folgen, wenn sich nicht auf ehrliche und vertrauensvolle Arbeit geeinigt wird. Mehrfach wurden Aktionen gestartet, die gegen die Entwicklung sprachen. Ganz aktuell sind das die ausgesprochenen Verbote an Spieler der A-Jugend am Trainingsbetrieb der 1. Herren teilzunehmen und die mangelnde Kooperation der Verantwortlichen der U 23. Vor Jahresfrist waren es immer wieder Spieler der 1. Herren, die den Spielbetrieb der U23 aufrecht erhielten! Im Vorfeld dieser Saison kamen Spieler vom OSC zum HSC zurück mit der Zielsetzung, sie in den Trainings- und Spielbetrieb der 1. Herren einzubinden. Es wurden finanzielle Mittel dafür bereitgestellt. Leider war die sportliche Herausforderung in der Bördeliga höher. Parallel wurde anderen Spielern abgesagt. Im Ergebnis ging die 1. Herren mit schmalem Kader in die Vorbereitung.

Volksstimme: In welcher Form wurden Sie über die Entscheidung informiert?

Stephan Grabinski: Am Freitag waren die eingeladenen Vertreter der 1. Herren komplett im Waldstadion der ausgesprochenen Einladung gefolgt. Leider waren von der Abteilungsleitung nur zwei der gewählten fünf Vertreter anwesend. Nach kurzer Einleitung erhielt jeder einen Brief. Darin waren Punkte aufgelistet, die komplett einstimmig beschlossen wurden. Es ergab sich keine Gelegenheit, die Situation zu erörtern. Die identischen Briefe erhielt jeder Spieler ausgehändigt.

Volksstimme: Es wurde unter anderem bemängelt, dass kein tragfähiges Konzept vorliegt. In Anbetracht der geringen Zuschauerzahlen ist das nachvollziehbar. Können Sie die Bedenken der Vereinsführung zumindest teilweise verstehen?

Stephan Grabinski: Dieser Sachverhalt zieht sich seit Jahren durch die Öffentlichkeit. Die Zahlen, die angegeben wurden, sind jederzeit zu belegen. Zu keinem Zeitpunkt meiner Aktivitäten für den Verein gab es Momente, in denen sich Mitglieder der Abteilungsleitung finanziell einbringen mussten, um Verpflichtungen nachzukommen. Ich glaube, die Problematik liegt in der mangelnden Identifizierung mit dem leistungsorientierten Fußball in Haldensleben. Was möglich ist, zeigte das gewonnene Spiel im letztjährigen Pokalhalbfinale gegen den 1. FC Magdeburg vor 2000 Zuschauern. Zum diesem Zeitpunkt wurde es unter anderem versäumt, aktiv auf potentielle Sponsoren zuzugehen. Zu diesem Zeitpunkt wurde sich im Erfolg der 1. Herren ausgeruht. Meine Person spielt bei der Thematik eine untergeordnete Rolle. Jeder, der sich die Geschichte der 1. Herren anschaut, wird erkennen, dass der Weg nicht so schlecht gewesen sein kann. Einige Erfolge sind zu verzeichnen. Wenn man mir oder Spielern eine vernünftige Alternative aufgezeigt hätte, wäre ich auch in die zweite oder dritte Reihe gegangen. Wenn eine Person bereit gewesen wäre, sich vor die Mannschaft zu stellen und sie voran zu bringen, wäre ich gern ein Stück zurückgegangen. Leider gab es keinen, außer sogenannten Experten, die sich anonym zeigen!

Volksstimme: Als Trainer waren Sie nie unumstritten. Wie erklären Sie sich den Zusammenhalt des Teams, das oft als "Söldner-Truppe" wahrgenommen wird, ausgerechnet jetzt?

Stephan Grabinski: Diese These kenne ich nicht. Es ist aber nicht unnormal, dass es zu Problemen kommt, wenn man mehrfach die Woche zusammenkommt. Unterm Strich zählen die Ergebnisse. Danach sollte abgerechnet werden.

Volksstimme: Wie haben Sie die Stimmung unter den Zuschauern am Sonnabend wahrgenommen?

Stephan Grabinski: Die Stimmung war merkwürdig. Auf der einen Seite gab es durch Zwischenrufe ein klares Bekenntnis zur 1. Herrenmannschaft, andere wussten nicht, wie sie reagieren sollten. Auch die Mannschaft und deren Führung hatte Probleme, die Situation einzuschätzen und damit umzugehen. Im Ergebnis steht ein klares 4:0 für den HSC und das ist es, was zählt.

Volksstimme: Ihr Team hat am Sonnabend mit dem 4:0 gegen den Oscherslebener SC eine Trotzreaktion gezeigt. Kann dieser Effekt bis zum Saisonende anhalten?

Stephan Grabinski: Ich hoffe, dass wir die Spannung bis zum letzten Spieltag hochhalten können und weiterhin erfolgreiche Ergebnisse einfahren. Das ist die korrekte Antwort auf die Festlegungen.

Volksstimme: Ist es nicht wahrscheinlicher, dass die Spieler jetzt so mit der Suche nach neuen Vereinen beschäftigt sind, dass sie weniger ans Fußballspielen denken?

Stephan Grabinski: Ich wiederhole gern nochmals, dass sich die Mannschaft eingeschworen hat, die Saison erfolgreich zu Ende zu spielen. Jedem Spieler steht es natürlich frei, sich für die nächsten Spielzeiten bei anderen Vereinen anzuzeigen.

Volksstimme: Im Beschluss, der Ihnen und Ihren Spielern zugegangen ist, steht auch, dass Ihre Arbeit gewürdigt werden soll. Ist das passiert?

Stephan Grabinski: Es geht nicht um meine Person - es geht um die weitere Entwicklung des Haldensleber Fußballs. Die Stellungnahme der Abteilung lasse ich unkommentiert, nur so viel: Der Zeitpunkt ist unglücklich und der Inhalt lässt viel Luft nach oben.

Volksstimme: Können Sie sich vorstellen, sich in einem anderen Verein zu engagieren?

Stephan Grabinski: Es ist merkwürdig, dass bereits im Vorfeld der Verkündung durch die Abteilung verschiedene Vereine anfragten und sich eine Zusammenarbeit mit meiner Person vorstellen könnten. Anscheinend gab es bereits Informationen an die Umgebung, ehe die eigentlichen Beteiligten den Bescheid erhielten.