Seehausen l Nach einer tollen Saison, die auf Rang fünf endete, steht der SV Seehausen erneut vor einem Umbruch. Trainer Patrick Horn spricht mit der Volksstimme über die abgelaufene Spielzeit, seine Philosophie und seine Gründe – trotz anderer Angebote – weiterhin in Seehausen an der Linie zu stehen.

Volksstimme: Herr Horn, entspricht die Abschlussplatzierung ihren Erwartungen?

Patrick Horn: Nach einem starken dritten Platz in der Vorsaison konnten wir in diesem Jahr einen guten fünften Rang erreichen. Die Erwartungen, nach einem Umbruch vor der Saison, waren auf Platz acht bis zwölf geschraubt. Daher sind wir mehr als zufrieden und wissen dennoch, dass es eine schwierige Saison war.

Warum war es schwierig?

Wir hatten ein Verletzungspech, wie ich es vorher kaum erlebt habe. So stand uns in mehreren Phasen der Saison nicht einmal ein ganzes spielfähiges Team zur Verfügung. Über 30 Spieler kamen von den Alten Herren bis zur 2. Herrenmannschaft zum Einsatz. Darunter alleine vier Torhüter, sodass sich eine Mannschaft von einem zum nächsten Spiel nie personell so wieder fand. Dennoch ist es uns gelungen, Spiel für Spiel das Beste aus unseren Möglichkeiten zu machen.

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Was hat eine mögliche bessere Platzierung verhindert?

Vor allem das Verletzungspech bleibt mir im Hinterkopf, denn viele Leistungsträger fehlten über sechs Monate am Stück und kamen am Ende der Saison nicht mal auf die Hälfte der Einsätze aller Spiele. Zudem hatte es die Rückrunde mit sechs englischen Wochen dann richtig in sich, denn der April und Mai waren zwei Monate, in denen wir jeden dritten bzw. vierten Tag spielten und so die Belastung nicht normal war. Und das verrückte und das total positiv gesehen, meist, wenn wir geschwächt in die Partien gingen, wuchsen Leute über sich hinaus, von denen man es nicht erwarten konnte. Wir konnten glücklich sein, dass wir uns vor der Saison mit guten, jungen und talentierten Spielern verstärkt hatten.

Welche Spiele bleiben Ihnen in Erinnerung?

Positiv gesehen, waren es beide Siege gegen den Ummendorfer SV (5:2/2:3) sowie das Heimspiel gegen den Oscherslebener SC (5:1), das wir nach negativem Hinspiel (3:1-Niederlage) unbedingt in der Rückrunde drehen wollten. Ärgerlich, aber auch völlig verdient, verloren wir das Pokalhalbfinale in Wulferstedt mit 0:2. Auch im Hinterkopf bleibt der 3:4-Auswärtssieg gegen Eintracht Osterwieck in Halberstadt, denn dabei erzielten wir fast alle drei Treffer per Eigentor für Osterwieck selbst.

Wer waren die Leistungsträger im Team?

Da jemanden herauszupicken wäre unfair, denn wir haben den fünften Platz als Team erreicht. Sicher weiß ich den einen oder anderen Spieler mehr zu schätzen nach dieser Saison, doch wichtig ist am Ende des Tages die Entwicklung des Teams und der jungen Spieler. Da haben wir uns in vielen Phasen entwickelt.

Welche Mannschaft hat Sie in der zurückliegenden Saison überrascht und warum?

Überraschend ja, aber am Ende völlig verdient Staffelsieger geworden ist der Blankenburger FV. Das Team begeisterte mich nach dem Trainerwechsel im Sommer durch absolute Willenskraft, durch ihre taktische Ordnung und durch die gesamte Teamfähigkeit. Wenn man dann noch solch Teufelskerl wie Ben Hartmann im Tor hat, dann gewinnst du selbst die schwächeren Spiele oder holst die nötigen Punkte. Aber auch die ZLG Atzendorf war für mich lange eine Überraschung in der zurückliegenden Saison. Und am Ende auch Germania Wulferstedt, das seine Spiele spielerisch und mit entsprechendem Kampf gewinnen konnte und dazu ins Pokalfinale eingezogen ist.

Welche Erwartungen dürfen die Anhänger ihrer Mannschaft in dieser Zusammenstellung für die neue Saison haben?

Bei solch einem Umbruch und bei solchen wichtigen Spielern, die uns nicht mehr zur Verfügung stehen, werden wir erst mal hart arbeiten und keine großen Ziele nach Außen posaunen. Wir haben sehr gute und qualitative Spieler dazugewonnen, doch jetzt gilt es, daraus ein Team zusammen zu stellen, um am Ende definitiv nichts mit dem Abstieg am Hut zu haben.

Ich bin von der Qualität des Teams überzeugt und es ist auch der Reiz, jetzt den Gegnern des SV Seehausen zu zeigen, dass wir sportlich nicht zusammenbrechen. Auch wenn das kein einfacher Weg wird. Wir sollten nicht träumen, denn der Verein geht seinen sportlich soliden, wirtschaftlichen Weg unter den begrenzten Möglichkeiten nach. Es wird wichtig sein, die jungen Spielern so zu formen, dass sie neben etablierten Spielern wachsen können. Hinzu wollen wir erreichen, mit sauberer und harter Arbeit den einen oder anderen Fan auf den Sportplatz nach Seehausen zu lotsen.

Sie als Trainer hatten auch Angebote von anderen Klubs. Warum haben Sie sich entschieden in Seehausen zu bleiben?

Am Ende war es mir persönlich wichtig nach guten sportlichen anderthalb Jahren beim SV Seehausen mein Versprechen an den Verein zu halten. Sicher ist es hart, wenn du sportlich und wirtschaftlich zusehen musst, wie immer wieder gut entwickelte Spieler den Verein verlassen. Doch mein Anteil, viele junge Spieler im letzten Sommer zum SVS geholt zu haben, war groß und ich wollte sie entwickeln und nicht nach einem Jahr wieder im Stich lassen. Hinzu habe ich auch das Gefühl, etablierte Spieler im Team zu haben, die meine Arbeit schätzen.

Welche Teams sehen Sie als Meisterschaftsanwärter?

Ich würde sofort auf den Ummendorfer SV und Stahl Thale tippen, doch auch Langenstein, Quedlinburg und auch den OSC sollten wir nicht vergessen. Wie viel Qualität diese Landesklasse 3 hat, sah man in der letzten Saison. Am Ende wird sich das Team durchsetzen, das am konstantesten durch die Serie zieht.

Wann starten Sie in die Vorbereitung?

Wir sind bereits am Samstag, den 7. Juli, um 14 Uhr mit einem bunten Programm eingestiegen. Am Dienstag ging es dann aber erst richtig auf dem Platz los. Wir haben nach diesen Umbruch genügend Arbeit vor uns und wollen keine Zeit verschenken.