Halberstadt l Volksstimme-Reakteur Ingolf Geßler unterhielt sich in diesem Zusammenhang mit dem sportlichen Leiter und Co-Trainer Enrico Gerlach über Mannschaft, die erste Trainingswoche, die aktuelle Situation rund um die Corona-Pandemie

Vornweg natürlich die Frage: Sind alle in der Mannschaft und im Trainer- und Funktionsteam wohlauf?

Enrico Gerlach: Bei uns ist alles ok, alle sind gesund und wohlauf und natürlich glücklich, wieder trainieren zu können.

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Heute Abend steigt die nächste Videokonferenz der Arbeitsgemeinschaft zur Fortführung der Regionalliga-Saison. Gab es im Vorfeld neue Erkenntnisse oder Tendenzen?

Der Stand ist immer noch der gleiche. Ich hoffe natürlich, dass durch die Ergebnisse der Konferenz endlich Licht am Tunnel zu sehen ist.

Welche Varianten siehst Du persönlich als sinnvollste an, gesetzt dem Fall, ab Februar oder März kann wieder gespielt werden?

Das ist momentan alles, wie in eine Glaskugel zu gucken. Meine Meinung zählt da ohnehin nicht, es wird schon schwierig genug, die Meinungen von 20 Vereinen zu berücksichtigen. Der Tenor war immer, dass wir so viele Spiele machen wollen, wie möglich. Und dieser Gedankengang wird weiter verfolgt werden. Alles andere müssen wir bei der Videokonferenz abwarten.

Die Mannschaft befindet sich nach der Pause über den Jahreswechsel gut eine Woche wieder im Training. Welchen Eindruck haben die Jungs beim Trainerteam hinterlassen?

Da muss man der Mannschaft wirklich ein großes Lob aussprechen. Alle haben ihre Hausaufgaben gemacht, auch in der Zeit, wo sie frei hatten. Da sind wir sehr positiv überrascht. Die Jungs machen wirklich einen top Eindruck. Im Prinzip kann es morgen losgehen, so muss man das wirklich sagen. Alle zeigen viel Engagement, großen Ehrgeiz, ziehen in den Trainingseinheiten super mit. Das macht wirklich viel Spaß.

Von Motivationsproblemen ist also trotz des ungewissen Restarts nichts zu spüren?

Ich habe immer betont, wir sollten froh sein, dass wir trainieren dürfen. Für die anderen Vereine, gerade hier auch im direkten Umfeld im Harz, ist es schade, dass aktuell in puncto Fußball gar nichts möglich ist, nicht einmal Training. Ich denke da besonders an die Kinder, die ihrem Sport nicht nachgehen können. Und das betrifft ja nicht nur den Fußball, es geht ja allen Sportarten so. Das ist wirklich bedauerlich.

Wie ist der Stand bei den verletzten Spielern?

Michael Ambrosius fällt aufgrund seiner Knie-Operation langfristig aus, da es sich um eine Beschädigung des Knorpels handelt. Sein Vertrag endet im Sommer, aber wir werden ihm natürlich Zeit lassen. Dann muss man sehen, wie das Knie reagiert, dadurch steht natürlich ein großes Fragezeichen. Mit Niclas Knoop haben wir den Vertrag aufgelöst, er wäre ja mit seinem Kreuzbandriss ebenso wie Batikan Yilmaz bis zum Saisonende ausgefallen. Bei beiden hat sich durch die aktuelle Situation auch die Reha etwas schwierig gestaltet.

Sind durch die Verletzung von Michael Ambrosius vielleicht noch personelle Änderung zu erwarten?

Wir gucken noch, es ist aber noch nichts zu 100 Prozent spruchreif.

Als Co-Trainer stehst Du auch selbst wieder mit der Mannschaft auf dem Platz. Bist Du froh über die Abwechslung?

Natürlich, wir sind ja nun auch Sportler durch und durch. Na klar macht das wieder Spaß. Aber ich will das gar nicht so in den Vordergrund stellen. Natürlich gibt es immer wieder Aussagen wie „Die dürfen trainieren, wir nicht“. Wer Sportler ist, der weiß auch: Wir wollen alle wieder starten, Training machen, Wettkämpfe bestreiten. Darum halte ich das auch, was meine Person betrifft, auf kleiner Flamme.

In „normalen Zeiten“ würdest Du jetzt wahrscheinlich Gegner beobachten, mögliche Neuzugänge sichten oder andere Spiele besuchen. Wie gestaltet sich das Tätigkeitsfeld in der Corona-Zeit?

Man muss natürlich verfolgen, was passiert bei uns in der Regionalliga. Darüber hinaus müssen wir den Fokus auch auf das Wirtschaftliche legen. Es liegt uns natürlich am Herzen, dass wir durch die aktuell sehr schwierige Phase kommen. Dazu gilt es auch, über den Tellerrand zu schauen, wie kann man die neue Saison gestalten. Wie sieht es bei unseren Jungs aus, von denen uns auch der ein oder andere verlassen wird. Das sind die Themen, die uns momentan beschäftigen. Alles andere ist schwierig. Natürlich können wir keine Spiele beobachten, weil alles pausiert. Selbst Spiele der 1. Bundesliga oder 3. Liga zu gucken, wird ohne Zuschauer irgendwann auch langsam etwas fad. Wenn man wenigstens im Fernsehen etwas Atmosphäre hätte.

Gibt es trotz der schwierigen Situation schon Tendenzen, was einzelne Personalien in der neuen Saison betrifft?

Wir wissen, dass wir in Halberstadt mit jungen Spielern arbeiten. Da kann es immer sein, dass sich ein oder mehrere Spieler für höhere Aufgaben empfehlen. Manche gehen auch den Weg, eine Ausbildung zu machen, wodurch der Sport dann nicht mehr ganz im Vordergrund steht. Da muss man immer abwägen, dass es den einen in diese und einen in die andere Richtung wegziehen kann. Da gilt es jetzt im Februar oder März schon einmal mit den Spielern zu reden, bei denen wir der Meinung sind, sie sollten doch über diese Saison hinaus in Halberstadt bleiben. Und da müssen wir unsere Hausaufgaben machen, um diese Leute beim VfB Germania zu halten.

Das Coronavirus beeinflusst das tägliche Leben. Wirkt sich das stark auf den Trainingsbetrieb aus?

Wir haben natürlich unser Hygienekonzept, das strikt eingehalten wird. Coronatests haben wir jetzt nicht gemacht. Wir dürfen trainieren, das ist erstmal viel, viel wert. Alles andere wird sich heute in der Videokonferenz zeigen und dann vielleicht im Verlauf der nächsten Woche entwickeln. Es ist schon wichtig, wann es wieder mit den Spielen losgehen kann. Wenn du jetzt über zehn Wochen Vorbereitungszeit hast, ist das natürlich eine „lange Latte“. Dann ist es wichtig, dass man die richtige Mischung findet. Deswegen trainieren wir aktuell auch nur an drei Tagen in der Woche. Wir warten alle auf den „Tag X“, an dem es wieder los geht. Und wenn der NOFV sagt, jetzt geht es los, dann gibt es auch keine Vorbereitungszeit, dann müssen wir an diesem Tag zu 100 Prozent auf der Matte stehen.

Bringen Corona-Auflagen Einschränkungen im täglichen Trainingsbetrieb mit sich?

Wir sind die einzige Mannschaft, die auf dem Trainingsgelände zu sehen ist, weil wir eben trainieren dürfen, das ist unser großes Plus. Ansonsten heißt es hier „Still ruht der See“. Da kullern manchmal die Tränen, weil kein Nachwuchs zu sehen ist, den man beobachten kann. Einfach auch mal wieder Kinder zu sehen, die Spaß am Sport haben. Das ist schon Wahnsinn, das muss man ganz ehrlich sagen. Ansonsten bewegen wir uns momentan auf dem Kunstrasenplatz und wenn möglich auf der Tartanbahn rings um unseren Platz im Friedensstadion. Alle anderen Einrichtung wie das Sea­land oder der Fitnessbereich im Freizeit- und Sportzentrum sind ja geschlossen.